Unsere Lesetipps zum Abschalten
Bücher, mit denen man es sich draussen auf dem Balkon oder drinnen auf der Couch bequem machen kann: Die Redaktion hat Leseempfehlungen zusammengetragen. Ob Nachdenkliches oder Spannendes – hier sollte für jeden Buchfan etwas dabei sein.
Wer die Wahl hat, hat die Qual: Die Buchhandlungen sind voller toller Bücher, die man unbedingt einmal gelesen haben sollte. Doch die Entscheidung ist nicht leicht. Wer lieber Gedrucktes liest, der hat in seinem Koffer vermutlich nur beschränkt Platz. Insbesondere im Flugzeug zählt ja beim Gepäck jedes Kilogramm.
2025 wurden in der Deutschschweiz im stationären Buchhandel und online inklusive E-Books 18,5 Millionen Bücher verkauft. Dies geht aus dem Marktreport des Schweizer Buchhandels- und Verlags-Verband (SBVV) hervor.
Gleich sieben Titel von hiesigen Autorinnen und Autoren schafften es 2025 unter die Top 10 der Jahresbestsellerliste Hardcover Belletristik des SBVV, darunter das Buch «Lázár» des Zürchers Nelio Biedermann. Knapp dahinter platzierte sich «Wut und Liebe» von Martin Suter. Ebenfalls äusserst gut angekommen ist «Die Holländerinnen» von Dorothee Elmiger.
Elmigers Werk hat es auch in unsere Leseempfehlungen für die Ferienzeit und darüber hinaus geschafft. Bei unseren Buchtipps sollte für fast alle etwas dabei sein.
Die Redaktion
Eine x-beliebige Strasse
Das neuste Werk des österreichischen Autors Robert Seethaler heisst «Die Strasse» und verzichtet auf eine klassische Handlung. Im Mittelpunkt stehen die Bewohnerinnen und Bewohner der Heidestrasse. Die deutsche Tageszeitung «Die Welt» bezeichnete das Buch ein «literarisches Wimmelbild mit Tonspur». Man höre den garstigen Dialogen der Alten im «Haus Abendschein» zu, lese die nie abgesandten Liebesbriefe der Blumenhändlerin, begleite Dr. Aysal, den aufopferungsvollen Allgemeinarzt mit Neigung zu Schweinelendchen und Bier.
Seethalers «Die Strasse» muss man gelesen haben, allein wegen der vielen Geschichten, die der Schriftsteller miteinander verwoben hat.
Robert Seethaler: Die Strasse, 2026, 240 Seiten, Claassen, Berlin.
Wie Schnurren die Seeleheilt und Kummer vertreibt
Es ist die Frage, aller Fragen: Hund oder Katze? Ideal, wenn man gleichermassen Platz im Herzen für Büsi und Wauwau hat. Aber selbst eingefleischte Hundefans dürften nach der Lektüre von «Das Glück bringt eine Katze» zumindest Verständnis für die Vernarrtheit von Katzen-Aficionados in ihre flauschigen Gefährten haben.
Geschrieben hat den wunderschönen Roman die Japanerin Syou Ishida. Auf Englisch heisst der Bestseller «We’ll Prescribe You a Cat», was perfekt zur Handlung passt. Denn in einem alten Gebäude in Kyōto befindet sich die Kokoro-Klinik für die Seele. Wenn alle herkömmlichen Therapien nicht mehr helfen, ist man hier an der richtigen Stelle.
Wer den Schritt in die Klinik wagt, muss nämlich keine langen und komplizierten Formulare ausfüllen oder seine ganze Krankengeschichte wiederkäuen. In der Kokoro-Klinik für die Seele werden keine Medikamente verschrieben, sondern flauschige Mitbewohner auf Rezept.
«Das Glück bringt eine Katze» vereint die kurzen Geschichten verschiedener Protagonisten, die einem zum Teil ans Herz wachsen. Es ist ein liebevoll geschriebenes Buch, das man schnell durchgelesen hat und einen nach der Lektüre mit einem guten Gefühl zurücklässt. Wer sich auf einen Wohlfühlroman einlassen und auch mal ohne Krimi ins Bett kann, für den ist das Buch wärmstens zu empfehlen.
Auf Englisch ist in der Kokoro-Serie von Syou Ishida neben «We'll Prescribe You a Cat» bereits «We'll Prescribe You Another Cat» erschienen. Im September soll «Welcome to the Kokoro Cat Clinic» folgen.
Syou Ishida: Das Glück bringt eine Katze, 2025, 304 Seiten, Piper Verlag,München.
Ein packender Roman über Europas andere Seiten
Die marokkanisch-niederländische Autorin Safae el Khannoussi wurde in den Niederlanden für «Oroppa» bereits mehrfach mit Auszeichnungen geehrt, darunter mit dem Libris Literatuur Prijs.
Aber auch im deutschsprachigen Raum sorgte ihr Debütroman für Furore und landete gar auf der Shortlist des Internationalen Literaturpreises 2026, der vom Haus der Kulturen der Welt mit Sitz in Berlin vergeben wird.
