Sonne und Mond tauschen Rollen

Walter Bersinger

Am 12. August verdeckte der Leermond die Sonne und sorgte für eine partielle Sonnenfinsternis. Nur einen halben ­Monat später tritt der Erdtrabant hinter unserem Heimatplaneten in dessen Schatten.

Am frühen Morgen des 28. August 2026 ­erleben wir eine hochgradige partielle Mondfinsternis. Weltweit betrachtet treten Finsternisse alle fünf bis sechs Monate jeweils in Gruppen von zwei oder drei Ereignissen auf. Selten sind alle vom gleichen Punkt auf der Erde zu sehen. Diesmal haben wir Glück: Nach der kürzlichen Sonnenfinsternis dürfen wir uns nun noch auf eine partielle Mondfinsternis freuen.

Ihr Verfinsterungsgrad ist sehr ähnlich wie jener der Sonnenfinsternis zwei Wochen zuvor, nämlich 93%. Das heisst, der Mond gerät nur teilweise in den ­Erdkernschatten, und 7% seines Durchmessers bleiben sonnenbeschienen. Nirgendwo auf der Welt kann dieses Ereignis als Totalverfinsterung gesehen werden. Etwa die Erdhälfte mit Europa, Afrika, Nord- und Südamerika, die sich gerade auf der sonnenabgewandten Nachtseite befindet, kommt in den Genuss dieser reizvollen Erscheinung.

Was passiert am Freitag?

Eine Mondfinsternis tritt ein, wenn der Mond von der Sonne aus gesehen hinter der Erde in deren Schatten eintaucht. Der Ablauf dieser Mondfinsternis erinnert stark an jenen der Sonnenfinsternis vom 12. August: Sonne und Mond senkten sich am Abend dem Westhorizont entgegen, und die maximale Verfinsterung trat kurz vor Sonnenuntergang ein. Immer noch teilverfinstert verschwand das Gespann Sonne/Mond kurz darauf hinter dem Horizont. Copy-Paste also für die Mondfinsternis am 28. August? Beinahe! Der Mond erreicht einen ähnlichen maximalen Verfinsterungsgrad kurz vor seinem Untergang im Westen und entzieht sich teil­verfinstert unseren Blicken. Aber alles schön der Reihe nach. Frühmorgens um 03.25 Uhr beginnt die Halbschattenphase, von der jedoch längere Zeit nichts wahrgenommen werden kann. Um 4.34 Uhr beginnt die Kernschattenphase, und um 6.14 Uhr ist die grösste Verfinsterung von 93% erreicht. Ein Hauch von rötlicher Tönung dürfte sich bei einer so starken Verdunkelung ähnlich wie bei einer totalen Mondfinsternis bemerkbar machen. Nur gut 20 Minuten später geht der verfinsterte Mond unter.

Unentwegte sind am Freitag, 28. August, ab 4 Uhr zu einem Besuch der Sternwarte Rümlang eingeladen – kühlere Temperaturen als am kürzlichen Sonnenfinsternistag sind garantiert! Kaffee, Tee und Knabbereien werden von der Sternwarte offeriert und für das frühe Aufstehen entschädigen. Zwischendurch zeigt die Sternwarte-Crew auch andere Objekte, darunter gewiss den Ringplaneten Saturn. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei. Die öffentliche Beobachtung findet nur bei klarem Himmel statt. Der Durchführungsentscheid ertönt am Vorabend ab 20.30 Uhr auf der Combox 044 817 06 83.

Informationen zur Durchführung (ab Do, 20.30 Uhr): 044 817 06 83 www.sternwarte-ruemlang.ch