Schlumpf und Prassl bringen Meistererfahrung nach Kloten
Verteidiger Dominik Schlumpf (35, von Zug) und Stürmer Raphael Prassl (28, von Lausanne) sind zwei Neuzugänge, die nicht nur viel Erfahrung, sondern auch Meistertitel mitbringen. Schlumpf triumphierte zweimal mit Zug, Prassl, als er sich als Center beim ZSC in den Playoffs ins Rampenlicht spielte.
Prassl traf bereits beim Klotener Auftakt-Testspiel in der Vorbereitung beim Swiss-League-Partnerteam Thurgau (3:2). Schlumpf debütierte beim imponierenden 7:1 gegen die Rapperswil-Jona Lakers in Klotens zweitem Test. Bei den Lakers bestreitet Kloten am Dienstag, 15. September, sein erstes Meisterschaftsspiel.
«Ich will Erfahrung weitergeben»
Der WM- und Olympia-erfahrene Schlumpf wurde unlängst als Ersatz für Abwehr-Haudegen Nicholas Steiner geholt, der wegen eines Achillessehnenrisses rund ein halbes Jahr ausfällt. Der 1,83 m grosse Schlumpf sagt über seinen neuen Arbeitgeber: «Kloten konnte ich mir immer sehr gut vorstellen. Wir wollen über die ganze Sache zusammen wachsen und die Ziele erreichen. Ich will meine Erfahrung einbringen und natürlich auch den Jungen gewisse Inputs geben. Ich bin sehr offen und kann Fragen der Jungen beantworten. Ich will meine Rolle gut ausführen, sicher auch offensiv etwas beitragen, wenn sich die Möglichkeit dazu ergibt. Aber in erster Linie will ich teamdienlich spielen, defensiv konsequent.»
Mit dem jetzigen Kloten-Stürmer Reto Schäppi begann Schlumpf in Wallisellen mit dem Hockey, «die gesamte Junioren-Zeit spielten wir zusammen (vorab bei den ZSC Lions – Red.). Dann spielte ich mit Leandro Profico in Lugano zusammen. Und Goalie Reto Berra kenne ich vom Nationalteam her.» Zudem wuchs Schlumpf in der Region von Kloten auf. «Meine Eltern wohnen immer noch in Wangen-Brüttisellen, meine zwei Brüder wohnen auch in der Umgebung.»
«Schöner, als bei Spiel 7 auswärts Meister zu werden, geht es nicht.»
Schlumpf stand Ende letzter Saison ohne Vertrag da. Seine Zukunft war ungewiss, ehe er wegen der Verletzung von Nicholas Steiner den Anruf von Klotens Sportchef Ricardo Schödler erhielt. «Bei einem Physio arbeitete ich zweimal die Woche, ansonsten hielt ich mich selbst fit.» Bei Kloten unterschrieb der frühere Nationalspieler für ein Jahr.
Schlumpf in Zug unter Liniger
In Kloten trifft Schlumpf zudem auf einen Trainer, den er bestens kennt. Mit Klotens jetzigem Headcoach Michael Liniger arbeitete Schlumpf in der Vorsaison noch bis im Januar zusammen – unmittelbar vor dem Januar-Gastspiel des EVZ in Kloten wurde Liniger als Zugs Trainer nach einer Niederlagenserie entlassen. Schlumpf betont: «Es war aber bei weitem nicht alles schlecht in dieser Zeit, aber wir fanden irgendwie nicht mehr heraus aus den negativen Resultaten. Es waren mehrere Faktoren. Da waren wir als ganzes Team die Schuldtragenden.»
Die Substanz des Kaders im EHC Kloten ist für Schlumpf aktuell durchaus mit dem aktuellen EV Zug vergleichbar. «Wir können gute und ambitionierte Ziele haben. Aber schlussendlich muss die Kurve nach oben zeigen Ende Saison, damit wir möglichst lange Hockey spielen können.»
Toller Meistertitel
Neben Verteidiger Dominik Schlumpf und Goalie Reto Berra ist mit Stürmer Raphael Prassl ein dritter Neuzugang der Zürcher Unterländer, der bei den ZSC Lions ausgebildet wurde. Auch der wie Prassl von Lausanne gekommene Michael Hügli verfügt über Erfahrung in der Lions-Nachwuchsorganisation (bis zur U17). «Die Lions haben ein grosses Einzugsgebiet. Das ist sicher einer der Gründe, weshalb sie so viele Spieler herausbringen. Das ist auch ihr Ziel. Dass nicht alle bei den ZSC Lions spielen können später, ist auch klar», sagt Prassl, der in Kloten für zwei Jahre unterschrieb.
Er selbst war 2018 als junger Spieler mit den Lions Meister geworden, als er in der vierten Linie mit Marco Miranda (aktuell Genf-Servette) zusammen stürmte. Die beiden hatten damals die letzte Klasse des Kunst- und Sport-Gymnasiums Rämibühl in Zürich besucht. «Das war mein erstes Jahr im Fanionteam. Wir erhielten damals als neu gebildete Sturmlinie eine Riesenchance. Schöner als bei Spiel 7 auswärts Meister zu werden, geht es nicht.» Den Triumph realisierten die Lions damals beim Erzrivalen Lugano.
Prassl ist variabler geworden
Nach seiner produktivsten Saison bei den Lions (11 Tore und 5 Assists in der Qualifikation, 3 Tore und 4 Assists in 9 Playoff-Spielen) wechselte Prassl 2021 zu Davos, wo er in seiner Auftaktspielzeit in der Regular Season gar auf 21 Punkte (8 Tore) kam. Dann folgte im zweiten Jahr bei Davos der Wechsel von vier auf sechs Ausländer, Prassls Werte waren von da an nicht mehr ganz so hoch. Als Spieler wurde Prassl aber variabler.
Bei ZSC und Davos wurde er zunächst als Center eingesetzt. Mit der Vergrösserung des Ausländerkontingents ging es bei ihm um Anpassungen, die sich darin zeigten, dass er auf beiden Flügelpositionen spielte. Das setzte sich dann in den letzten zwei Saisons in Lausanne fort. Schon in Davos konnte er vermehrt auch Verantwortung in Unterzahl übernehmen, ebenso danach bei den Waadtländern. Prassl ist dadurch variabler und vielfältiger einsetzbar geworden.
Auch Mentor für die Jungen
In Lausanne erlebte Prassl auch Captain Damien Riat (29) als Mitspieler, der mit der Nationalmannschaft bereits dreimal WM-Silber gewann und auch an der vergangenen Heim-WM als einer der Schweizer Top-Goalgetter brillierte. «Damien ist ein grosser Leader und schon seit Jahren ein Topspieler in der Liga», sagt Prassl. In der letzten Saison musste Prassl selbst teilweise wegen einer Ellbogen-Infektion aussetzen. Nun will er mit Kloten mithelfen, zumindest das Play-In mit dem Klub zu erreichen. Liniger verlangt von Prassl vor allem auch, sich als Mentor für die Jungen einzuordnen. Wenn die Jungen den nächsten Schritt machen, soll auch Prassl seinen Beitrag dazu leisten. Dazu gehören für Prassl beispielsweise Kimi Körbler, Leandro Hausheer oder die Zwillinge Rafael und Simon Meier.