Wo sich Elektrifizierung bewährt

Pascal Turin

Weg von Benzin und Diesel, hin zu elektrischen Alternativen: Die Fuhrparks der Zürcher Gemeinden sind im Wandel – so auch in Kloten, Opfikon und Wallisellen. Doch es gibt Bereiche, in denen die Elektrifizierung noch an Grenzen stösst.

Sie werden unter dem Begriff «Non-Road-Maschinen» zusammengefasst und laufen meistens mit Benzin oder Diesel. Gemeint sind Kehrfahrzeuge, Bagger oder auch Rasenmäher. Der Kanton hatte das Elektrifizierungspotenzial dieser Maschinen mittels einer Studie untersuchen lassen (siehe Kasten). Auftraggeberin war das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel), das zur Baudirektion gehört.

Kürzlich veröffentlichte das Awel zum Thema einen Artikel auf der Website des Kantons. «Nach wie vor wird der Markt von Diesel- und Benzinmotoren dominiert», heisst es darin. Der Anteil elektrischer Modelle wachse aber – besonders bei kleineren Maschinen wie Gabelsta­plern oder kompakten Baugeräten.

Technisch anspruchsvoller bleibe die Elektrifizierung grosser, mobiler Maschinen in der Land- und Forstwirtschaft. Noch würden hohe Anschaffungskosten, begrenzte Batteriekapazitäten und fehlende Ladeinfrastruktur die Entwicklung bremsen.

«Allgemein ist der Vorteil elektrischer Geräte, dass sie im Betrieb keine Treibhausgase und Luftschadstoffe ausstossen und deutlich leiser sind, was für die Mitarbeitenden wie auch für die Umgebung angenehmer ist», sagt Katharina Weber, Mediensprecherin der Baudirektion, auf Anfrage. Zudem seien sie energieeffizienter und oft wartungsärmer als fossile Maschinen. «Herausforderungen sind aktuell noch das je nach Gerät teilweise begrenzte Angebot, bei grösseren Maschinen zum Teil das zusätzliche Gewicht durch die Batterie, die begrenzte Reichweite für sehr energieintensive Einsätze sowie die höheren Anschaffungskosten», ergänzt Weber.

20 von 47 Fahrzeugen elektrisch

Im Artikel des Awel wird unter anderem aufgezeigt, wo sich die Elektrifizierung im Arbeitsalltag bereits bewährt – anhand von Beispielen aus Kanton und Gemeinden. Zum Handkuss kam neben der Stadt Zürich  und Bonstetten auch Wallisellen. Die Stadt hat demnach zur Dekarbonisierung ihres kommunalen Fuhrparks eine Roadmap erarbeitet. «Ziel ist es, die Fahrzeuge im Einklang mit den städtischen Klimazielen bis 2040 systematisch zu elektrifizieren», lässt sich Christopher Lillo, Projektleiter Energie und Klima, im Text zitieren.

20 von 47 Fahrzeugen im Walliseller Fuhrpark sind schon elektrisch unterwegs – darunter Personenwagen und E-Bikes für Stadtpolizei und Unterhalt, mehrere Transport- und Nutzfahrzeuge, eine Kehrmaschine, ein Gabelstapler, ein Bagger sowie Fahrzeuge der Feuerwehr. Ebenfalls elektrisch betrieben werden ­Rasenmäher, Kettensägen, Freischneider oder Laubgeräte.

«Es zeigt sich, dass die Anschaffungskosten für Elektrofahrzeuge leicht höher sind, während die Betriebskosten entsprechend geringer ausfallen», so Marcel Amhof, Kommunikationsverantwortlicher der Stadt Wallisellen, gegenüber dieser Zeitung. Über den gesamten Lebenszyklus betrachtet würden sich die Gesamtkosten – Anschaffungskosten und Betriebskosten – in etwa ausgleichen oder seien für Elektrofahrzeuge sogar etwas geringer. Die Fahrzeuganschaffungen erfolgen gemäss Amhof «bedarfsgerecht im Rahmen der regulären Ersatzbeschaffungen». Die Anschaffungen werden daher in den normalen Budgetierungsprozess integriert.

