«Das sollten wir zweimal machen»
Am Clean-up Day haben nicht nur Opfiker Schulkinder, sondern auch Ratsmitglieder zum Abfallsack gegriffen.
Nathali Erni verteilt Greifzangen mit langen Stielen, gelbe und durchsichtige Plastiksäcke, Gummihandschuhe und Leuchtwesten an die sechs Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, die sich am Samstagmorgen vor dem Stadthaus eingefunden haben. «Opfikon könnte noch mehr gegen Littering tun», findet Manuela Bührer, «zum Beispiel für das No-Littering-Label.» Sie hatte vor drei Jahren einige ihrer Ratskolleginnen und -kollegen für den Clean-up Day, den schweizweiten Abfall-Wegräum-Tag Ende September, mobilisiert. In diesem Jahr hat die neue Sachbearbeiterin Umwelt wieder Hilfsmittel organisiert, Absprachen getroffen und Routen gezeichnet. «Abfall sammeln und trennen ist das eine», findet Nathali Erni. «Wir möchten aber auch die Leute für das Thema sensibilisieren.» Die beschrifteten Leuchtwesten helfen dabei, und tatsächlich macht ein besorgter Vater darauf aufmerksam, dass auf der Spielplatzwiese öfter auch Glasscherben zu finden sind. Er wünscht sich mehr Kontrollen.
Rausgeworfenes Geld
Teilgenommen haben Firmen wie das Mövenpick-Hotel, Coca-Cola, Lufthansa Aviation Training, Sodexo Facility Management, aber auch Schulkinder vom Waldkindergarten bis zur 2. Sek. Sie waren am Freitagmorgen vornehmlich in der Nähe ihrer Schulhäuser Lättenwiesen, Oberhausen und Halden sowie entlang der Glatt unterwegs. Die Politikerinnen und Politiker sollen nun beim Stadthaus-Spielplatz, entlang der Schaffhauserstrasse, am Bahnhof Glattbrugg und im Bruggacker-Quartier aufräumen. Vor allem die vielen Zigarettenstummel sind ein Ärgernis, gerade auf Spielplätzen. «Ich überlege mir einen Vorstoss, der ein Rauchverbot auf Spielplätzen fordert», denkt Gemeinderat Daniel Destraz laut nach. Nathali Erni findet aber noch etwas anderes: Mehrere Münzen liegen unterhalb einer Sitzbank. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es manchen Leuten nicht nur egal ist, dass ihre Steuergelder unterm Jahr zum Aufräumen aufgewendet werden müssen – sie lassen sogar Bargeld auf dem Boden liegen.
«Wir möchten aber auch die Leute für das Thema sensibilisieren.»
Zwei Ratskollegen haben allein auf dem Parkplatz Oberhauserstrasse einen Abfallsack mit den Überresten nächtlicher Partys beinahe gefüllt. «Da sieht man, was wir für Schweine sind», resümiert Gemeinderat André Stutz. Der Strassenmeister im nahegelegenen Bassersdorf weiss, wovon er spricht: «Es ist überall dasselbe, und eigentlich müsste man das zweimal im Jahr machen, im Frühling und im Herbst.»
Gemäss der organisierenden Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt IGSU haben am schweizweiten Clean-up Day 2026 rund 60 000 Helferinnen und Helfer an 700 Aktionen tonnenweise Abfall gesammelt. Die sechs Opfiker Ratsmitglieder reihen am Schluss neun Säcke auf, die sie in knapp zwei Stunden gefüllt haben. Sie sind mit gutem Beispiel vorangegangen. Die Zukunft wird zeigen, wie sehr dem übrigen Rat die Umwelt am Herzen liegt.