Die «Chur» steht bald vor dem letzten Flug

Daniel Jaggi

Der Airbus A340‑300 HB‑JMH ist seit Jahren für die Swiss auf ­Langstrecken unterwegs. Nun zeichnet sich für das Flugzeug ein neues Kapitel ab: Statt nach seiner Ausserdienststellung ­zerlegt zu werden, soll es im ­Verkehrshaus der Schweiz ­erhalten bleiben.

Noch ist Maschine mit der Immatrikulationsnummer HB‑JMH für die Swiss im ­Einsatz und verbindet Zürich mit Zielen rund um den Globus. Mumbai, Chicago, Johannesburg, Boston und Shanghai gehören zu den Destinationen, auf denen der Airbus A340‑300 eingesetzt wird. Das Flugzeug ist damit weiterhin Teil des Langstreckenbetriebs der Schweizer Fluggesellschaft. Doch seine Zeit im regulären Passagierverkehr wird nicht ewig dauern. Für die HB‑JMH ist eine Zukunft vorge­sehen, die sie vom internationalen Linienverkehr in die Schweizer Luftfahrtgeschichte führen soll.

Der Airbus A340 gehört zu einer Generation von Langstreckenflugzeugen, die den Interkontinentalverkehr über Jahrzehnte geprägt haben. Mit seinen vier Triebwerken war er für lange Strecken ausgelegt und ermöglichte Fluggesellschaften, Städte auf verschiedenen Kontinenten direkt miteinander zu verbinden. Inzwischen setzen Airlines zunehmend auf modernere zweistrahlige Flugzeuge, die Treibstoff effizienter nutzen und damit wirtschaftlicher betrieben werden können.

Eine besondere Zukunft

Für ältere Flugzeuge wie die HB‑JMH stellt sich deshalb irgendwann die Frage, was nach dem letzten kommerziellen Flug ­geschieht. In der Luftfahrt wird das Ende des regulären Einsatzes als Ausflottung bezeichnet. Danach gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Das Flugzeug wird an einen anderen Betreiber verkauft oder zur Verwertung seiner noch brauchbaren Teile zerlegt.

Gerade beim Airbus A340 ist die Nachfrage nach einem Weiterbetrieb vergleichsweise gering. Die vier Triebwerke verursachen höhere Betriebskosten als bei vielen moderneren Langstreckenflugzeugen. Deshalb ist der sogenannte Part-out bei Flugzeugen dieses Typs und Alters ein üblicher Weg. Dabei bauen spezialisierte Betriebe noch verwendbare Komponenten aus, bereiten sie auf und verkaufen sie als Ersatzteile weiter. So können selbst Flugzeuge, die nicht mehr fliegen, anderen Maschinen noch dienen.

Für die HB‑JMH ist nun eine andere Perspektive vorgesehen. Mit der geplanten Übergabe an das Verkehrshaus der Schweiz in Luzern soll sie als Zeitzeugin der Schweizer Zivilluftfahrt erhalten bleiben. Statt nach ihrem letzten Einsatz zerlegt zu werden, könnte sie künftig Besucherinnen und Besuchern zeigen, wie ein Langstreckenflugzeug aufgebaut ist und welche Technik hinter dem interkontinentalen Luftverkehr steckt.

Ein Wert, der sich nicht einfach beziffern lässt

Auch wirtschaftlich ist das Flugzeug nach seiner aktiven Zeit nicht wertlos. Wie viel ein Airbus A340‑300 noch wert ist, hängt unter anderem vom technischen Zustand, vom Alter sowie von der Nachfrage nach seinen einzelnen Komponenten ab. Einen pauschalen Restwert gibt es deshalb nicht.

Mit der Übernahme durch das Verkehrshaus erhält die HB‑JMH jedoch eine zusätzliche Bedeutung, die sich nicht ­allein in Geld messen lässt. Das Flugzeug steht für eine Epoche des Langstreckenverkehrs und für die technische Entwicklung der Luftfahrt. Seine Erhaltung ermöglicht es, diese Geschichte auch nach dem Ende sichtbar zu machen.

Bis es so weit ist, bleibt die HB‑JMH zunächst im Dienst der Swiss. Noch bringt sie Passagiere an ihre Ziele rund um die Welt. Erst später soll sie ihre Rolle wechseln – vom Transportmittel zum Ausstellungsstück und damit zu einem Stück Schweizer Luftfahrtgeschichte.

Weiterer Artikel