Parkplatzverordnung Airport City: Die Leserbriefe
Zu Abstimmungsvorlage vom 10. Mai haben uns mehrere Leserbriefe erreicht.
Nein zur Parkplatzverordnung Airport City
Am 3. November 2025 hat der Gemeinderat die Parkplatzverordnung Airport City mit knappem Mehr angenommen. Gegen diesen Entscheid haben FDP, SVP und Mitte das Referendum ergriffen. Nun entscheidet die Bevölkerung.
Aus Sicht des Referendumskomitees bringt die Vorlage mehr Nachteile als Nutzen. Sie sieht eine deutliche Reduktion der Parkplätze vor – mit spürbaren Folgen für Bevölkerung, Gewerbe und den Wirtschaftsstandort Opfikon.
Viele Berufstätige sind auf das Auto angewiesen, etwa Schichtarbeitende im Gesundheitswesen, Flughafenpersonal oder Handwerker. Ihre Arbeitszeiten lassen sich oft nicht mit dem öffentlichen Verkehr vereinbaren. Weniger Parkplätze erschweren ihren Alltag und schränken die Mobilität ein.
Auch für das Gewerbe birgt die Verordnung Risiken. Schlechtere Erreichbarkeit kann zu weniger Kundschaft, erschwerten Lieferungen und sinkenden Umsätzen führen. Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass ein Abbau von Parkplätzen negative wirtschaftliche Folgen haben kann.
Zudem droht eine Veränderung der Wohnstruktur. Da die Anzahl Parkplätze unabhängig von der Wohnungsgrösse festgelegt wird, könnten vermehrt kleinere Wohnungen gebaut werden. Familien und Menschen mit eingeschränkter Mobilität, die auf Parkplätze angewiesen sind, könnten verdrängt werden.
Ein weiterer Punkt sind steigende Kosten. Weniger Parkplätze führen zu höheren Mieten für Parkplätze, was insbesondere Haushalte mit mittlerem oder tieferem Einkommen belastet.
Auch wird befürchtet, dass der Parkplatzmangel zu vermehrtem Wildparkieren in Quartieren führt. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach dem Nutzen der Vorlage: Das Ziel, einen grossen Teil des Verkehrs auf den öffentlichen Verkehr zu verlagern, ist in Opfikon bereits erreicht.
Unklar bleibt zudem, ob und wie der Kanton bei einer Ablehnung eingreifen würde. Gleichzeitig baut er selbst zusätzliche Parkplätze beim Flughafen.
Schliesslich könnte die Verordnung Signalwirkung haben: Es ist zu erwarten, dass entsprechende Regelungen künftig auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet werden.
Das Referendumskomitee kommt deshalb zum Schluss: Die Parkplatzverordnung schafft neue Probleme, ohne bestehende zu lösen. Es empfiehlt der Stimmbevölkerung ein Nein.
Überparteiliches Referendumskomitee: Patrick Rouiller (Die Mitte), Björn Blaser, Manuela Bührer und Brian Karlen (FDP), Leonie Muffler (SVP)
Kein Abbau, sondern eine längst fällige Anpassung
In der Debatte wird ein wichtiger Punkt oft vergessen: Es geht nicht darum, bestehende Parkplätze zu streichen. Es geht darum, die Regeln endlich der Realität anzupassen.
Wer heute einen Parkplatz besitzt oder gemietet hat, kann sich auf den Bestandesschutz verlassen. Einmal bewilligte Parkplätze bleiben bestehen – ausser eine Liegenschaft wird grundlegend umgebaut oder ihre Nutzung ändert sich wesentlich. Niemandem wird der Parkplatz einfach weggenommen.
Warum brauchen wir die Revision dann überhaupt? Die aktuelle Verordnung entstand, bevor es die Glattalbahn gab. Heute ist die Airport City mit Bus und Bahn hervorragend erreichbar – das aktuelle Regelwerk bildet diese Realität schlicht nicht ab. Es ist deshalb folgerichtig, bei Neubauten die Parkplatzzahlen dort zu begrenzen, wo der öffentliche Verkehr bereits zuverlässig funktioniert.
Das Ziel ist ein entlastetes Strassennetz. Opfikon wächst – und ohne Anpassungen wächst der Stau mit. Klar ist aber auch: Nicht alle können auf das Auto verzichten – wer im Schichtbetrieb arbeitet, mobil eingeschränkt ist oder aus einer schlecht erschlossenen Gemeinde pendelt, braucht weiterhin Alternativen. Das Reglement berücksichtigt dies, indem es nur dort einschränkt, wo der ÖV die Hauptlast tragen kann.
