Verstärkungen kosten ein Jahr Zeit

Roger Suter

Das Spital Bülach hat 2025 11 481 Patientinnen und Patienten versorgt und einen Gewinn von 5,9 Millionen Franken erwirtschaftet. Auch die Bauvorhaben sind auf Kurs – aber eines mit einer Verzögerung, mit der niemand gerechnet hat.

Die Aktionärinnen und Aktionäre des Spitals Bülach, 33 Gemeinden im Zürcher Unterland, dürfen zufrieden sein: Ihre Gesundheitseinrichtung schliesst das Jahr 2025 mit einem Überschuss von 5,9 Millionen Franken ab – in Zeiten, in denen diverse Spitäler rote Zahlen schreiben oder gar schliessen müssen, ist das ein gutes Resultat.

Bei den drei laufenden Bauvorhaben gab es eine überraschende Auflage, die eines für rund ein Jahr verzögern wird: Das Ambulante OP- und Praxiszentrum (AOPZ) wird erst Ende 2028 in Betrieb gehen. Der Grund liegt im Untergrund: Das neue Zentrum neben der katholischen Kirche wird auf einer unterirdischen «geschützten Operationsstelle» (GOPS) zu stehen kommen. Diese stammt aus den 1980er-Jahren und muss gemäss Bundesamt für Bevölkerungsschutz den neuen Anforderungen – grösseren Druckwellen, auch unterirdisch – angepasst werden. «Dazu müssen wir rund 4000 grosse Schubdübel entlang den Wänden in die Bodenplatte der GOPS treiben», so Mariette Gretler, Leitung Services und zuständig für die Bauprojekte des Spitals. Die Mehrkosten betragen rund 1,3 Millionen Franken, die jedoch vom bereits budgetierten Posten «Unvorhergesehenes» aufgefangen werden können, sodass keine zusätzlichen Gelder gesprochen werden müssen. «Immerhin können wir im AOPZ und im GOPS parallel bauen», so Gretler. «Die Verzögerung von einem Jahr rührt nur von der zusätzlichen Planung und Bewilligung her.»

 

«Wir müssen rund 4000 grosse Schubdübel entlang den Wänden in die Bodenplatte der GOPS treiben.»

Mariette Gretler, Leitung Services, Mitglied Geschäftsleitung

 

Vom neuen Behandlungstrakt stehen bereits erste Wände des Untergeschosses; der Spatenstich erfolgte am 22. April. Darin sollen ab Mitte 2028 unter anderem der Notfall, die Operationssäle, die Intensivpflegestation sowie die Radiologie untergebracht sein.

Die neue, dezentrale Rettungswache unweit des Autobahnanschlusses Bülach Nord feierte am 21. Mai Aufrichte; zurzeit ist dort der Innenausbau im Gang. In Betrieb geht die Wache Anfang Oktober; am 17. Oktober ist sie zudem zu besichtigen.

Neue Gesichter an der Spitze

Sabrina Gänsbacher ist die neue CEO des Spitals Bülach, seit knapp 4 Wochen im Amt und derzeit auf «Zuhörtour» durchs Spital. Die ausgebildete praktische Ärztin (mit klinischer Erfahrung in Orthopädie, innerer Medizin, Notfall und kardiologischer Forschung) und frühere Leiterin verschiedener Programme am Universitätsspital Basel ist von der Strategie des Spitals Bülach überzeugt. «Ich durfte ein tolles Spital übernehmen und feststellen: San guate Leit, wie wir im Südtirol sagen.»

Anstelle der zurücktretenden Rosmarie Pinzello wurde Peter Wespi, Hausarzt in Dielsdorf, in den Verwaltungsrat gewählt. Er wird die Sicht seiner Berufskollegen in den Spitalverwaltungsrat einbringen. Die übrigen acht VR-Mitglieder wurden wiedergewählt.

Beginnt nun die Bereinigung?

