Neue Nistkästen hoch über Opfikon
Im Chappeleturm in Opfikon sind zehn Nistkästen für Mauersegler montiert worden. Seit 1997 bringt dort ein lokaler Naturschutzverein Nistkästen für zusätzliche Brutplätze an. Weil moderne Bauten immer weniger natürliche Nischen bieten, sind solche Nisthilfen wichtiger denn je.
Ganz oben im Chappeleturm im alten Dorfkern von Opfikon ist es still. Keine «Srieh-srieh»-Rufe sind zu hören, nur das gleichmässige Surren eines Akkuschraubers. Zwischen den Holzbalken stehen Lena Escher, Dominik Escher und Ueli Kräutli vom Naturschutzverein Mittleres Glattal (NVMG). Konzentriert montieren sie zusätzliche Nistkästen. Vorbereitet wird jetzt, denn die Mauersegler sind noch nicht da. Doch pünktlich im Mai kehren sie aus Afrika zurück, um hier zu brüten.
Seit 1997 werden am Chappeleturm gezielt Nistkästen angebracht. Damals war es der Natur- und Vogelschutzverein Opfikon, der die ersten Kästen installierte. Heute führt der NVMG – hervorgegangen aus dem Zusammenschluss der Vereine aus Opfikon und Wallisellen – das Projekt weiter. Die zehn neuen Nistkästen wurden im Rahmen eines Naturschutzprojekts zum 10‑Jahr-Jubiläum des Vereins montiert. Was als einzelne Massnahme begann, ist über die Jahre zu einem festen Bestandteil der lokalen Artenförderung geworden. Die künstlichen Hohlräume werden rege genutzt: In der vergangenen Saison sind 35 Jungvögel geschlüpft und erfolgreich ausgeflogen.
Erbeuten täglich tausende Insekten
«Ich mache das jetzt seit mehr als zehn Jahren», sagt Ueli Kräutli. «Es ist eine ehrenvolle und schöne Arbeit.» Entscheidend sei, dass die Kästen hoch genug angebracht würden und einen freien Anflug ermöglichten. «Die Segler brauchen Höhe. Vom Boden aus können sie kaum starten.»
Kaum ein Vogel ist so stark an das Leben in der Luft angepasst wie der Mauersegler. Mit seinen langen, sichelförmigen Flügeln verbringt er fast sein gesamtes Leben im Flug. Seine Nahrung fängt er ausschliesslich in der Luft und erbeutet dabei täglich mehrere tausend Insekten. Selbst zum Schlafen steigen Mauersegler nachts in grosse Höhen auf.
Bis zu zehn Monate im Jahr verbringen sie nahezu ununterbrochen in der Luft und legen dabei Tausende Kilometer zurück. Mauersegler können über 20 Jahre alt werden und bleiben ihrem Brutplatz oft viele Jahre treu. Die Brutzeit in der Schweiz ist kurz: Meist legt das Weibchen zwei bis drei Eier, nach rund 20 Tagen schlüpfen die Jungen, etwa sechs Wochen später sind sie flügge. In der Schweiz brüten schätzungsweise 40 000 bis 60 000 Paare. Der Bestand gilt als häufig, wird jedoch als potenziell gefährdet eingestuft, denn geeignete Brutplätze werden zunehmend rar.
Warum Nistkästen notwendig sind
Ursprünglich nutzten Mauersegler Felsnischen oder Baumhöhlen als Brutplätze. Als Kulturfolger wich die Art später auf Gebäude aus. Spalten unter Dachziegeln oder Hohlräume in Mauern boten ideale Nischen – besonders an älteren Häusern waren solche Plätze häufig. Mit energetischen Sanierungen, Dämmungen und moderner Bauweise verschwinden diese Öffnungen jedoch zunehmend. Fassaden werden geschlossen, Ritzen versiegelt und Dachuntersichten dicht gebaut. Nistkästen ersetzen diese verlorenen Hohlräume, sichern bestehende Kolonien und bieten jungen Vögeln neue Brutplätze. Deshalb gehört der Mauersegler in der Schweiz zu den Arten, für die gezielt Schutzmassnahmen umgesetzt werden.
Ein Turm mit Geschichte
Der Chappeleturm ist ein Wahrzeichen von Opfikon und steht als Baudenkmal unter Schutz. Ursprünglich war er – wie der Name vermuten lässt – Teil einer Kapelle aus dem 13. oder 14. Jahrhundert. Beim Dorfbrand von 1764 wurde die Kirche zerstört. Der Turm selbst wurde mehrfach von Blitzen getroffen und immer wieder instand gestellt. 1968 erfolgte eine umfassende Renovation. Die Arbeiten im Turm sind abgeschlossen: Zehn neue Nistkästen wurden montiert. Noch bleiben die Nischen leer. Doch im Mai kehren die Mauersegler aus Afrika zurück und werden die vorbereiteten Kästen hoch über dem Dorfkern gezielt anfliegen.