Skyguide noch nicht stabil genug

Roger Suter

Kritik der Eidgenössischen Finanzkontrolle: Die Schweizer Flugsicherung verfügt auch nach mehr als drei Jahren noch nicht über ein lückenloses System, wie Ausfälle behoben und der Flugbetrieb aufrechterhalten werden kann.

Die Schweizer Flugsicherung Skyguide hat Probleme – einerseits technischer Art, etwa was die Zukunft der verwendeten Systeme betrifft, und spätestens seit dem Einbruch des Flugverkehrs und damit der Einnahmen während Corona andererseits finanzielle. Deshalb hat sich die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) zum wiederholten Mal mit der AG, die fast vollständig im Besitz des Bundes ist, befasst.

Im jüngsten Bericht, der vergangene Woche erschienen ist, stellt die Kontrollbehörde zwar Fortschritte fest, doch sei die Institution, welche als einzige den gesamten Schweizer und Teile des angrenzenden Luftraums überwacht, noch immer schlecht aufgestellt, wenn es zu Ausfällen bestimmter Systeme kommt.

So geschehen am 15. Juni 2022, als ein kaputtes Netzwerkteil dafür gesorgt hatte, dass der gesamte Schweizer Luftraum während fünf Stunden gesperrt werden musste. Am 25. Juni 2024 hatte ein schweres Gewitter in Genf das Untergeschoss des dortigen Kontrollzentrums überschwemmt. Weil dadurch das Kühlsystem während rund zwei Stunden ausfiel, wurde auch hier der Flugbetrieb in dieser Zeit eingestellt. Und erst letzte ­Woche legte ein Problem mit einem Software-Update den Luftraum über Genf lahm.

Die beiden älteren Vorfälle wurden bereits untersucht. In den Berichten wurde unter anderem eine Strategie gefordert, wie in solchen Notfällen der Betrieb aufrechterhalten werden kann. Diese «Business Continuity Management»- oder BCM-Strategie sei aber bis heute ungenügend, wie die Eidgenössische Finanzkontrolle nun festhält. «Die Bereiche, welche die Steuerung und die Strategie betreffen, haben noch kein akzeptables Maturitätsniveau erreicht», schreibt die EFK weiter. Es zeige sich jedoch, dass Skyguide bestrebt sei, schrittweise ein BCM-System aufzubauen.

Skyguide ist nicht alleine schuld

Allerdings sei der derzeitige Ansatz noch zu stark fragmentiert, das BCM sei eher eine Reihe vereinzelter Massnahmen als ein übergeordneter, gesteuerter Prozess. «Es ist zwingend erforderlich, dass Skyguide den nächsten Schritt macht und ein vollwertiges BCM aufbaut und einführt.» Die EFK kritisiert aber nicht nur Skyguide, sondern auch die anderen Verantwort­lichen wegen mangelnder Vorgaben, ­namentlich das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek), das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) und die Eidgenössische Finanzverwaltung (EFV). Letztere deshalb, weil die Finanzierung weit verteilt und deshalb kaum zu überblicken ist.

Aber auch das Bundesamt für Zivilluftfahrt und die Military Aviation Authority sowie die Schweizer Luftwaffe müssten eingebunden werden, um eine koordinierte Steuerung und nachhaltige Finanzierung des BCM zu ermöglichen.

Verbesserungen bis 2027

Etwas anders tönt die Mitteilung von Skyguide selbst: Sie teilt mit, dass man die Empfehlungen aktiv umsetze und die ­eigene Resilienz systematisch ausbaue und kontinuierlich in sein BCM-System investiere. «Skyguide betreibt ein hochverfügbares System für die Flugsicherung. Trotzdem können unerwartete ­Ereignisse auftreten, die im Ernstfall zu längeren Unterbrüchen im System und damit im Flugverkehr führen könnten», schreibt Skyguide. «Der aktuelle Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) attestiert Skyguide, Fortschritte erzielt und in allen fünf Kernbereichen des BCM weitergearbeitet zu haben: bei Richtlinien, Risiko- und Business-Impact-Analysen, bei der strategischen Ausrichtung, im Bereich Tests und Sensibilisierung ­sowie in der operativen Planung.» Geplant ist, «den BCM-Reifegrad bis Ende 2027 merklich zu erhöhen».

Investiert werde ausserdem gezielt in Notfalllösungen und Redundanzen, um  den Betrieb auch in Notfällen aufrechtzuerhalten. «Im Rahmen des Partnerverbunds ‹System Schweiz› prüft sie beispielsweise eine Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee, Swisscom und MeteoSchweiz.» Für die Jahre 2026/27 seien Projekte wie der Bau eines Ausweichkontrollturms am Flughafen Zürich sowie ein verbesserter Hochwasserschutz am Flugsicherungszentrum in Genf geplant.

Um die Notfallabläufe zu überprüfen, setze Skyguide einen umfassenden ­Testplan um und trainiere ihre Mitarbeitenden entsprechend – etwa mit der ­Krisenübung mit Schwerpunkt Cyber­kriminalität vom Oktober 2025, die gemeinsam mit dem Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) und dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) stattfand.

Skyguide werde auch in den folgenden Jahren investieren, um eine optimale ­Resilienz zu erreichen. Ziel ist es, nach einem Ausfall so rasch wie möglich wieder eine stabile Betriebskapazität zu etablieren, insbesondere an den Landesflughäfen Zürich und Genf.