Kloten trotz Dämpfer im Aufwind

Richard Stoffel

Aus der Krise in einen Erfolgslauf – der am Dienstag gestoppt wurde. Nach drei Liga-Siegen in Serie und vier Heimerfolgen hintereinander wurde der EHC Kloten am Dienstag bei der 2:3-Heimniederlage gegen den SC Bern gebremst.

Kloten fiel dadurch auf den 12. Rang zurück, liegt aber nur einen Punkt hinter dem SCB, der als Zehnter vor den letzten 15 Qualifikationsspielen den letzten Play-in-Platz belegt. Trotz dieser Niederlage befindet sich der EHC Kloten seit der zweiten Länderspiel-Pause von Mitte Dezember klar im Aufwind. Vier Siege aus den letzten sechs Spielen unterstreichen diese Tendenz.

Nachdem die Flughafenstädter vor rund einem Monat noch das formschwächste Team der Liga gewesen waren, durften sie sich bis vor der Niederlage gegen Bern gemeinsam mit Genf als Team der Stunde bezeichnen lassen. Dem 4:1-Erfolg gegen Leader und Spengler-Cup-Gewinner Davos folgte ein 2:1-Sieg nach Verlängerung in Zug. In diesen Partien überzeugte Kloten sowohl defensiv als auch offensiv. Im Tor glänzten Davide Fadani (gegen Davos) sowie Ludovic Waeber (in Zug), während gegen Davos zudem zwei Powerplay-Tore gelangen.

Importe mit Aufwärtstendenz

Beim Gamewinner in Überzahl zum 2:0 gegen Davos war Keanu Derungs nach einem Getümmel vor dem Davoser Tor am schnellsten zur Stelle. Für Derungs war es bereits das dritte Spiel in Folge, in dem er traf. Das 23-jährige Klotener Eigengewächs steht damit bei sechs Saisontoren und insgesamt 16 Punkten. Seinen persönlichen Qualifikationsbestwert aus der vorletzten Saison (13 Punkte) hatte Derungs bereits vor Weihnachten übertroffen. Eine klare Aufwärtstendenz ist auch bei den Imports festzustellen. Insgesamt produzierten Klotens Imports in der laufenden Saison bislang 107 Skorerpunkte  – alleine 28 davon jedoch in den letzten sechs Spielen. Rund ein Viertel der gesamten Importproduktion stammt somit aus der jüngsten Aufwindphase.

Der schussgewaltige schwedische Verteidiger Max Lindroth punktete dabei in den letzten sechs Spielen jeweils mindestens einmal. Beim 4:1 gegen Davos und beim 2:3 gegen Bern erzielte er seine Saisontore sieben und acht sowie bereits seine Überzahltreffer fünf und sechs. Lind­roth sagte dem «Klotener Anzeiger»: «Wir haben als Team zuletzt gut zusammen gespielt, gerade auch in den Spezialsituationen.» Persönliche Skorerpunkte seien für ihn jedoch zweitrangig: «Wenn ich selbst keinen Punkt produziere, das Team aber immer siegt, ist niemand glücklicher als ich selbst.»

Die Niederlage gegen Bern, einen direkten Konkurrenten im Kampf um ­einen Playin-Platz, war jedoch auch für Lindroth ein Dämpfer. «Aber sie verdienten sich den Sieg, denn sie waren besser.» Kloten habe im Startdrittel nicht das gewünschte Level erreicht und sei deshalb mit 0:1 in Rückstand geraten. «Wir haben im ersten Drittel ein wenig zu langsam gespielt. Das können wir sicher besser.»

Die Vorentscheidung fiel trotz Klotener Steigerung im Mitteldrittel, als Bern mit zwei weiteren Toren aus lediglich vier Torschüssen auf 3:0 davonzog. Ein kapitaler Schnitzer unterlief Klotens Abwehrleader Bernd Wolf beim 0:2, der als letzter Mann vor dem eigenen Tor die Scheibe verlor – und da auch Keeper Ludovic Waeber nichts mehr verhindern konnte. Dennoch richtet Lindroth den Blick nach vorne: «Wir haben keine Zeit, um traurig zu sein.»