Da Wallisellen keine Treibstoffbuchhaltung führt, kann die Stadt keine Aussage zu den Treibstoffeinsparungen machen. Stand 2026 seien durch die Verwendung elektrisch betriebener Fahrzeuge im Bereich Unterhalt jährlich in etwa 40 Tonnen CO2 eingespart worden. Zum Vergleich: Ein Hin- und ein Rückflug von Zürich nach New York verursachen – je nach Berechnung – rund zwei Tonnen CO2 pro Person.

Aus Sicht von Wallisellen erfüllen ­elektrisch betriebene Non-Road-Maschinen wie Gabelstapler oder Bagger sämt­liche Anforderungen. Es gebe keine betrieblichen Nachteile. Marcel Amhof: ­«Wesentliche Vorteile sind die CO2-Neutralität sowie die im täglichen Einsatz fest­gestellten Verbesserungen, insbesondere geringere Lärm- und Geruchsemissionen für die Mitarbeitenden und die Bevölkerung.»

Vor- und Nachteile aufgeschlüsselt

Etwas differenzierter schlüsselt Patricia Meier die Vor- und die Nachteile auf. Sie ist die Leiterin Bau und Infrastruktur der Stadt Opfikon und betont, dass die Einschätzungen auf den bisherigen Erfahrungen Opfikons basieren würden und nicht allgemein gültig seien.

Als Vorteil elektrisch betriebener Non-Road-Maschinen zählt sie auf, dass keine direkten Emissionen im Betrieb entstehen würden, was insbesondere in dicht besiedelten Gebieten oder Innenräumen von Vorteil sei. Ebenfalls positiv zu bewerten sind der deutlich geringere Lärm, der teilweise verringerte Wartungsaufwand aufgrund einfacherer Antriebstechnik sowie die höhere Energieeffizienz.

Als Nachteil führt Meier die begrenzte Einsatzdauer je nach Batteriekapazität an – insbesondere bei frühen Modellgenerationen. Gleichzeitig können gerade ­ältere Modelle einen höheren Wartungsaufwand aufgrund sensibler Technik ­verursachen. Hinzu kommen längere ­Ladezeiten im Vergleich zum Betanken, höhere Anschaffungskosten sowie eine eingeschränkte Verfügbarkeit bei sehr leistungsintensiven Anwendungen. Fazit aus Sicht Opfikons: «Insgesamt eignen sich elektrisch betriebene Maschinen insbesondere für planbare Einsätze und kürzere Einsatzzyklen, während bei sehr intensiven oder zeitkritischen Anwendungen weiterhin konventionelle Antriebe Vorteile haben können», erklärt Patricia Meier.

Und wie viele Fahrzeuge sowie Non-Road-Maschinen der Stadt Opfikon sind bereits elektrisch unterwegs? «Gemäss einer Erhebung vom Januar 2026 sind im Fuhrpark der Stadt Opfikon 52 Fahrzeuge erfasst worden, wobei es sich bei 6 Fahrzeugen um Fremdfahrzeuge handelt. Für die Betrachtung des städtischen Fuhrparks werden daher 46 Fahrzeuge berücksichtigt», so Meier.

Von den berücksichtigten 46 Fahrzeugen seien 15 Spezialfahrzeuge, die aufgrund ihrer jederzeitigen Einsatzbereitschaft aktuell nicht sinnvoll elektrifiziert werden könnten, «da Ladezeiten die Verfügbarkeit zu stark einschränken würden». Von den verbleibenden 31 Fahrzeugen seien derzeit 20 elektrisch betrieben.

«Generell führen elektrisch betriebene Fahrzeuge zu einer Reduktion der direkten CO2-Emissionen im Betrieb auf null sowie zu einer deutlichen Senkung des Verbrauchs fossiler Treibstoffe», sagt Meier. Die effektiven Einsparungen würden jedoch stark vom jeweiligen Fahrzeugtyp, von der Nutzung sowie dem Strommix abhängen und seien für Opfikon bisher nicht erhoben worden.

