Bevölkerung will breiten Service public

Die Bevölkerung erwartet von der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) auch in Zukunft ein vielfältiges Angebot. Jüngere Menschen wollen die SRG auf Social Media und Streamingplattformen nutzen, ältere halten diese Kanäle aber nicht für wichtig. Das zeigt eine neue Studie.

Welche Angebote soll die SRG SSR künftig bereitstellen und auf welchen Kanälen? Diese Fragen sind auch nach der Abstimmung über die «Halbierungsinitiative» präsent. Denn die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) wird 2029 eine neue Konzession und deshalb möglicherweise neue Vorgaben zu ihrem Angebot erhalten. Dies schreibt die Universität Zürich (UZH) in einer Mitteilung.

Um die medienpolitische Diskussion mit wissenschaftlichen Daten zu stützen, hat das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft der UZH im Juni 2026 1493 Personen aus der Deutschschweiz, der Romandie und der italienischen Schweiz online befragt. «Die Erhebung ist für die internetnutzende Wohnbevölkerung der Schweiz im Alter von 18 bis 79 Jahren repräsentativ», schreibt die UZH.

58 Prozent der Befragten halten öffentliche Medien wie die SRG für gesellschaftlich wichtig oder sehr wichtig, weitere 26  Prozent stufen sie als mittelmässig wichtig ein. Nur 17 Prozent schreiben ihnen wenig oder keine gesellschaftliche Bedeutung zu. Rund zwei Drittel erwarten zudem, dass die SRG zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beiträgt, den Austausch zwischen den Sprachregionen ­fördert, die Vielfalt der Schweiz abbildet und dass sie möglichst alle Menschen mit verschiedenen Angeboten anspricht.

Information hat Priorität

«Die Resultate zeigen, dass die Bevölkerung den medialen Service public nicht auf einzelne Sendungen oder Bereiche wie Nachrichten reduziert», lässt sich Studienautor Linards Udris in der Mitteilung zitieren. «Er wird vielmehr als Infrastruktur verstanden, die unterschiedliche Gruppen verbindet und verschiedene Bedürfnisse abdeckt.»

Auch in Zukunft erwartet die Bevölkerung ein breites Angebot. Information wird dabei von 77 Prozent als wichtiger Bestandteil eingestuft. Mehr als die Hälfte spricht sich zugleich dafür aus, dass die SRG SSR weiterhin Sport (52 Prozent) und Bildung (52 Prozent) anbietet; rund ein Viertel hält diese Sparten für nicht wichtig. Auch Kultur (47 Prozent) und Unterhaltung (45 Prozent) erhalten deutlich mehr Zustimmung als Ablehnung.

Rund die Hälfte beurteilt gemäss Mitteilung den heutigen Umfang des Angebots in allen fünf Sparten als genau richtig. 34 Prozent halten das Bildungsangebot für zu gering. Beim Sport hingegen beurteilt rund ein Drittel das Angebot als zu umfangreich. Auch konkrete Formate aus verschiedenen Sparten gelten als Teil des Service public, doch nicht alle. Besonders hohe Zustimmung erhalten Hauptnachrichtensendungen, Wissenschaftsformate, populäre Sportübertragungen, Angebote zur Alltagskultur und Sendungen für Kinder. Kritischer sind die Befragten bei ausländischen TV-Serien oder Angeboten zur Literatur.

Bedürfnisse sind unterschiedlich

Bei den Verbreitungskanälen bevorzugt die Bevölkerung insgesamt die eigenen traditionellen und digitalen Kanäle der SRG. «70 Prozent halten das Fernsehen auch künftig für wichtig, 47 Prozent die Websites und Apps und 47 Prozent Radio», heisst es in der Mitteilung.

Die Streaming-Plattform Play Suisse wird nur von 34 Prozent als wichtig erachtet; auch für Social Media oder externe Plattformen wie Youtube oder Spotify fällt die Zustimmung insgesamt geringer aus. Dahinter verbergen sich jedoch markante Altersunterschiede: Bei den 18- bis 24-Jährigen halten 70 Prozent eine Präsenz der SRG auf Social Media für wichtig, bei den über 55-Jährigen nur etwa ein Viertel.

Eine Mehrheit der Jüngeren (53 Prozent) wünscht sich auf digitalen Kanälen neben Video und Audio auch Textformate. «Wie bei den Sparten zeigt sich auch bei den Kanälen, wie unterschiedlich die Bedürfnisse in der Bevölkerung ausfallen», so Udris in der Mitteilung der UZH. «Eine pauschale Reduktion der SRG-Angebote auf Social Media oder eine Umgestaltung der SRG-Websites zu einer reinen Mediathek würde gerade jene Gruppen treffen, deren Mediennutzung sich besonders stark ins Digitale verlagert hat.» Die inhaltlichen Leistungen der SRG schätzt die Bevölkerung insgesamt positiv ein. Auch die in der Medienpolitik diskutierte «Ausgewogenheit» wird mehrheitlich positiv bewertet: 45 Prozent finden, dass bei der SRG unterschiedliche politische Meinungen ausgewogen zu Wort kommen, 43 Prozent beurteilen die Themenauswahl als ausgewogen.

20 Prozent beziehungsweise 16 Prozent sehen Defizite; der Rest positioniert sich dazwischen. Politisch rechts stehende Menschen beurteilen die Ausgewogenheit etwas kritischer als links stehende.

Fact-Checking als wichtige Aufgabe

Mit der digitalen Transformation entstehen neue mögliche Aufgaben für öffentliche Medien. Besonders wichtig ist aus Sicht der Bevölkerung der Kampf gegen Desinformation: 68 Prozent befürworten den Ausbau des Fact-Checkings bei der SRG, nur 11 Prozent halten das nicht für wichtig. Auch ein digitales Archiv mit Beständen von Museen (45 Prozent) und eine Anlaufstelle für Medienkompetenzprojekte (41 Prozent) erhalten vergleichsweise hohe Zustimmung.

Neue technische Infrastrukturen wie eine Social-Media-Plattform mit Schweizer Medien (34 Prozent) oder ein nicht kommerzieller KI-Chatbot (31 Prozent) werden zurückhaltender beurteilt.

Die Studie kommt laut Mitteilung zum Schluss, dass die künftige Legitimität des Service public wesentlich von Nutzung, Vertrauen und Wissen abhängt. Wer die Angebote der SRG häufig nutzt, ihr vertraut und über ihre Funktionsweise und Rahmenbedingungen informiert ist, befürwortet eher ein breites Angebot. (pd.)