Gedankensplitter: Autofahren
Wenn ich Auto fahre, habe ich allerdings kein Gefühl von Freiheit. Das sollte ich haben, meint eine Werbung für Autos.
Alle zwei Jahre muss ich mir ärztlich bestätigen lassen, dass ich noch fahrtüchtig bin. Bislang hat das immer geklappt. Darüber bin ich froh. Wenn ich Auto fahre, habe ich allerdings kein Gefühl von Freiheit. Das sollte ich haben, meint eine Werbung für Autos. In deren Kleingedrucktem, das ich zuerst übersehen hatte, wird dann gesagt, was dieses Gefühl der Freiheit auslösen soll: «Mit offenem Verdeck die Landschaft geniessen.» Jetzt weiss ich, warum mir das Gefühl der Freiheit abgeht. Ich habe kein Cabriolet. Und dazu fahre ich nur einen Kleinwagen, der mir beim Ein- und Aussteigen keine Gedanken an Freiheit aufkommen lässt. Vielmehr muss ich mich rein- und rauszwängen. Das liegt weniger am Auto als vielmehr an meiner Statur.
«Ich fahre nur einen Kleinwagen, der mir beim Ein- und Aussteigen keine Gedanken an Freiheit aufkommen lässt.»
Aber beim Autofahren habe ich ganz andere Gedanken und Gefühle. Ich bin beispielsweise immer dankbar und auch ein bisschen erstaunt, dass mein Auto auf Knopfdruck einfach anspringt. Das seit Jahren. Eigentlich ist das nicht selbstverständlich. Und wenn ich dann losfahre und das Gaspedal, die Bremse und das Steuerrad so ganz nach meinem Willen funktionieren, denke ich an die vielen Köpfe, die sich diese Technik ausgedacht, und die vielen Menschen, die sie für mein Auto eingebaut haben.
Mein Auto ist inzwischen zwölf Jahre alt. Da haben beim Zusammenbau zwar auch schon Roboter mitgeholfen, aber hinter denen standen ja vor allem Menschen. Kurz: Autofahren erinnert mich daran, was Menschen im Laufe der Jahrzehnte alles ausgetüftelt haben, und es erstaunt mich immer wieder, wie diese vielen Elemente zusammenspielen und funktionieren. Und dabei komme ich ganz bequem im Sitzen irgendwohin. Welch ein Komfort!
Mit Freiheit hat mein Gefühl wenig zu tun, wohl aber mit Dankbarkeit dafür, dass wir beide, mein Auto und ich, noch fahrtüchtig sind.