Knapp 30 Prozent fossilfrei

In Kloten ist von den 18 Non-Road-Fahrzeugen – Traktoren, Gabelstapler, Rasenmäher – eines elektrisch unterwegs. Insgesamt fahren knapp 30 Prozent aller Fahrzeuge im Fuhrpark Klotens fossilfrei.

Werden Fahrzeuge ersetzt, sind die Nachfolgefahrzeuge grundsätzlich elek­trisch – es werden nicht zusätzlich oder frühzeitig Fahrzeuge ersetzt. Bei Personenwagen oder Lieferwagen gibt es laut Stadt keinen Preisunterschied, Spezialfahrzeuge seien heute noch teurer in der Anschaffung. «Berücksichtigt man die Lebens­zykluskosten, dann entstehen auch bei elek­trischen Spezialfahrzeugen keine Mehrkosten», sagt Michel Gelin, Leiter Marketing und Kommunikation.

Kann mit der Elektrifizierung des kommunalen Fuhrparks auf lange Sicht auch Geld gespart werden? «Ja, denn die Energiekosten pro Kilometer liegen bei einem Elektrofahrzeug bei weniger als der Hälfte gegenüber den fossil betriebenen Fahrzeugen», erklärt Gelin. So würden heute pro Jahr insgesamt zirka 38 000 Franken an Treibstoffkosten eingespart. «Durch die Elektrofahrzeuge werden knapp 38 000 Liter Treibstoff eingespart, das entspricht 100 Tonnen CO2», führt Michel Gelin aus.

Und was sind aus Klotens Sicht die Vor- und die Nachteile elektrisch betriebener Non-Road-Maschinen? «Solche Fahrzeuge sind im Betrieb leiser, haben niedrigere Betriebskosten und sind lokal emissionsfrei», so Gelin. Der Nachteil liege bei den Ladezeiten, wenn die Fahrzeuge nicht mit Schnellladeoptionen ausgerüstet seien.

Übrigens: Gemeinden erhalten vom Kanton keine finanziellen Beiträge für die Beschaffung kommunaler Fahrzeuge. Im Rahmen von «Impuls Mobilität» gibt es laut Baudirektion aber kostenlose Basisberatungen. Hingegen existieren seit 2025 Subventionen von Bund und Kanton für die Anschaffung elektrischer Traktoren in der Landwirtschaft.

Elektrische Non-Road-Maschinen: Wie hoch sind die Einsparungen bei Treibstoff und Emissionen?

Ob mit dem Einsatz elektrischer Non-Road-Maschinen Geld gespart werden kann, hängt laut der Baudirektion von dem Gerät bzw. der Maschine sowie dem Einsatzbereich ab. Einfluss hat zudem, ob man mit eigenem Solarstrom laden kann, was die Stromkosten reduziert.

Pro Maschine sind die Einsparungen  punkto Treibstoff und Emission gross. Elektrische Maschinen seien energieeffizienter, würden keine direkten CO2- und Luftschadstoffemissionen verursachen und weniger Lärm machen. «Wie hoch die konkreten Einsparungen sind, ist wiederum je nach Gerät und Einsatz sehr unterschiedlich», so Katharina Weber von der Baudirektion. Gesamtheitlich betrachtet komme es darauf an, wie schnell sich die elektrischen Non-Road-Maschinen am Markt durchsetzen würden. Die Baudirektion verweist auf eine 2024 erstellte Marktstudie, die das Potenzial elektrischer Non-Road-Maschinen bis 2030 abgeschätzt habe.

Die Szenarien der Studie zeigen, dass die zunehmende Elektrifizierung zwar Wirkung entfaltet, die Effekte auf Energieverbrauch und Emissionen aber zunächst moderat bleiben. Das liegt auch daran, dass Arbeitsmaschinen oft über Jahrzehnte genutzt und nur schrittweise ersetzt werden. Weber: «Je nach Marktentwicklung könnten die CO2-Emissionen der Non-Road-Maschinen bis 2030 um 2 bis 14 Prozent sinken, der Energieverbrauch um bis zu 9 Prozent.» (pat.)