Wolf: «Wir haben das, was wir haben»

Richard Stoffel

Auf die ersten zwei Auftaktsiege in die neue Saison folgten beim ersatzgeschwächten Kloten fünf Niederlagen in Folge und der Sturz auf den 13. und vorletzten Rang. Nach dem 0:4 in Genf ist klar: Momentan liegt es nicht mehr nur an den zahlreichen Absenzen, auch das Selbstvertrauen ist gesunken.

Nur drei Tore in den letzten vier Spielen erzielte Kloten, gegen Biel (0:6) und zuletzt in Genf (0:4) dabei gar keines. Dort ebneten die Gastgeber mit zwei Powerplay-Toren im Startdrittel den Weg zum Sieg. Nach zwei Dritteln stand es bereits 4:0 für Genf, das dafür nur gerade 14 Torschüsse benötigte.

Goalie Reto Berra wurde von seinen Vorderleuten teilweise mangelhaft unterstützt. Fehlerhaftes Defensivverhalten und unzureichende Offensivwirkung prägten Klotens Auftritt. Das Bemühen war da, doch das Durchsetzungsvermögen fehlte. Auch, weil der Gegner die höhere Qualität aufs Eis brachte. Nur einen Punkt hinter Kloten liegt Schlusslicht Lugano mit fünf Zählern bei zwei weniger ausgetragenen Spielen.

Im Gegensatz zu Kloten mischen andere «Underdogs» wie Ajoie (5./bester National-League-Saisonstart der Klubgeschichte) oder Ambri-Piotta (4.), der Letzte und der Vorletzte der letzten Saison, in der erweiterten Spitze mit. Natürlich spielt bei Kloten das krasse Verletzungspech zu Saisonbeginn mit acht bis neun abwesenden Spielern in den letzten Spielen eine Rolle.

Eine «Off-Night» gegen Biel

Aber es darf nicht die einzige Erklärung bleiben. Denn Kloten soll und muss mehr drin und draufhaben, als momentan auf dem Eis umgesetzt wird. Schliesslich ist die Mannschaft ja durchaus noch mit einigen erfahrenen Leadern bestückt. Aber aus der zweiten Reihe fehlte in den letzten Spielen der Output, nachdem die in den ersten Spielen so starken finnischen Stürmer Arttu Ruotsalainen und Petteri Puhakka selbst deutlich weniger produziert hatten.

Das 0:6 gegen Biel vor einer Woche war die erste Off-Night der Saison von Kloten, das die höchste Heimniederlage seit einem identischen Verdikt gegen Ambri-Piotta vor vier Jahren kassierte. Schon kurz nach Spielbeginn lag Kloten gegen das auswärtsschwächste Team der letzten National-League-Saison mit 0:1 zurück, nach zwölf Minuten und einem Doppelschlag innerhalb von 22 Sekunden gar 0:3. Ein ­Time-out von Headcoach Michael Liniger blieb so gut wie wirkungslos. Das 0:4 kassierte Kloten nach dem erst achten Torschuss von Biel.

Abkehr von «Soft-Hockey»

«Wir stehen zu weit weg vom Gegner», kritisierte Sportchef Ricardo Schödler schon nach dem ersten Drittel gegenüber MySports. Captain Dario Meyer sprach gar von «Soft-Hockey» und einem inakzepta­blen Auftritt. Tatsächlich blieb Klotens ­Reaktion bis am Ende überschaubar. Beim 2:3 im Derby gegen den nach wie vor makellosen Leader ZSC Lions war der Wille deutlich erkennbar. Der hochdekorierte neue ZSC-Headcoach Claude Julien bezeichnete Kloten gar als «das bessere Team im ersten Drittel der Partie».

Klotens Bernd Wolf erkannte da «Herzblut in den Zweikämpfen» und kam zum Schluss: «So müssen wir aber immer auftreten.» Doch die Forderung des österreichischen Nationalverteidigers mit Schweizer Lizenz verpuffte schon am Dienstagabend in Genf.

Die ungemütliche Tabellenlage will Wolf aber angesichts der noch ausstehenden 45 Qualifikationsspiele nicht über­bewerten. Der nächste Heimspiel-Gegner Fribourg-Gottéron, so Wolf, sei vor zwei Jahren auch sehr schlecht in die Qualifikation gestartet, kam am Ende aber noch in die Top 6 und wurde in der letzten Saison gar Meister.