Dazu kommt ein oft übersehenes Argument: Was einmal gebaut ist, bleibt Jahrzehnte bestehen. Ein Parkplatz, der heute unnötig entsteht, belegt morgen wertvollen Raum. Deshalb ist es entscheidend, bei Neubauten von Anfang an richtig zu planen – nachträgliche Korrekturen sind teuer und aufwendig.
Ein letzter Blick auf das grosse Bild: Jeder Parkplatz, der nicht gebaut wird, ist Fläche, die für Grünraum, Velowege oder schlicht mehr Lebensqualität genutzt werden kann. Weniger Beton bedeutet weniger Hitze, weniger Versiegelung – und weniger Autos, die einen Stellplatz suchen, bedeutet weniger Stau. Im benachbarten Glattpark gelten bereits strengere Vorgaben – dort sind beispielsweise für 198 Wohnungen nur 101 Parkplätze vorgeschrieben, während es in der Airport City künftig 119 bis 158 sein sollen. Das neue Reglement ist also kein Rückschritt, sondern ein ausgewogener Mittelweg: weniger Asphalt, freiere Strassen, mehr Platz zum Leben.
David Sichau, Gemeinderat Opfikon
Plakate sind irreführend
Abstimmung vom 10. Mai 2026 über die Parkplatzverordnung Airport City
Ich habe die Plakate der linken Parteien zur Parkplatzverordnung gesehen – und muss klar sagen: Diese Darstellung ist irreführend. Der Slogan «Kein Stau in Opfikon» ist in diesem Zusammenhang schlicht irreführend. Und ehrlich gesagt: Es wirkt schon fast absurd, wenn ausgerechnet die SP plötzlich so tut, als wäre ihr ein flüssiger Strassenverkehr ein zentrales Anliegen.
Stau entsteht nicht wegen Parkplätzen, sondern wegen fehlender Infrastruktur bei einer stetig wachsenden Bevölkerung. Ohne entsprechenden Ausbau wird es so oder so zu mehr Verkehr kommen. Ebenso unverständlich ist die Forderung, bei Wohnungen praktisch einen Parkplatz für zwei Haushalte festzuschreiben. Das ist realitätsfremd und für viele Familien schlicht nicht praktikabel.
Auch das zweite Plakat zur angeblichen «Parkplatzfläche» verzerrt die Realität:
In Opfikon gibt es kaum mehr oberirdischen Platz für zusätzliche Parkflächen. Die Zukunft liegt klar im unterirdischen Bau – alles andere ist gar nicht mehr realistisch.
Gleichzeitig wird oft ignoriert: Dank der sehr guten ÖV-Anbindung in Opfikon nutzen viele Menschen das Auto gar nicht täglich, sondern nur dann, wenn es wirklich gebraucht wird. Genau dafür braucht es aber eine vernünftige und ausreichende Parkplatzlösung.
Was in der ganzen Diskussion ebenfalls komplett ausgeblendet wird: Mit solchen Einschränkungen werden insbesondere Handwerker, die auf ihr Servicefahrzeug angewiesen sind, sowie Personen im Schichtbetrieb faktisch aus Opfikon ausgeschlossen. Diese Menschen sind auf flexible Mobilität angewiesen und können weder auf fixe Zeiten noch ausschliesslich auf den ÖV ausweichen.
Deshalb: Nein zur neuen Parkplatzverordnung – behalten wir die bestehende, bewährte Parkplatzverordnung für das gesamte Stadtgebiet.
Urban Husi, Gemeinderat und Sektionspräsident SVP Opfikon, Glattbrugg und Glattpark
LESERBRIEFE
In der Rubrik «Echo» werden so viele Leserbriefe wie möglich abgedruckt. Die Auswahl erfolgt unabhängig der politischen Haltung des Leserbriefschreibers.Reicht der Platz nicht für alle Zuschriften, gelten folgende Kriterien:
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• Zuschriften sollen eine Person als Absender haben und keine Organisation.
• Möglich ist, dass neben dem Namen des Autors auch seine Funktion in Politik oder Wirtschaft genannt wird.
• Die letzten Zuschriften erscheinen in der vorletzten Print-Ausgabe vor dem Abstimmungssonntag, online bis am Donnerstag davor. Dies ermöglicht es, allfällige Fehler noch vor dem Urnengang zu korrigieren.
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