Polit-Quereinsteiger kandidiert als Schulpräsident
Lukas Schütz war schon vieles – unter anderem Schulleiter –, aber nie Politiker. Als klar wurde, dass es eine Kampfwahl ums Schulpräsidium gibt, habe er sich die Sache gut überlegt.
Lukas Schütz ist die dritte Kandidatur fürs Opfiker Schulpräsidium – zur Überraschung und teilweise zum Ärger der anderen Parteien (siehe Artikel auf Seite 1).Warum kandidiert er? «Weil mir die Schule, die Menschen, die darin arbeiten, und vor allem die Kinder sehr am Herzen liegen», so Lukas Schütz auf die schriftliche Anfrage des «Stadt-Anzeigers». Als ausgebildeter Schulleiter kenne er den Schulalltag und bringe gleichzeitig Führungserfahrung sowie Kompetenzen in Coaching und Kommunikation mit. Diese wolle er nun nicht nochmals operativ als Schulleiter, sondern als Schulpräsident in einem politischen und strategischen Gremium einbringen und die Interessen der Schule auch im Stadtrat wirkungsvoll vertreten.
Andere Parteien kritisieren nicht nur Schütz’ Kandidatur an sich, sondern vor allem den späten Zeitpunkt und die Tatsache, dass die Vorauswahl der Interparteilichen Konferenz IPK (zusammengesetzt aus den acht Opfiker Ortsparteipräsidien) so unterlaufen werde. Schütz verteidigt sich: «Ich war Teil des ursprünglichen Auswahlverfahrens für den freien Sitz in der Schulpflege und habe den damaligen Entscheid der IPK respektiert. Für das Schulpräsidium war zu diesem Zeitpunkt eine andere, unbestrittene Lösung vorgesehen.» Erst durch eine zusätzliche Kandidatur (von Roger Peter, Anm. d. Red.) sei klar geworden, dass es keine stille Wahl geben werde. «Damit entstand eine grundlegend neue politische Ausgangslage.»
Zusätzliche Auswahl bieten
Die Mitte Opfikon sei überzeugt, mit ihm eine fachlich und persönlich geeignete sowie breit wählbare Persönlichkeit für dieses anspruchsvolle Amt gefunden zu haben, so Schütz weiter. «Aufgrund meiner Erfahrung in Schule, Führung und Kommunikation hat sie mich deshalb angefragt, für das Schulpräsidium zu kandidieren und zugleich ihren bisherigen Sitz im Stadtrat zu verteidigen.»
Er habe nach sorgfältiger Überlegung zugesagt. Seine Kandidatur richte sich nicht gegen eine bestimmte Person und sei auch keine Reaktion aus persönlicher Enttäuschung. Sie gebe der Bevölkerung eine zusätzliche Auswahl.
Sein beruflicher Weg sei vielseitig: «Ursprünglich habe ich Automechaniker gelernt und später eine Schauspielausbildung absolviert. Während mehr als 25 Jahren war ich als Moderator und Führungsperson bei Radio und Fernsehen tätig. Im Emmental-Entlebuch war ich zudem am Aufbau und an der Realisierung eines Lokalradios beteiligt.» Später habe er für Unternehmen und Organisationen als Coach, Kommunikationstrainer und Kommunikationsleiter gearbeitet und die Ausbildung zum Schulleiter absolviert. «In Kloten leitete ich eine Kindergarten- und Primarschule in einer anspruchsvollen Aufbau- und Stabilisierungssituation. In Kilchberg war ich am Aufbau einer Tagesschule beteiligt.»
Der 60-Jährige nennt Opfikon, wo er mit seiner Familie lebt, seit über 17 Jahren sein Zuhause. «Hier sind unsere Kinder aufgewachsen, hier sind Freundschaften entstanden, und hier sind wir gesellschaftlich und persönlich verankert.»
Politisch ein Quereinsteiger
Bisher hatte Schütz weder ein politisches Amt noch eine Parteifunktion inne. Er verstehe sich deshalb nicht als klassischen Parteipolitiker. Er wisse, was strategische Entscheide im Alltag bei Kindern, Eltern, Lehrpersonen, Schulleitungen und Betreuungspersonen auslösen könnten. «Als Schulleiter habe ich Verantwortung übernommen, Strukturen aufgebaut und in schwierigen Situationen Vertrauen zurückgewonnen. Ich bin es gewohnt, zuzuhören, Konflikte anzusprechen und unterschiedliche Sichtweisen zusammenzuführen.»
Herausforderungen für die Schule sieht er im Wachstum Opfikons: «Zentral ist, allen Kindern unabhängig von Herkunft, Sprache oder familiären Voraussetzungen gute Bildungschancen zu ermöglichen. Gleichzeitig müssen wir qualifizierte Mitarbeitende gewinnen, halten und vor Überlastung schützen.» Weitere Herausforderungen seien klare Führungs- und Organisationsstrukturen, eine verlässliche Kommunikation mit Eltern und Bevölkerung sowie eine sinnvolle Digitalisierung – all dies pädagogisch überzeugend und finanziell verantwortbar. «Die eigentliche Kunst besteht darin, Qualität, Chancengerechtigkeit und verfügbare Mittel in ein tragfähiges Gleichgewicht zu bringen.»
Schütz hält wenig davon, bereits vor Amtsantritt Lösungen zu verkünden. «Zuerst muss man verstehen, was gut funktioniert, wo tatsächlich Handlungsbedarf besteht und welche Erwartungen an das Präsidium gestellt werden. Danach würde ich gemeinsam mit den Verantwortlichen wenige, aber klare Prioritäten festlegen.» Gewählt wird am 29. November.
Kandidierende kennenlernen
Zusammen mit der Mitte-Partei veranstaltet der «Stadt-Anzeiger» am kommenden Mittwoch, 4. November, ein Podium zu den Schulpflegewahlen. Teilnehmen werden voraussichtlich Lukas Schütz (Mitte) und Roger Peter (ohne Parteiunterstützung), die beide fürs Schulpräsidium kandidieren.
Das Podium startet um 19.30 Uhr im Forum St. Anna, Wallisellerstrasse 20. Eingeladen sind alle, die sich aus erster Hand über die Kandidierenden und ihre Beweggründe informieren möchten. Moderiert wird das Gespräch von «Stadt-Anzeiger»-Redaktor Roger Suter. (red.)
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