Gut, so hoch wird Kloten in nächster Zeit nicht fliegen. Aber mehr als im Jetzt ist dem EHC alleweil zuzutrauen. «Um auch Top-Teams bezwingen zu können, braucht es nicht nur eine gute Leistung, sondern eine sehr gute bis aussergewöhnliche Performance», betont Wolf, der gegen die ZSC Lions beim 1:0 der Flughafenstädter den ZSC-Nationalverteidiger Christian Marti zu einem Eigentor forciert hatte.

«Noch eingeschweisster werden»

Wolf findet, dass die Verletztenwelle zu Saisonbeginn zwar bitter sei, eine ein­fache Erklärung gebe es aber nicht. «Vielfach war auch Pech dabei, bei der Trainingsverletzung von Brandon Gignac beispielsweise. Er fiel blöd hin, bei Simon Meier war es auch so. Man kann keinem etwas vorwerfen. Aber wir haben nun das, was wir haben. Dafür haben andere die Möglichkeit zu zeigen, was sie draufhaben.» Wolf zieht das Positive aus den Negativresultaten: «So kann ein Team mehr zusammenwachsen. Wir können noch eingeschweisster werden.»

Für die kommenden Spiele fordert er den gegen die ZSC Lions gezeigten Biss in den Zweikämpfen und mehr Konsequenz bei den letzten Pässen. «Den Einfluss auf die eigene Arbeitsethik haben wir. Das muss die DNA in jedem Spiel von uns sein.» Deren Umsetzung auf dem Eis führe automatisch zu mehr Selbstvertrauen und darob früher oder später zu mehr Erfolgserlebnissen. «Wir dürfen jetzt den Kopf nicht hängen lassen. Es ist nur eine Momentaufnahme.»

Wolf hatte übrigens mit Österreich im Mai in der Swiss Life Arena der ZSC Lions zahlreiche WM-Spiele bestritten. Im Nationalteam wie bei Kloten, wo Wolf in der dritten Saison engagiert ist, ist er ein wichtiger Leistungsträger in der Abwehr. Der Vertrag des 29-Jährigen läuft am Saisonende aus. «Wir sind in Verhandlungen. Es ist noch nichts entschieden», sagt er dem «Klotener Anzeiger».

Der zuletzt enorm dichte Spielplan für Kloten (sieben Spiele in 14 Tagen seit dem Saisonstart!) und eine Verletzung und ­deren Behandlung liessen vorerst auch kaum weitere Gespräche zu. «Ich spiele aktuell mit Schmerzen, aber das gehört im Eishockey dazu», sagt Wolf. Im Abwehrbereich sind bei Kloten aktuell nur Simon Johansson und der verletzte Nicholas Steiner über das Saisonende hinaus gebunden; die beiden sind noch bis 2028 unter Vertrag.

 

In Kürze  

Anfang 2024 letztmals eine solche Niederlagenserie

Kloten hat erstmals seit Februar 2024 wieder fünf Spiele in Serie verloren. In jener Saison 2023/2024 gab es sogar acht Niederlagen in Folge. Am Ende der Qualifikation gab es den 13. Rang. Ein mögliches Playout gegen Ajoie und eine mögliche Ligaqualifikation (NLA-Playout-Verlierer gegen Swiss-League-Champions) wurde damals gestrichen. Dies, weil kein aufstiegsberechtigtes Team damals den Playoff-Final der Swiss League erreicht hatte.

Schon dritter Klotener National-League-Debütant

Nach Stürmer Elia Liniger (18), dem Sohn von Headcoach Michael Liniger, sowie Verteidiger Laurin Rupli (17) kam mit Abwehrspieler Philip Moser (17) bereits ein drittes Klotener Eigengewächs zu seinem National-League-Debüt in dieser noch jungen Saison. Der Schweizer Junioren-Nationalspieler stand in Genf knapp zehn Minuten auf dem Eis. Das Trio aus Klotens U21-Elit-Team hatte bereits in der Saisonvorbereitung Spielpraxis im Fanionteam gesammelt. Moser kam auch deshalb ins Line-up, weil Routinier Leandro Profico neu auf der Verletztenliste figurierte.

Gebrüder Derungs gegen die ZSC Lions

Ian Derungs (26) gab im Derby gegen die ZSC Lions sein Debüt für Kloten. Der über National-League-Erfahrung verfügende Stürmer ist der um zwei Jahre ältere Bruder von Keanu Derungs. Ian Derungs wurde gegen die Lions anstelle von Cyril Keller von Thurgau abberufen. Für Ian Derungs war es der erste National-League-Einsatz seit knapp zwei Jahren, als er noch für Biel spielte.