Wie schön das Altern sein kann
Im Wohn- und Pflegezentrum Tertianum Bubenholz fand vergangenen Freitag eine Fotoausstellung statt. Die Bilder zeigen die Bewohnerinnen und Bewohner in ihrem Alltag und wie viele schöne Facetten das Altern haben kann.
23 Bewohnerinnen und Bewohner des Tertianum Bubenholz liessen sich in den letzten vier Jahren in ihrem Alltag fotografieren. Nicht geschönt, nicht zurechtgerückt, sondern so, wie sie sind.
Vergangenen Freitag wurden die Resultate im Restaurant des Hauses erstmals öffentlich gezeigt: Porträts voller Falten, voller Geschichten, manche davon ungewohnt nah und intim. Bewohnerinnen und Bewohner sowie einige Angehörige verfolgten die zehnminütige Bildershow gemeinsam.
Hinter der Ausstellung mit dem Titel «Die Schönheit der Zeit» steht Noelia Almeida, Leiterin Aktivierung im Tertianum Bubenholz und Hobbyfotografin. Sie stammt aus Argentinien und brachte von dort ein ganz anderes Bild vom Altern mit. «Als meine Grossmutter verstorben ist, dachte ich, dass sie sehr alt wurde. Als ich dann aber meine Mutter fragte, wie alt sie denn geworden sei, meinte sie: 70», erzählt Almeida. «Ich bin mit einem Bild aufgewachsen, dass das Leben nach der Pensionierung fast schon vorbei ist.»
In der Schweiz erlebte sie das Gegenteil. «Ich habe hier ein Altersbild kennengelernt, das mir Hoffnung gibt.» Trotz Einschränkungen sei im Alter noch sehr viel möglich. Genau das wollte sie mit ihrer Fotografie zeigen: Altern ist nichts Negatives. Es gibt so viele positive Seiten und man kann noch sehr viel machen und Freude haben.
Es geht nicht um Perfektion
Fotografieren liegt Almeida im Blut: Ihr Grossvater war Fotograf, ihr Vater Hobbyfotograf. «Ich bin zwischen Fotoalben und Kameras aufgewachsen», erzählt Almeida. Seit Februar 2022 arbeitet sie im Tertianum Bubenholz. Den Anfang machte die Fasnacht, die sie fotografisch begleitete. Das positive Feedback motivierte sie, weiterzumachen.
Den Anstoss zur aktuellen Bilderserie gab ein einzelnes Foto: eine ältere Frau mit vielen Falten im Gesicht, die aber trotzdem eine riesige Freude ausstrahlte. «Das hat mich inspiriert, die Bewohnerinnen und Bewohner auf Bildern zu verewigen.» Für die Ausstellung suchte sie bewusst nicht nach Perfektion. Sie suchte nicht nach Motiven, die die Bewohner jünger aussehen lassen. Besonders die unbeobachteten Momente faszinieren sie. «Wenn jemand strickt, aber in Gedanken ganz woanders ist und träumt, so etwas sehe ich dann und muss das festhalten.» Weil Fotografieren in diesem Rahmen sehr intim sei, hielt sie sich anfangs zurück. Mit der Zeit wuchs das Vertrauen und damit auch die Freude der Bewohnerinnen und Bewohner. Auch Angehörige erfreuen sich an ihrer Fotografie. Sie erhalten so Einblick in einen Alltag, den sie selbst oft verpassen.
Rund ein Viertel aller Bewohnerinnen und Bewohner liess sich für die Ausstellung fotografieren. Über die letzten vier Jahre entstanden so 220 Bilder, davon wurden 100 ausgedruckt und im Gebäude aufgehängt.
«Das hat mich zu Tränen gerührt»
Für Marina Seiler, Bewohnerin im Tertianum Bubenholz, war die Ausstellung ein bewegendes Erlebnis. Nicht nur die Bilder hätten sie beeindruckt, sagt sie, sondern die Person dahinter: «Ihr innerer Reichtum ist beeindruckend. Ihre Seele und die Tiefe, mit der sie die Bilder gemacht hat, haben mich sehr berührt.» Die Zurückhaltung, mit der Almeida fotografiert, sei auf den Bildern spürbar. «Das hat mich zu Tränen gerührt», sagt Seiler.
Sich selbst auf der Leinwand zu sehen, weckte bei Seiler Erinnerungen an ihre Jugend. Nicht wegen der Motive, sondern wegen der Machart der Bilder. Früher war sie selbst als Künstlerin und Musikerin tätig. «Auf den Bildern spürte ich, mit was für einer Intention diese Bilder entstanden sind, und das erinnerte mich zurück an mein eigenes Kunstschaffen.»
Seiler ist nicht die einzige, die von den Bildern emotional berührt wurde. Während der Diashow durchzogen zeigten sich im Publikum grinsende Gesichter und von Freudentränen durchnässte Augen gleichermassen.
Ob es in ein paar Jahren eine weitere Ausstellung geben wird, bleibt offen. Almeida selbst weiss es noch nicht. Fotografieren wird sie aber auf jeden Fall weiter.