Reto Berra will Kindheitstraum-Klub zurück in die Playoffs führen
Nach WM-Silber, Meistertitel und Ferien begann für Reto Berra am Dienstag ein neues Kapitel: Der 39-jährige Nationaltorhüter absolvierte seine erste Eiseinheit mit dem EHC Kloten – seinem Lieblingsverein aus Kindertagen – und sorgte laut Trainerstaff sofort für zusätzlichen Schwung im Team.
Nun also auch Reto Berra. Am Dienstag stand Klotens Königstransfer erstmals seit dem WM-Final wieder auf dem Eis. Der neue Torhüter der Zürcher Unterländer, zuletzt Meistergoalie von Fribourg-Gottéron und unlängst zum vierten Mal WM-Silbermedaillengewinner mit dem Schweizer Nationalteam geworden, absolvierte in der Trainingshalle der Swiss Arena seine erste Eiseinheit mit den neuen Teamkollegen.
Für Berra war es ein besonderer Moment. Seit dem WM-Final gegen Finnland, bei dem er als Backup von Leonardo Genoni im Schweizer Aufgebot stand, hatte er keine Eiseinheit mehr bestritten. Nach der Heim-WM gönnte sich der 39-Jährige zunächst zwei Wochen Ferien. Bereits in der vergangenen Woche schaute er jedoch erstmals in Kloten vorbei, brachte seine Goalie-Ausrüstung in die Garderobe, richtete seinen Platz ein und begrüsste den Trainerstaff sowie die anwesenden Spieler. Die sechs Importspieler werden erst Ende Juli zur Mannschaft stossen und dann auch ins Teamtraining einsteigen.
«Ich wurde herzlich empfangen»
Die ersten Eindrücke fielen für Berra durchwegs positiv aus. «Ich wurde herzlich und warm empfangen. Ich spürte viel Freude, dass ich da bin. Und das ist zu dieser Zeit des Jahres das Wichtigste», sagte Berra gegenüber dem «Klotener Anzeiger». Die Ankunft des prominenten Neuzugangs blieb auch auf dem Eis nicht unbemerkt. Assistenztrainer Marcel Jenni, der die Einheit leitete, stellte fest: «Man merkte richtiggehend einen Schub auf dem Eis durch Berras Präsenz. Alle geben richtig Gas und sind mit Feuereifer dabei.»
Noch nicht viel Gesprächsstoff
Auch für Goalie-Trainer Markus Korhonen, der wie Jenni neu zum Trainerstab gehört, war die erste gemeinsame Einheit von Bedeutung. Er konnte erstmals mit seinem kompletten Torhüter-Trio arbeiten. «Dass Berra nun da ist, darüber sind wir einfach alle in erster Linie froh. Viel zu besprechen brauchen wir noch nicht», sagte Korhonen.
Stürmer Mischa Ramel beschreibt den neuen Teamkollegen als unkomplizierte Persönlichkeit. «Berra ist ein cooler Typ. Er ist eine gelassene Person und immer fröhlich, wenn er in die Garderobe kommt. Und jeder bei uns weiss, dass er uns helfen kann.»
«Berra ist ein cooler Typ. Er ist eine gelassene Person und immer fröhlich, wenn er in die Garderobe kommt. Und jeder bei uns weiss, dass er uns helfen kann.»
Berra bestätigt denn auch: «Kloten zu helfen, wieder nach vorne zu kommen, das ist ein Ziel.» Und noch konkreter formuliert der langjährige Nationaltorhüter seine sportlichen Ambitionen mit Kloten: «Die Playoffs!» Berra selbst machte bereits früh positive Erfahrungen mit dem EHC Kloten. Dies noch, bevor er überhaupt beim Klub unterschrieben hatte. Besonders die Stimmung innerhalb der Mannschaft habe ihn überzeugt. «Es ist eine motivierte Truppe. Das wichtigste Element, das Team, das hat Kloten. Das spürte und spüre ich. Nebst dem, dass Kloten mein Lieblingsverein meiner Kindheit ist, ist für mich der Teamcharakter entscheidend.»
Genau dieser Aspekt habe letztlich auch eine wichtige Rolle bei seinem Wechsel gespielt. Kloten gewann beispielsweise im letzten Herbst gegen Fribourg-Gottéron ein Heimspiel nach einem 1:2-Rückstand mit 4:2. Dario Meyer war damals mit einem Hattrick der Matchwinner. Berra erhielt in dieser Partie bei Gottéron als Back-up eine Verschnaufpause und zeigte sich in der Rolle als Zuschauer seinerzeit beeindruckt.
Verantwortung als Ansporn
Auch wenn Berra als Königstransfer der Zürcher Unterländer gilt, empfindet er die damit verbundenen Erwartungen keineswegs als Belastung. «Ich liebe diesen Sport und spiele ihn auch dafür, dass ich im Mittelpunkt stehe und dass ich Verantwortung habe und tragen kann», betont er gegenüber dem «Stadt-Anzeiger».
Der Meistertitel mit Fribourg-Gottéron habe ihm zusätzliches Selbstvertrauen gegeben. Entsprechend gross sei die Vorfreude auf die neue Aufgabe. Der enttäuschende 12. Rang der vergangenen Saison soll beim EHC Kloten jedenfalls kein Massstab mehr sein. Dann eher schon der 7. Rang der vorletzten Saison und der Einzug in die Playoff-Viertelfinals.
Auch Berra schlägt in Lipperswil ab
Bei der traditionellen Golf Trophy des EHC Kloten haben Fans und Sponsoren heute Donnerstag in Lipperswil die Möglichkeit, gemeinsam mit Spielern des National-League-Klubs eine Runde Golf zu spielen und den Tag bei einem gemeinsamen Abendessen ausklingen zu lassen.
Mit dabei ist auch Klotens neuer Top-Goalie Reto Berra. Die Erwartungen an seine Golfkünste hält der National- und Meisterkeeper allerdings bewusst tief. «Ich spielte in diesem Sommer noch nie Golf. Ich sagte Ewan Huet, dass bei mir immer die erste Runde die beste sei», sagte Berra gegenüber dem TV-Sender Tele Top.
Ganz unvorbereitet tritt er dennoch nicht an. «Ich habe neue Schläger erhalten, die ich noch auspacken muss.» Seine sportlichen Prioritäten hätten sich zuletzt allerdings etwas verschoben. «Ich bin in den letzten zwei Jahren mehr der Tennis- als der Golfspieler gewesen. Tennis spiele ich noch lieber.» (rst.)