Wie Opfikon zum Glücksort der finnischen Weltmeister wurde
Nach dem WM-Titel gegen die Schweiz feierte Finnlands Eishockey-Nationalteam ausgelassen am Dorfbrunnen in Opfikon – der WM-Pokal wurde kurzerhand mit Brunnenwasser gefüllt.
Es ist vier Uhr morgens, als Finnlands frischgebackene Eishockey-Weltmeister mit dem WM-Pokal am Dorfbrunnen in Opfikon auftauchen. Wenig später wird die Trophäe mit Brunnenwasser gefüllt. Rund um den Brunnen wird gefeiert, gesungen und getanzt.
Die Anwohnerin und Landwirtin Regula Güttinger erinnert sich gegenüber dem «Stadt-Anzeiger» noch genau an diesen Moment. «Sie kamen mit Popmusik aus den Boxen und blieben rund eine halbe Stunde», erzählt sie. Von ihrer Unterkunft im nahen Hilton Hotel seien die Spieler in den Dorfkern gekommen. Rund um den Brunnen habe sich schliesslich eine kleine «Prozession» gebildet.
Die Feier sei friedlich verlaufen, sagt Güttinger. Zwar habe wohl jemand aus der Nachbarschaft die Polizei verständigt. Die ausgerückte Patrouille habe sich jedoch einen Überblick verschafft und sei kurz darauf wieder weitergefahren.
Von finnischer Fahne angezogen
Für Güttinger war der nächtliche Besuch kein Zufall. Während der Weltmeisterschaft seien die Finnen immer wieder auf Spaziergängen durch den Dorfkern unterwegs gewesen. «Die Spieler bedankten sich bei uns, dass sie während der WM oft hierherkamen. Sie plauderten oft mit uns, waren immer extrem freundlich. Auch die NHL-Spieler der Finnen waren kontaktfreudig und bescheiden, keinerlei Star-Allüren.»
Angezogen wurden die Spieler auch von einer besonderen Fahne auf dem Hof der Familie. Über dem Silo weht neben der Schweizer Flagge auch die finnische Landesflagge. Der Grund dafür ist familiär: Der Sohn der Familie hat eine finnische Partnerin.
Im Dorfkern von Opfikon fanden die Finnen etwas, das man in unmittelbarer Nähe des Flughafens kaum erwartet: Bauernhöfe, historische Gebäude und dörfliche Ruhe. Immer wieder waren die Spieler auf Spaziergängen rund um den Brunnenplatz und durch den Dorfkern anzutreffen. Mehrfach sollen sie am Brunnen Halt gemacht und daraus getrunken haben.
Mit jedem Sieg wurde die Verbindung zwischen der Mannschaft und Opfikon offenbar enger. Nach dem gewonnenen WM-Final gegen die Schweiz kehrten die Weltmeister erneut zum Dorfbrunnen zurück, den sie während des Turniers regelmässig besucht hatten. Statt direkt im Hotel zu feiern, verbrachten sie die ersten Stunden der «Goldnacht» rund um den Brunnen. Wie gross die Bedeutung des Ortes inzwischen geworden war, zeigte sich bereits am nächsten Tag. Ein finnisches Kamerateam erschien im Dorfkern und filmte den Brunnen, der während des Turniers offenbar zu einer Art Glücksort für die Mannschaft geworden war.
Freie Zeit oft in Opfikon verbracht
Warum die Finnen gerade diesen Flecken Opfikon für sich entdeckten, lässt sich nur vermuten. Vielleicht war es die Ruhe fernab des WM-Rummels. Vielleicht erinnerte die ländliche Umgebung manche Spieler an ihre Heimat. Sicher ist nur: Während andere Mannschaften ihre freie Zeit in Zürich verbrachten, zog es die späteren Weltmeister immer wieder in den Dorfkern von Opfikon.
Zusatzfakt: Wie ausgelassen die Stimmung nach dem Titelgewinn war, zeigte sich auch am Montagmorgen danach. Wie das Onlineportal sport.ch berichtete, rief Finnlands Captain Aleksander Barkov überraschend live bei einem finnischen Radiosender an. Gemeinsam mit Teamkollegen und den norwegischen Bronzemedaillengewinnern berichtete er von einer langen Partynacht. Schlaf habe es kaum gegeben, erklärte der Weltmeister-Captain.