Pfarrer gegen Fusion, Kirchgemeinde dafür
Die Klotener Reformierten sprachen sich zuhanden der Urnenabstimmung mehrheitlich für eine Fusion aus. Dagegen war der Pfarrkonvent.
An der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung in Kloten vergangene Woche wurde nicht immer wurde emotionsfrei argumentiert, besonders als Pfarrer Oliver Jaschke gegen eine Fusion argumentierte. Die Kluft zwischen Teilen der Kirchenpflege und dem Pfarrteam war deutlich spürbar, doch Kirchenpflegepräsident Peter Reinhard vermochte mit seiner souveränen und emotionsfreien Versammlungsleitung die Gemüter wieder zu beruhigen. Mit 20 zu 10 Stimmen sprach sich auch der Klotener Kirchensouverän am Ende der Versammlung für die Fusion der drei Kirchgemeinden aus und empfiehlt deshalb zuhanden der Urnenabstimmung ein Ja.
«Wir starten langsam»
Zuvor erläuterte der externe Projektleiter Peter Gysel den vor drei Jahren gestarteten Prozess und ging detailliert auf die aus den acht Arbeitsgruppen hervorgegangenen Ergebnisse ein. Gleichzeitig unterstrich Gysel, dass zahlreiche Punkte noch nicht geklärt seien, was vor der eigentlichen Urnenabstimmung am 14. Juni noch keinen Sinn ergebe. Sagt eine Kirchgemeinde Nein, so werden sich die verbleibenden beiden Kirchgemeinden zusammenschliessen. Erst bei zweimal Nein ist die Fusion gescheitert.
Beim geplanten Start am 1. Januar 2028 geschehe eigentlich noch gar nichts, so Gysel. Ab diesem Datum starte der Prozess des Zusammenwachsens. Grundsätzlich soll es in der fusionierten Kirchgemeinde zu keinem Leistungsabbau kommen, im Gegenteil: Gemäss dem Budget sieht der Stellenplan bis 2032 eine Erweiterung von heute 21 auf knapp 32 Stellen vor. «Das ist bei einem geplanten Steuerfuss von 8 Prozent machbar», betonte Gysel. Kloten hat derzeit einen Steuerfuss von 9 Prozent, Opfikon 8 und Wallisellen 7. Allenfalls sollen Aufgaben zentralisiert werden, etwa das Aktuariat und die Administration der Kirchenpflege, das Personal, die Mitglieder, die Verwaltung, die Buchhaltung und die Finanzen sowie die Liegenschaftsverwaltung und die IT.
Ist grösser auch besser?
Wenig Gutes sehen die beiden Klotener Pfarrer in der Fusion. Pfarrer Oliver Jaschke, der auch im Namen von Markus Saxer sprach, bezweifelte, dass grösser auch besser sei. «Wir sehen keine wesentlichen Vorteile, zumindest nicht in jenen Bereichen, die uns wichtig sind.» Vielmehr würden nicht nur die tatsächlichen, sondern auch die inneren Distanzen grösser, so Jaschke, der einen Verlust an Verbundenheit befürchtet. «Die Kirchgemeinde lebt davon, dass sie überschaubar ist», so der Pfarrer, der «Mühe» hat, «zu verstehen, warum man aus Klotener Sicht für die Fusion sein soll, denn Fusionen sind kein Patentrezept gegen den Mitgliederschwund». Mit der Fusion werde ein irreversibler Schritt vollzogen. Hierzu erinnerte Peter Reinhard aber daran, dass sich die Kirchgemeinde Opfikon erst vor knapp 70 Jahren von Kloten gelöst hatte und man zuvor während Jahrhunderten gemeinsam unterwegs gewesen war.