Wie der Flughafen den Schnee bewältigt
Schnee auf Strassen bedeutet den Einsatz von Schneepflug, Salzstreufahrzeugen und ein Anpassen der Geschwindigkeit. Am Flughafen Zürich – der noch nie wegen Schneefalls geschlossen war – bedingt die weisse Pracht aber eine Vielzahl weiterer Massnahmen. Wir haben nachgefragt, welche.
Der Schneefall am vergangenen Freitag zeitigte am Flughafen zahlreiche und zum Teil massive Verspätungen: Der Flieger nach Johannesburg (planmässiger Start: 22.40 Uhr) stand um 0.27 Uhr noch am Enteiserplatz, flankiert von Muskat (geplant 22.30 Uhr). Auch diverse europäische Strecken wurden mit deutlicher Verspätung bedient. Grund dafür war aber nicht nur das Enteisen der Flugzeuge, wie der «Stadt-Anzeiger» bei der Medienstelle des Flughafens erfuhr.
Wann müssen Flugzeuge mit Spritzmitteln von Schnee und Eis befreit werden?
Für die Eisbildung an Flugzeugen braucht es Temperaturen um die null Grad oder darunter sowie Feuchtigkeit. Durch unterkühlte Flugzeuge (zum Beispiel nach einer kalten Nacht oder nach einem langen Flug auf grossen Höhen) kann sich auch bei positiven Lufttemperaturen an Flugzeugen Eis bilden und eine Enteisung notwendig machen. Es dürfen keine Flugzeuge mit Eis oder Schnee an Rumpf oder Tragflächen starten (was nicht nur die mechanischen Teile, sondern auch den Auftrieb und damit die Flugfähigkeit beeinträchtigen kann, Anm. d. Red.).
Wie lange dauert dieser Vorgang?
Je nach Grösse des Flugzeugs und Menge an Eis oder Schnee zirka 10 bis 45 Minuten.
Wie oft mussten Pisten am Freitag vom Schnee befreit werden? Und welche Pisten waren das?
Die Pisten 14 und 16 wurden in der Nacht von Freitag auf den Samstag zwei Mal geräumt, die Piste 28 ein Mal.
Warum gerade diese?
Durch den Schneefall war die Sicht eingeschränkt. Daher waren Landungen auf der Piste 28 nicht möglich. Deshalb wurde auf den Pisten 14 und 16 gelandet und gestartet.
Welche Mittel wurden dafür eingesetzt?
Am Freitag und Samstag waren sämtliche rund 100 Winterdienstfahrzeuge und 200 Personen im Einsatz. Dazu zählen Kehrblasgeräte (Pflüge mit Bürsten und Druckluft), Pflüge, Schneeschleudern, Enteiserfahrzeuge, Salzlastwagen, LKW für den Schneeverlad, Bürstenfahrzeuge etc.
Könnte ein Flugzeug grundsätzlich auch auf einer verschneiten Piste landen oder starten? Oder ist dann die Bremswirkung des Fahrwerks nicht mehr ausreichend? Oder gibt es weitere Gründe?
Bei bis zu 3 Millimeter Schnee können Flugzeuge grundsätzlich auch auf Schnee landen, sie benötigen dann aber eine längere Bremsstrecke. Neben der Bremswirkung spielt die Bodenhaftung auch bei Seitenwind eine wichtige Rolle.
Welche Bedeutung hat die Schubumkehr beim Bremsen, die ja durch die Bodenbeschaffenheit nicht tangiert ist?
Die Schubumkehr liefert je nach Flugzeugtyp einen grossen Anteil an der Bremsleistung, vor allem bei höheren Geschwindigkeiten. Die Bremsen des Fahrwerks liefern aber nach wie vor den grösseren Anteil, weshalb der Pistenzustand massgebend ist für den Bremsweg. Zudem mindern Schnee, Matsch oder Wasser auch die Leistung beim Start.
Am Freitagabend wurde offenbar von Süden statt von Osten gelandet. Warum?
Weil die Sichtwerte durch den Schneefall die Landung auf der Piste 28 nicht zuliessen. Während der Räumung der Piste 16/34 zwischen 21.50 und 22.30 wurde von Norden gelandet.
Wie wirkt sich dies auf die Kapazität des Flughafens aus?
Je nach Betriebskonzept und Dauer der Pistenräumungen, die abhängig von der Intensität des Schneefalls und dem Gewicht des Schnees ist, verringert sich die Kapazität. Zusätzlich kann die Flugzeugenteisung die Starts verzögern.
Wer entscheidet, welches Flugzeug auf welcher Piste landet?
Grundsätzlich regelt das vom Bazl genehmigte Betriebsreglement des Flughafens Zürich, welches Betriebskonzept zu welcher Zeit und Wettersituationen anzuwenden ist. Die Flughafen Zürich AG setzt das Betriebsreglement operationell in Absprache mit der Flugsicherung Skyguide um. Letztendlich kann der Pilot entscheiden, ob er die zugewiesene Landepiste akzeptiert oder bei Skyguide eine andere Piste anfordert.