Tyler Morley bereitete Lindroths 2:3-Anschlusstor gegen Bern vor und erzielte beim 4:1 gegen Davos das zwischenzeitliche 3:1. In Zug doppelte er mit dem 1:0 und seinem vierten Saisontor nach, ehe der Finne Robert Leino den Overtime-Siegtreffer erzielte. In dieser Partie zum Jahresauftakt meldete sich auch Morleys kanadischer Landsmann Brandon Gignac eindrücklich zurück. Nach seiner zweiten Verletzungspause (knapp einen Monat fehlte er) traf der Center gegen Davos direkt von der Spielerbank kommend zum 4:1. Gignac hat nach 15 Saisonspielen vier Tore und acht Assists auf dem Konto.

«Man musste einfach weiter viel schiessen», erklärte Gignac zum geplatzten Torknoten bei Kloten seit der zweiten Länderspiel-Pause von Mitte Dezember. Innerhalb des Teams sei die Stimmung gut. «Aber wir müssen stabil bleiben, egal ob wir gewinnen oder verlieren. Wir dürfen weder zu hoch fliegen noch zu tief fallen.» Das Rezept von Klotens Nummer-1-Center dazu ist ebenso simpel wie effektiv: «Weiterarbeiten.»

Profico mit neuer Leichtigkeit

Teamstütze Leandro Profico sagte gegenüber dem «Klotener Anzeiger»: «Zum Glück machen wir nun die Tore. Es war auch an der Zeit.» Vor allem spiele das Team defensiv deutlich besser, auch in den Special Teams. Zudem habe es die eine oder andere Partie gegeben, «in der der Puck einfach reinging und dann war das Selbstvertrauen wieder automatisch da».

Für Profico als Bündner war der Sieg zum Jahresauftakt gegen Davos besonders: «Denn ich habe viele Kollegen, die Davos-Fans sind.» Der 35-jährige Familienvater verlängerte seinen Vertrag unlängst um ein weiteres Jahr, womit sich eine mögliche Rückkehr zu seinem in der Swiss League spielenden Stammklub Chur verzögert. «Es war immer ein Abwägen», erklärte Profico. Dabei sei es auch darum gegangen, wie er sich körperlich fühle und wie wohl er sich in Kloten fühle. Aktuell passe es sehr gut.

Der erfahrene Verteidiger ist nur noch zwei Tore von seinem persönlichen Tor-Bestwert (sechs Tore in der Saison 2020/2021 für die Rapperswil-Jona Lakers) in einer Regular Season entfernt. In Klotens imponierender Vorsaison hatte Profico gar nie getroffen. «Ich versuche viel zu schiessen, offensiv etwas zu kreieren. Logischerweise hilft es auch, dass ich genügend Eiszeit erhalte und von sehr guten Mitspielern profitiere. Aber grundsätzlich habe ich nichts gross geändert. Der Puck fällt nun mehr rein.»

Im Vergleich zur letzten Saison habe sich das Team zurückkämpfen müssen. «Aber wir müssen uns nicht vergleichen. Wir müssen einfach schauen, dass wir gewinnen.»

Sidler kämpft um Platz in Kloten

Während bei Profico das Ende seiner Karriere langsam in Sichtweite ist, steht Dario Sidler erst noch in der Entwicklungsphase und pendelt zwischen Farmteam Thurgau und Kloten. Mit dem 1:3 gegen Bern erzielte Sidler sein erstes Tor in der National League seit drei Jahren, damals noch im Dress von Lausanne. «Mit meinem Spielerprofil würde man sich selbst schon wünschen, dass ein bisschen mehr rausschaut», sagte Sidler gegenüber dem «Klotener Anzeiger». Das Tor habe ihm jedoch gutgetan.

