Nach den Ferien fünf Klassen weniger
Im Frühling wurde bekannt, dass die Schule Opfikon per August drei Kindergärten und fünf Primarschulklassen weniger führen darf. Der Grund: weniger Kinder als prognostiziert.
Es war dicke Post, die den Eltern künftiger und aktueller Opfiker Schulkinder Anfang März ins Haus flatterte: «Das Volksschulamt des Kantons Zürich hat die Schule Opfikon angewiesen, in Zukunft mit weniger Ressourcen zu planen», schrieb Schulpräsident Reto Bolliger namens der Schulpflege. «Für die Primarschule bedeutet dies eine deutliche Kürzung der Mittel.» Und die Schule habe bereits reagiert, heisst es weiter in einer Medienmitteilung der Schule. Im Februar habe sie eine Dreijahresstrategie beschlossen mit dem Ziel, die kantonalen Vorgaben umzusetzen und gleichzeitig die Qualität der Opfiker Schule zu sichern.
Nicht betroffen ist die Sekundarschule. Dort verlasse Ende des laufenden Schuljahres ein eher kleiner 3.-Sek-Jahrgang die Schule, und für den künftigen 1.-Sek-Jahrgang würden nicht mehr Klassen benötigt.
Mehr Assistenzen, gleich viel IF
Fürs kommende Schuljahr 2026/27 bedeutet dies, dass drei Kindergärten und fünf Primarklassen in den Schulhäusern Oberhausen und Glattpark geschlossen und umgekehrt drei Klassen neu eröffnet oder vergrössert werden: Im Lättenwiesen gibt es eine neue Primarklasse, im neuen Bubenholz deren zwei. Insgesamt wird es in Opfikon ab August 21 statt 24 Kindergärten geben sowie 68 statt 70 Primarschulklassen. Als Ausgleich für die grösseren Klassen wird die Klassenassistenz erhöht – «ohne Mehrkosten», wie Bolliger schreibt. Die Integrative Förderung (IF) bleibe im bisherigen Umfang bestehen.
Die Verantwortlichen der Schule Opfikon hätten dem Volksschulamt im Januar selber mitgeteilt, dass die bisherigen Annahmen zu grosszügig waren, hiess es dort auf Anfrage des «Stadt-Anzeigers». «Das Volksschulamt stützt sich auf die Angaben der Schule. Ob die Prognosen realistisch sind oder nicht, wird dabei nicht überprüft.» Auch in anderen Gemeinden gäbe es falsche Prognosen. Für Opfikon habe man eine vertretbare Lösung.
Konkret bewilligte das Volksschulamt der Schule Opfikon aufgrund sinkender Schülerzahlen weniger Vollzeiteinheiten (VZE, siehe Box), welche man im Prinzip mit Vollzeitklassenlehrpersonen übersetzen kann. Damit plant die Schule dann von Dezember bis etwa Februar die Schulklassen des nächsten Schuljahres.
Gemeinderäte stellen Fragen
Der unerwartete Abbau von Schulklassen hat nicht nur Lehrpersonen, Schülerinnen, Schüler und Eltern der betroffenen Schulhäuser Oberhausen und Glattpark verunsichert, sondern auch die Politik. So wollte etwa SVP-Gemeinderat Urban Husi mit einer Anfrage sowie seine Ratskollegen Seline Signer und Dario Petrovic von der FDP mit einer Interpellation vom Stadtrat wissen, wie es dazu kommen konnte. Dieselben Fragen hatte der «Stadt-Anzeiger» im Frühling neben dem Volksschulamt auch dem Schulpräsidenten gestellt; dieser wollte aber «Doppelspurigkeiten» mit den politischen Vorstössen vermeiden und hielt sich mit dem Beantworten zurück.
In seiner Antwort auf die Fragen aus dem Parlament schreibt der Stadtrat nun, die erwähnte Dreijahresstrategie basiere auf den bestehenden Vorgaben des Volksschulamtes; dieses legt unter anderem die maximale Klassengrösse bei 25 Kindern fest (wobei Opfikon nach wie vor deutlich darunterliege) und bestimmt, wie der zusätzliche kantonale Stellenpool verwendet werden darf, der «ausdrücklich nicht zur generellen Senkung der Klassengrössen oder zur dauerhaften Erweiterung von Ressourcen vorgesehen ist».
Tatsächlich sinken die Schülerzahlen in einzelnen Jahrgängen im Kindergarten und in der Unterstufe. Das wiederum hat dazu geführt, dass der Kanton weniger Lehrerstellen bewilligte und von Opfikon einen Vorschlag zur entsprechenden Klassenbildung forderte.
