Nur das Meteo-Dach blieb ihnen verwehrt
Nach den Sommerferien gönnt sich der Opfiker Gemeinderat einen kleinen Ausflug und anschliessend ein Abendessen. Zum zweiten Mal nach 2012 waren die Fernsehstudios am Leutschenbach das Ziel – wo sich seither einiges verändert hat.
Einmal im Jahr macht der Opfiker Gemeinderat ein «Reisli». Der Diminutiv ist dabei durchaus angebracht, denn grosse Distanzen legt das kostenbewusste Opfiker Parlament in der Regel nicht zurück. So führte der Ratsausflug 2026 auch nur wenige Meter über die Stadtgrenze hinaus – und zum Teil sogar wieder darüber zurück.
Als Ziel ausgesucht hatte sich Ratspräsident Ibrahim Zahiri das Schweizer Radio und Fernsehen SRF im benachbarten Zürcher Leutschenbach-Quartier – wobei ein Teil der Gebäude auf Opfiker Boden steht. Und für einmal war es umgekehrt: Nicht das ganze TV-Publikum der Schweiz konnte vom Meteo-Dach hinunter in den Glattpark und nach Opfikon schauen, sondern die Opfiker Ratsmitglieder schauten hinter die Kulissen, wie Fernsehen gemacht wird. (Aufs Meteo-Dach sind aus Sicherheitsgründen nur wenige.)
Diese 90-minütigen Führungen bietet SRF allen, die sich anmelden, kostenlos an. Begleitet werden sie von «gewöhnlichen» Mitarbeitenden, die so noch die eine oder andere Episode aus dem TV-Alltag zum Besten geben können.
Plaudern aus dem Nähkästchen
Patrick Bauer und Reto Hunziker sind zwei solche nebenamtliche «Guides», welche die Ratsmitglieder in zwei Gruppen durch die Studios, Werkstätten, Lager und Redaktionen führten. In letzteren würden täglich rund 6000 Meldungen von Agenturen eintreffen, erzählen sie. «Und nur, wenn der Inhalt mindestens zweien unabhängig voneinander bestätigt wird, kann darüber berichtet werden», erläutern die Guides eine Art erstes «Vier-Augen-Prinzip» des Journalismus.
Ein paar Minuten später sitzen die Opfiker Politiker im Nebenraum des Fernsehstudios, in dem die Nachrichtensendungen hergestellt werden. Statt Kameras sind nur im Boden versenkte Schienen zu sehen, und Kameraleute sind auch keine zugegen. «Das läuft heute alles automatisch», erklärt Reto Hunziker. «Die Kameras laufen automatisch auf den Schienen, der Ablauf ist vorgegeben und geprobt und die Moderatoren wissen – meistens –, in welche Kamera sie gerade blicken sollen.» Hinter einer Glasscheibe besprechen drei Personen den Ablauf der Sendung, bevor sie einmal geprobt wird. Früher waren für Ton, Licht, Einblendungen und andere Technik zehn Personen nötig.
Auch die Kameras haben wenig mit den riesigen Ungetümen gemein, welche das «Kamerakind» in der Kinderratesendung «1, 2 oder 3» jeweils bedienen durfte: Heutige Geräte bestehen fast nur noch aus einem Bildschirm mit einer kleinen Kamera in der Mitte, von dem die Moderierenden ihren Text ablesen können. Diesen verfassen sie übrigens selbst, für die Sendung «Schweiz aktuell» sogar im Dialekt, den sie auch in der Sendung verwenden.
Ein Highlight war auch die «Arena», wo sich Moderator Sandro Brotz mit seinem fünfköpfigen Redaktionsteam gerade auf die Diskussion über die Ernährungsinitiative vorbereitete. «Markus Lanz beim ZDF hat 20 Leute», weiss Brotz. Sein Ziel sei nicht die Konfrontation, sondern an das Wissen der Diskussionsteilnehmer zu kommen.
Falscher Beton, unechtes Holz
Verblüfft waren die Besucherinnen und Besucher vom Sportstudio: Was im Fernsehen nach Betontribüne wie im Stadion aussieht (und aussehen soll), ist eigentlich nur gemalt. Genauso wie der Teakholztisch, der umweltbewusste Zuschauer auch schon erbost zum Telefonhörer greifen liess.
Ein anderer Grund für einen Reklamationsanruf beim Fernsehen ist auch, wenn Moderatorinnen oder Moderatoren zweimal in derselben Woche dieselbe Kleidung tragen. «Solche Sachen fallen unseren Zuschauern auf», erzählt Reto Hunziker. Um das zu verhindern, werden die TV-Leute vor der Kamera zweimal im Jahr neu eingekleidet – was wiederum bei einigen Ratsmitgliedern Kopfschütteln auslöste.
Studio 1 weggespart
Überhaupt, das Geld: Schon vor dem Nein zur Halbierungsinitiative hatte der Bundesrat der SRF-Mutter SRG einen Sparauftrag von 270 Millionen Franken auferlegt. Um diese 17 Prozent des Budgets einzusparen, hebe SRF das grosse Studio 1 auf und wird den Platz für Requisiten brauchen, die derzeit in Pfungen gelagert und für die Aufzeichnung ganzer Sendungsstaffeln mit mehreren Camionfahrten nach Leutschenbach transportier werden müssen.
Dann ging es vorbei an den Lagern und Werkstätten, wo Dekorationen und Kulissen hergestellt werden, zum Radio. Dieses ist bereits vor längerem vom eigenen Hochhaus am Bucheggplatz (14 000 Quadratmeter) in die umgenutzte Lastwagengarage (4500 Quadratmeter) umgezogen. Auch dorthin wurden die Besucher geführt und konnten Adrian Küpfer live beim Moderieren zusehen und -hören. Hier werde es nie langweilig, sagte der Berner, «es fägt eyfach bim Radio».
Das fanden auch die Opfiker Politikerinnen und Politiker, die nach einem Apéro hinüber in den «Frohsinn» wechselten, wo der Znacht und weitere interessante Gespräche über die Parteigrenzen hinweg warteten.
Eben noch im Gespräch mit Opfiker Lokalpolitikern, abends dann mit Bundesrat Guy Parmelin: «Arena»-Moderator Sandro Brotz. Bilder Roger Suter
Radiomoderator Adrian Küpfer nahm sich während der eingespielten Musik Zeit für Fragen.
Im Nachrichtenstudio fahren automatische Kameras auf Schienen.
Der Gang ins Sportstudio. Der «Beton» ist nur gemalt.