In der laufenden Saison hat Sidler in 18 Swiss-League-Spielen bereits drei Tore für Thurgau erzielt, wo er viel Lob für sein Engagement erhält. Für Kloten lief der Schwyzer in dieser Saison bislang erst neun Mal auf – auch, weil der Konkurrenzkampf unter den Verteidigern durch Neuzugänge wie Leandro Hausheer (derzeit verletzt) oder Noah Delémont grösser geworden ist.

«Als Hockeyspieler möchte man immer spielen. Und ich möchte immer für Kloten spielen. Aber wenn der Trainer entscheidet, dass ich hier nicht im Line-up bin, dann ist Thurgau sicher eine der besten Alternativen für mich», sagte Sidler. Dort habe er in einigen Spielen über 20 Minuten Eiszeit erhalten. «Mit der zunehmenden Spielpraxis geht alles ein bisschen einfacher.» Für den 22-Jährigen bleibt Thurgau dennoch ein Plan B – sein Ziel ist klar die Etablierung bei Kloten.

Dass Kloten gegen Bern im ersten Drittel nicht richtig ins Spiel fand, führte Sidler darauf zurück, dass der Gegner sehr gut vorbereitet war. «Sie waren sehr gut auf uns und unsere Laufwege eingestellt. Dennoch müssen wir darauf Lösungen finden.» Ein schnelleres Puckhandling, zwingendere Abschlüsse und mehr Präsenz vor dem Tor – so hätte die Partie vielleicht noch gedreht werden können. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

 

in Kürze

Körbler glänzte an WM

Der für Kloten beziehungsweise Thurgau stürmende Kimi Körbler (19) brillierte an der U20-WM in den USA und scheiterte mit der Schweiz erst in den Viertelfinals am späteren Silbermedaillengewinner Tschechien. Körbler glänzte beim 4:0-Sieg über Deutschland als Doppeltorschütze, womit er massgeblich zum Viertelfinal-Einzug beitrug.

Zwei Spieler verpflichtet

Der EHC Kloten hat für die kommende Saison zwei Spieler vom HC Lausanne verpflichtet. Es kommen Center Raphael Prassl (28) und Flügel Michael Hügli (30). Prassl wurde 2018 mit den ZSC Lions Schweizer Meister und führte beim Titelgewinn als Youngster die vierte Linie an der Seite seines langjährigen Weggefährten Marco Miranda (heute Genf). 2021 wechselte Prassl für drei Jahre zu Davos, ehe Lausanne lockte.

Hügli war eine offensive Schlüsselfigur bei den Rapperswil-Jona Lakers in deren Aufstiegssaison 2017/2018. Damals setzten sich die St. Galler als Swiss-League-Champion in der Ligaqualifikation gegen den späteren National-League-Absteiger Kloten durch. Das entscheidende Tor im siebten Spiel der Serie fiel in der Verlängerung durch Jan Mosimann nach Zuspiel von Hügli. Der bei Zug ausgebildete Hügli spielte in der National League dann aber nicht mehr für die Lakers, sondern für Biel, ehe er seit 2022 für Lausanne stürmt. Klotens Sportchef Ricardo Schödler erhofft sich durch Hügli mehr Variabilität und lobt dessen Spielverständnis sowie Arbeitsethik. Laut Schödler sind weder Prassl noch Hügli als Ersatz für Stürmer Axel Simic vorgesehen, der auf die kommende Saison hin den umgekehrten Weg von Kloten nach Lausanne geht. «Als Simic-Ersatz wird ein Import verpflichtet», sagte Schödler in einer Online-Fragerunde für die Fans.

Derby am Sonntag

Am Samstag empfängt Kloten zu Hause Genève-Servette, ehe einen Tag später das Derby beim Titelhalter ZSC Lions folgt, der zuletzt fünf Mal in Folge vor eigenem Publikum siegreich war.

Hausheer ist verletzt

Verteidiger Leandro Hausheer fällt mit einer Oberkörperverletzung noch rund einen Monat aus.

Gwunderbrunnen

09.01.2026 - 19:30
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