Oroppa ist ein arabisches Wort für Europa. Im packend geschriebenen Buch verschwindet Salomé Abergel, eine jüdisch-marokkanische Künstlerin und ehemalige politische Dissidentin, überraschend auf dem Höhepunkt ihres Ruhms. Das ist der Auslöser für die Geschichte, bei der sich mehrere, zum Teil skurrile, Figuren auf die Suche nach der verschwundenen Hauptfigur begeben. «Oroppa» ist keine klassische Wohlfühllektüre, aber eine vielstimmige Auseinandersetzung mit Europa und Zugehörigkeit. Es ist ein Werk, das Spass macht und das man auf dem Liegestuhl am Strand in Italien genauso gut verschlingen kann wie im Strandkorb an der Ostsee.
«El Khannoussis Roman thematisiert die zumindest in der deutschsprachigen Öffentlichkeit kaum diskutierte marokkanische Diktatur unter Hassan II., während derer Tausende von Menschen willkürlich verfolgt, gefoltert und ermordet wurden», heisst es in der «Wochenzeitung WOZ». Und die NZZ adelte das Buch mit den Worten: «Es gibt Bücher, die man nach der letzten Seite sofort von vorne beginnen möchte.» «Oroppa» von Safae el Khannoussi sei so ein Buch.
Safae el Khannoussi: Oroppa, 2026, 352 Seiten, Hanser Verlag, München.
Aufstieg, Schuld unddie Frage nach Männlichkeit
Er avanciert definitiv zum Kritikerliebling: Der britisch-ungarische Schriftsteller David Szalay hat den Booker Prize gewonnen. Der Booker Prize gilt als wichtigste britische Literaturauszeichnung. Der Roman «Was nicht gesagt werden kann», der im Original «Flesh» heisst, berichtet vom fünfzehnjährigen István, der mit seiner Mutter in einem Plattenbauviertel am Rande einer ungarischen Stadt lebt. Aus einer Bekanntschaft zu einer Nachbarin im Alter seiner Mutter entwickelt sich eine sexuelle Beziehung, gerät sein Leben ausser Kontrolle.
Im Podcast «Was liest du gerade?» der Wochenzeitung «Die Zeit» sind die beiden Hosts Iris Radisch und Adam Soboczynski voll des Lobes. «Gelingt ihm der soziale Aufstieg? Was bedeutet es heute, männlich zu sein? Ist er ein Mörder? Und wenn ja, trotzdem ein guter Mensch?», fragen sich Radisch und Soboczynski.
David Szalay: Was nicht gesagt werden kann, 2025, 384 Seiten, Claassen, Berlin.
Fukuyama zieht Bilanz
Francis Fukuyama ist eine Person, die wohl viele kennen, obwohl sie ihn noch nie gelesen haben. Der US-amerikanische Politikwissenschafter hinterfragt in seinen Memoiren mit dem Titel «Der letzte Mensch – Wohin steuert die Welt?» auch seine durchaus gewagte These vom Ende der Geschichte. «Im neuen Buch schildert Francis Fukuyama seinen intellektuellen Werdegang. Und fragt sich, woran die westlichen Demokratien kranken», schreibt die «Neue Zürcher Zeitung».
Fukuyama macht in seinem Werk deutlich, warum es wichtig ist, für die Freiheit zu kämpfen. Das Buch, das Persönliches mit Fachlichem vermischt, ist ein interessanter Blick des Denkers auf die Welt.
Francis Fukuyama: Der letzte Mensch – Wohin steuertdie Welt? 2026, 272 Seiten, Hoffmann und Campe, Hamburg.
Im Sog des Urwalds
Dorothee Elmiger räumte mit ihrem Roman «Die Holländerinnen» den deutschen Buchpreis und den Schweizer Buchpreis ab. Das Buch thematisiert die Wanderung zweier in einem Urwald verschwundener Niederländerinnen. Es ist eine sprachlich herausfordernde und teilweise gruslig geschriebene Geschichte rund um Furcht, Gewalt und die Abgründe der Menschheit. Der «Tages-Anzeiger» bezeichnete die Zürcher Schriftstellerin als «eine der spannendsten Schweizer Autorinnen der Gegenwart».
«Die Holländerinnen» ist definitiv keine einfache Lesekost, denn man muss dranbleiben, um bis zum Ende durchzuhalten. Aber es lohnt sich, Elmigers Werk bis zur letzten Seite zu lesen.
Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen, 2025, 160 Seiten, Hanser Verlag, München.
Wer lügt im Haus?
Nach einem Unfall benötigt Victoria Barnett rund um die Uhr Betreuung. Aus diesem Grund wird Sylvia Robinson als Pflegekraft eingestellt. Doch ist Victoria wirklich so hilflos, wie es scheint? Und was ist mit dem Tagebuch?
Der Thriller von Freida McFadden packt einen bis zum Ende. Die Bücher der US-Amerikanerin lesen sich unglaublich schnell weg, was auch ihrer Gabe für psychologische Spannung geschuldet ist. Wer nach «Die Ehefrau» noch nicht genug hat, der sollte sich unbedingt «Wenn sie wüsste» zu Gemüte führen. Ihr grosser Hit wurde unter dem Titel «The Housemaid» verfilmt – mit Sydney Sweeney und Amanda Seyfried in den Hauptrollen.
Freida McFadden: Die Ehefrau – Was hat sie zu verbergen? 2026, 416 Seiten, Heyne, München.
Hier geht es direkt zur Podcast-Folge «Vom Morden und vom Lieben».