Teilkündigungen für 100 Personen
«Eine Weiterführung der bisherigen Klassenzahlen mit gleichzeitiger Reduktion des Halbklassenunterrichts hätte zu einer Pensenreduktion bei der Mehrheit der Lehrpersonen geführt», so der Stadtrat. «Formal entspräche dies einer Teilkündigung, würde über 100 Lehrpersonen betreffen und wurde deshalb verworfen.» Zudem wäre ein Festhalten am bisherigen Konzept weder mit dem künftigen Schulraumbedarf noch mit der notwendigen flexiblen Klassenplanung vereinbar. Das Gesamtschulkonzept Oberhausen – vom Kindergarten bis zum Ende der Sekundarstufe in derselben Schule – wollte man aus pädagogischen Gründen jedoch beibehalten. Auch wenn das altersdurchmischte Lernen in den neuen Schulhäusern Glattpark und Bubenholz abgeschafft würde, käme dies einer grundsätzlichen pädagogischen Neuausrichtung gleich und wäre innerhalb der geforderten Frist nicht umsetzbar gewesen. Zudem haben die dort angestellten Lehrpersonen diese Art von Unterricht gesucht.
Nicht die erhoffte Sparübung
Der Rückgang der Schülerzahlen beschränkt sich derzeit auf den Kindergarten und die Unterstufe. Die Oberstufe hingegen braucht mittelfristig sogar zusätzlichen Platz, ebenso das Bubenholz mit den zwei zusätzliche Mittelstufenklassen.
Weniger Klassen bedeutet aber auch mehr leere Schulzimmer – ein alter Kritikpunkt der SVP. Die Zimmer würden im Fall Oberhausen aber von der ebenfalls dort beheimateten Oberstufe übernommen, so der Stadtrat weiter. Die übrigen Räume im Glattpark würden voraussichtlich für Halbklassenunterricht genutzt, im Lättenwiesen für Rochaden während Renovationen und als Reserve für künftiges Wachstum.
Ein kurz- oder mittelfristiger Spareffekt, wie die beiden FDP-Ratsmitglieder vermuten, sei damit aber nicht verbunden, betont der Stadtrat; es sei vielmehr eine Verlagerung – etwa weniger Lehrpersonen, dafür mehr (und günstigere) Klassenassistenzen – von der Mittel- in die Oberstufe und von weniger belegten Schulhäusern in jene in wachsenden Quartieren.
So werden die Stellen der Schule berechnet und geplant
Die Zürcher Gemeinden sind nicht ganz frei in der Ausgestaltung ihrer Schulen: Der Kanton weist ihnen sogenannte Vollzeiteinheiten (VZE) zu. Diese werden nach einer Formel berechnet, in der die Schülerzahlen zentral sind – je mehr Schülerinnen und Schüler eine Gemeinde hat, desto mehr VZE erhält sie.
Die soziale Belastung einer Gemeinde – in Opfikon etwa der hohe Anteil fremdsprachiger Kinder – wiederum wird mit dem Sozialindex beschrieben. Dieser liegt zwischen 100 (niedrigste Belastung) und 120. Das bedeutet, dass eine Gemeinde mit Sozialindex 120 bei gleicher Schülerzahl 20% mehr VZE erhält als eine Gemeinde mit Sozialindex 100. Opfikon liegt bei überdurchschnittlichen 116,5.
Aufgrund der VZE bildet die Gemeinde die Klassen mit den notwendigen Ressourcen. Dabei beachtet sie die gesetzlichen Rahmenbedingungen, etwa die Klassengrösse. Die Gemeinde verfügt aber zusätzlich über einen Gestaltungspool. Die VZE aus diesem Topf können ebenfalls für die Klassenbildung eingesetzt werden, sind aber auch anderweitig einsetzbar.
Prognostiziert eine Gemeinde einen Zuwachs bei den Schülerinnen und Schülern fürs kommende Schuljahr, werden ihr die damit zusätzlich benötigten Ressourcen als «Kredit» gewährt. Im umgekehrten Fall muss die Gemeinde den Kredit wieder zurückgeben – wie das nun in Opfikon der Fall ist.
Auch der Kanton verfügt über einen Stellenpool. Daraus kann er Gemeinden mit zusätzlichen Ressourcen unterstützen, falls die Klassenbildung nicht aufgehen sollte.
Die Stellenplanung muss dem Volksschulamt gemeldet werden. Dieses kontrolliert die Angaben und bewilligt bei Bedarf die zusätzlichen VZE aus dem kantonalen Stellenpool.