Sechsstellige Summe fürs Kunsteis
Im Curling Center Wallisellen wird im Sommer erstmals auf synthetischem Eis trainiert. Der Schlittschuh Club investiert dafür einen sechsstelligen Betrag und schliesst eine Lücke, die seine Athletinnen und Athleten seit Jahren spürten.
Wer sich im Frühling und im Sommer dem Curling Center Wallisellen nähert, sieht zu dieser Jahreszeit normalerweise: nichts. Die Halle steht traditionell still, das Eis ist abgetaut, die Curlingsteine sind weggeräumt. Wer in diesen Tagen jedoch die Halle betritt, blickt auf eine spiegelnde, weisse Fläche, auf der Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer ihre Runden ziehen, springen und Pirouetten drehen.
Die Fläche besteht nicht aus Eis, sondern aus Kunststoffplatten, die zu einer durchgehenden Lauffläche zusammengefügt sind. Sie sind Herzstück eines Projekts, über das der «Anzeiger von Wallisellen» in der vergangenen Woche berichtet hat. Mit der neuen Fläche füllt der Schlittschuh Club Wallisellen (SCW) eine Lücke, die für seine Athletinnen und Athleten seit Jahren spürbar ist und die bislang nur mit langen Reisen zu auswärtigen Eishallen überbrückt werden konnte.
SCW zahlt Kunsteis selber
Anstoss und Investition kamen vom SCW selbst. «Wir sind sehr, sehr froh, gibt es nun erstmals diese Möglichkeit», sagt Bruno Romano, Präsident des Schlittschuh-Clubs. Die Investition bewegt sich im sechsstelligen Bereich. Genaue Zahlen will der Schlittschuh-Club nicht nennen, getragen wird sie aber vollständig vom Verein. «Es ist für unseren Sport ein grosses Plus und für unsere Sportlerinnen und Sportler», sagt Präsident Romano.
Vorerst nutzen ausschliesslich die Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer des SCW die Fläche, vom Anfängerkurs bis zum Kadertraining. «In einer ersten Phase ist die Fläche für unsere Trainings reserviert», sagt Romano. «Eine spätere Öffnung für Schulen und Private schliessen wir nicht aus.» Bisher hatte der Verein zwischen April und September auf Eisflächen ausserhalb der Region ausweichen müssen, mit entsprechendem Reise- und Kostenaufwand.
«In einer ersten Phase ist die Fläche für unsere Trainings reserviert. Eine spätere Öffnung für Schulen und Private schliessen wir nicht aus.»
Die Belegung dieser auswärtigen Hallen ist in den vergangenen Jahren dichter und teurer geworden, die Trainingszeiten oft zu Randstunden angesetzt. Mit der Sommerbasis im Curling-Center entfällt dieser Pendelbetrieb. Die Halle bietet Garderoben und Aufenthaltsräume und ist in dieser Zeit exklusiv für den Eiskunstlauf reserviert. Bedingungen, wie sie der Verein in Wallisellen bislang nicht gekannt hat.
Auf Seiten des Curling Centers war es eine andere Frage, die zur heutigen Lösung geführt hat: jene nach einer sinnvollen Nutzung ausserhalb der Curlingsaison. «Vor rund einem Jahr ist der Schlittschuh-Club mit seiner Idee an uns herangetreten», sagt Dieter Wüest, Verwaltungsrat der Curlinghalle AG. «Echtes Eis im Sommer ist für uns wirtschaftlich schlicht nicht tragbar, der Energieaufwand wäre viel zu hoch.» Die Idee, in den Sommermonaten auf Synthetikeis zu setzen, sei vom Eislaufclub gekommen. «Wir stellen die Halle, der Schlittschuh-Club die Fläche und den Trainingsbetrieb», fasst Wüest die Aufgabenteilung zusammen.
Dass die Fläche derzeit nicht für Curling vorgesehen sei, stelle für die AG kein Problem dar. «Curling ist im Sommer für uns aktuell kein Thema», sagt Wüest. Wer in der wärmeren Jahreszeit dem Sport nachgehen wolle, finde Alternativen: «In Baden gibt es während eines grossen Teils des Jahres Curlingbetrieb auf echtem Eis, das deckt das Bedürfnis ab.» Für die Curlinghalle AG zählt vor allem ein anderer Aspekt: «Für uns ist entscheidend, dass die Anlage in einer sonst ruhigen Zeit belebt wird», sagt Wüest. Eine Wiederholung der Sommernutzung in den kommenden Jahren sei aus Sicht der AG denkbar.
Mehrwert für Wallisellen
Für den Sportstandort Wallisellen verschiebt sich damit eine Selbstverständlichkeit. Eiskunstlauf war hier bislang ein Wintersport mit kurzer Saison; Vereinsleben und Trainingsbetrieb folgten dem Rhythmus der Eisbereitung in den umliegenden Hallen. Mit der eigenen Sommerbasis im Curling Center bleiben die Wege für die Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer kurz, und es entstehen planbare Trainingsstrukturen. Wo bisher das Klacken der Curlingsteine verstummte, sobald der Frühling kam, sind nun bis Ende August Schlittschuhe zu hören.
Bereit für die Sommermonate: Eines der ersten Trainings auf dem neuen synthetischen Eis im Curling Center Wallisellen. Bild zvg