VR-Präsident Thomas Straubhaar blickte wie immer über den Tellerrand hinaus – und in der Zeit zurück: «Mit der Neuorganisation der Spitalfinanzierung 2012 befürchtete man eine Bereinigung der Spitallandschaft und blutige Austritte» (Patienten würden aus Kostengründen zu früh nach Hause geschickt, Anm. d. Red.), führte er aus. «Beides ist vorderhand nicht passiert. Die Aufenthaltsdauer ist zwar kürzer, aber die medizinische Versorgung sogar eher besser geworden.» Und die Bereinigung sei ausgeblieben, weil die  Kantone dabei – teilweise sehr innovativ – in die Bresche springen würden.

 

«Ich durfte ein tolles Spital übernehmen und feststellen: San guate Leit, wie wir im Südtirol sagen.»

Sabrina Gänsbacher, CEO Spital Bülach

 

Das könnte sich nun ändern, wie Straubhaar anhand folgender Beispiele vermutet: Das Spital Wetzikon ist in finanziellen Schwierigkeiten  und befindet sich in Nachlassstundung; das Seespital Horgen musste seine Gebäude an eine Investmentfirma verkaufen; das Spital Samedan GR wurde massiv verkleinert, um überleben zu können, und auch vom Spital Menziken bleiben nur Rettungsdienst, Hausarztpraxis, Ambulatorium und Langzeitpflege; in den letzten Monaten wurden schweizweit diverse Geburtsabteilungen in Spitälern geschlossen; umgekehrt kaufen Private-Equity-Firmen Ärztepraxen und ambulante Gesundheitszentren auf, um Gewinne zu erwirtschaften; das Spital Männedorf und die Klinik Hirslanden gründen eine gemeinsame ambulante Klinik in Meilen.

Finanziell stabil und risikoarm

«Ich bin nicht der Meinung, dass es zu viele Spitäler gibt», so Straubhaar, «aber zu viele, die alles machen.» Deshalb konzentriere sich Bülach – angesichts der Nähe zu Zürich und seinen grossen und spezialisierten Kliniken – auf die Grundversorgung der Unterländer Bevölkerung. «Und anhand unserer Zahlen ist diese Strategie erfolgreich, auch wirtschaftlich – mit wenig Risiko für die Aktionäre.» Die Zahlen, die Finanzchef Jürg Meier präsentierte, unterlegten diesen Erfolg: Das Jahresergebnis 2025 lag mit 5,9 Millionen Franken 1,9 Millionen über dem Vorjahr, die Ebitda-Marge lag bei 7,5 Prozent (Vorjahr 6,6 %), die Zahl der stationären Patientinnen und Patienten bei 11 481 (+4,2 %). Die Eigenkapitalquote liegt bei hohen 70,9 Prozent.

Der Personalaufwand ist 2025 um 4,5 auf 131 Millionen Franken gestiegen, der Sachaufwand um 1,3 auf 38,7 Millionen. Gleichzeitig stieg der Ertrag aber um 8 auf 183,5 Millionen Franken. Davon stammen 125,3 Millionen aus dem stationären Bereich, 44,1 aus dem ambulanten (2024: 42,5)  und 14 Millionen aus anderen Bereichen.

Die Fallzahl ist um 465 auf 11 481 gestiegen. Darunter waren 4586 in der inneren Medizin und der Altersmedizin sowie Palliative Care (+262 gegenüber 2024), 3738 in der Chirurgie und Urologie (–10) und 3157 in der Gynäkologie, Geburtshilfe, Neonatologie sowie Kinder- und Jugendmedizin (+213 ).

Kennzahlen Spital Bülach

  • Jahresergebnis 2025: 5,9 Millionen Franken (Vorjahr: 4 Mio. Fr.)
  • Ebitda-Marge: 7,5 % (Vorjahr 6,6 %)
  • Stationäre Patientinnen und Patienten:  11 481 (+4,2 % gegenüber 2024)
  • Eigenkapitalquote: 70,9 %