Nachhaltige Sextoys im Online-Shop

Karin Steiner

Mit dem Start-up FairAmour will Melanie Alber zu einem offeneren Umgang mit Sexualität anregen. Die Erotikprodukte, die sie im Online-Shop anbietet, sind nachhaltig produziert, und Sextoy-Partys ergänzen das Angebot.

«Ich war bei einem Detailhändler beschäftigt, der mit nachhaltigen Produkten ­arbeitet», erzählt Melanie Alber von den Anfängen. «Das brachte mich auf die Idee, einen Blog über nachhaltige Erotikartikel zu machen. Er stiess auf grosses Interesse, und da solche Produkte in der Schweiz nicht erhältlich waren, gründete ich den Online-Shop FairAmour.»

Edelstein, Holz und Glas

Die Anfänge gestalteten sich schwierig, denn Werbung im Bereich Erotik ist vielerorts nicht erwünscht. Auch Zahlungsdienstleister wie PayPal oder SumUp konnten für das Thema nicht gewonnen werden.  «Inzwischen kann man online mit der Karte bezahlen, an den Märkten, die wir besuchen, in bar oder mit Twint.»

Seit kurzem führt die Opfikerin das Unternehmen gemeinsam mit Sinja Kessler, die sich um den Einkauf kümmert. «Ich arbeite 100 Prozent als Marketing-Managerin, mir ist die Arbeit alleine zu viel geworden», erklärt sie.

Die Sextoys, welche die beiden im Angebot haben, bestehen aus edlen, nachhaltigen Materialien wie Glas, Edelstein oder Holz. Gewisse Produkte bestehen aus hautfreundlichem Silikon, dessen Kern aus recyceltem Ozean-Plastik hergestellt wird. «Giftstoffe und Weichmacher sind tabu. Gerade Schleimhäute reagieren empfindlich auf solche Stoffe. Und wir achten darauf, dass die Produkte von kleinen Firmen stammen, die sie oft von Hand herstellen.»

Intimartikel und Literatur

Im Angebot stehen nebst verschiedenen Sextoys auch Bücher zu den Themen Selbstliebe und Erotik, Spiele und verschiedene Pflegeprodukte wie Gleitgels, Massageöle und Hygieneprodukte. «Unser Sortiment wird ständig ausgebaut», sagt Melanie Alber. «Wir haben derzeit rund 80 Produkte an Lager und durchforsten das Internet stets nach neuen Entdeckungen. In der Schweiz sind wir die ersten Anbieterinnen, bei denen sich das gesamte Sortiment auf nachhaltige Erotik- und Selbstliebeprodukte konzen­triert.» Neu im Sortiment ist zum Beispiel ein Intimstab, der aus pflanzlichen Extrakten, Mineralstoffen, Tonerde und natürlichen Kristallen besteht und seit Jahrhunderten im asiatischen Raum für die weibliche Intimpflege eingesetzt wird.

Das Gespräch suchen

Wenn immer möglich sind Melanie Alber und Sinja Kessler an Märkten präsent und suchen das Gespräch mit interessierten Leuten. «Zum Beispiel sind wir am Weihnachtsmarkt Heiliger Bimbam in Oerlikon anzutreffen, auch am Tantra-Festival und am Joga-Festival. Dort findet man ein spirituell eingestelltes Publikum, das unsere Produkte schätzt.»

Erstmals war FairAmour dieses Jahr auch an der Offa in St. Gallen. «Wir haben Kundinnen und Kunden jeden Alters, Männer wie Frauen. Interessanterweise sind junge Menschen viel gehemmter, an unseren Stand zu kommen und die Artikel zu begutachten, als ältere. Aber man spürt, dass Sexualität immer noch ein ­Tabuthema ist.»

So ist es das Ziel der jungen Frauen, den Leuten die Hemmungen zu nehmen und mit ihnen offen über Erotik und Selbstliebe zu reden. «Wichtig ist, dass man sich selber etwas Gutes tut und sich nicht schämt, offen darüber zu reden – und das in jedem Alter.» 

Sextoys statt Tupperware

Neu bietet FairAmour auch Sextoy-Partys an. Das Prinzip ist ähnlich wie bei den ­bekannten Tupperware-Partys: Eine Gastgeberin (oder auch ein Gastgeber, aber das ist bisher noch nicht vorgekommen) lädt eine Gruppe von Bekannten zu ­einem lockeren Anlass mit Apéro und ­Getränken ein. Anwesend sind auch die Unternehmerinnen von FairAmour, welche ihre Produkte vorstellen, mit den ­Anwesenden über deren Anwendung diskutieren und sie beraten.

«Wir stellen das ganze Sortiment vor, berichten, woher die Produkte kommen und woraus sie bestehen. Wir klären auch auf, welche Schäden Giftstoffe und Weichmacher in Sextoys anrichten können.» Ein Kaufzwang bestehe jedoch nicht. «Wir haben zwar einen Mindesteinkaufswert, möchten unseren Gästen aber nichts aufschwatzen. Der Fokus liegt vielmehr auf der Beratung und darauf, dass die Teilnehmenden selbst entscheiden können, was für sie interessant ist.» Bisher seien sie von eher jüngeren Frauen gebucht worden. «Aber wir haben auch eine Einladung zu einem 60. Geburtstag bekommen. Und es wäre schön, wenn wir auch gemischten Gruppen oder Männern unsere Produkte vorstellen könnten.»

Vier Jahre existiert das Start-up Fair-Amour bereits, und in dieser Zeit sind die Umsätze stetig gestiegen. «Davon leben können wir jedoch nicht, aber es ist für uns ein schönes und spannendes Hobby geworden.» Ihr Wunsch für die Zukunft ist es, auch das Sortiment für Männer auszubauen. «Bisher ist es sehr frauenlastig. Wir haben bereits einige Produkte, zum Beispiel Gels zum Stimulieren oder Massagekerzen. Und wir haben auch immer wieder neue Ideen, doch es ist oft schwierig, diese Produkte dann 

Weitere Informationen www.fairamour.ch