Kloten startet in die Zukunft

Richard Stoffel

Während Davos und Fribourg-Gottéron heute Donnerstag in einer Belle noch um den Titel spielen und ab Mitte Mai die Heim-WM ansteht,läuft beim EHC Kloten der Neuaufbau längst. Dario Meyer hofft weiter auf die WM und intern wächst die Zuversicht.

Es gibt Schweiss, Tests, neue Gesichter und grosse Hoffnungen. Athletikcoach Felix Stutz führt einmal mehr das Sommertraining, das vor zweieinhalb Wochen startete. Beim Besuch des «Klotener Anzeigers» im Sportort in Wallisellen arbeiteten 14 Akteure, also die Hälfte des Kaders des EHC Kloten, an Mobilität, Kraft, Ausdauer und weiteren physischen Grundlagen. Zu einem späteren Zeitpunkt werden die Imports sowie voraussichtliche WM-Teilnehmer mit Schweizer Lizenzen dazustossen, etwa Goalie Davide Fadani (Italien) und Verteidiger Bernd Wolf (Österreich).

Ebenso fehlen derzeit noch die Lausanner Neuverpflichtungen Michael Hügli und Raphael Prassl, deren Saison erst mit dem Playoff-Viertelfinal und damit einige Wochen nach jener des EHC Kloten endete. Und last but not least der neue Goalie Reto Berra (39), der mit Fribourg-Got­téron aktuell im Playoff-Final gegen Davos seinen Status als bester Schlussmann der Liga zementiert. Am Dienstag wurde Berra nach dem 2:1-Heimsieg nach Verlängerung von Gottéron gegen Davos von den Gottéron-Fans in seinem letzten Heimspiel für die Romands noch frenetisch verabschiedet.

Daumendrücken für Dario Meyer

Und schliesslich drückt man bei Kloten auch Teamleader Dario Meyer ganz fest die Daumen. Trotz seiner erneut starken Saison gilt der Stürmer im Schweizer Nationalteam natürlich als krasser Aussenseiter im Kampf um einen Platz im finalen Aufgebot für die Heim-WM. Klotens Topskorer hat die ersten zwei Cuts bereits überstanden. Meyer befindet sich nun in der dritten WM-Vorbereitungswoche mit den von Jan Cadieux gecoachten Schweizern.

Zurück zum Alltag in Kloten. «Zum Trainingsauftakt ging es vor allem ums Testing. Und darum, wo die individuellen Baustellen sind», betont Athletikcoach Stutz. Ein wichtiges Mosaiksteinchen im Aufbauprozess bildet dabei auch die ehemalige Profi-Kunstturnerin Caterina Barloggio, die beim Besuch des «Klotener Anzeigers» eine zweistündige Session in ­Sachen Mobilität und Beweglichkeit mit den Klotener Cracks durchführte.

«Bei Eishockeyspielern ist die Hüftmobilität zentral», sagt Barloggio. Individuelle Defizite in der Physis werden möglichst gezielt und ganzheitlich bearbeitet. Die Devise ist klar: «Alles rausholen, was möglich ist. Sei es im Speed-, Kraft- oder Beweglichkeitsbereich.»

Zuerst Kraft, dann Vielseitigkeit

Ansonsten liegt der Fokus im ersten Teil des Saisonaufbaus noch auf Kraft, ehe laut Stutz im Verlauf des Sommers vermehrt an der Explosivität gearbeitet wird. Alternativtraining in der Wochenplanung sind wie in den Vorjahren unter anderem Fussballspielen (jeweils freitags) oder eine Yoga-Session am Mittwoch, angeleitet von einer Lehrerin.

Höhepunkt des ersten Aufbauteils wird Anfang Juni wieder das einwöchige Trainingslager auf Mallorca sein, wo unter anderem auch Beachvolleyball oder Padel gespielt wird. Ebenso wird auf der Baleareninsel an Sprüngen und anderen Ganzkörper-Sessions gearbeitet.

Das Eistraining wird diesmal nicht mehr wie in den Vorjahren in Dübendorf stattfinden, sondern ab dem 18. Mai daheim in Kloten durchgeführt werden können, wo es nun erstmals «Sommereis» geben wird. Die Imports werden Ende Mai zu den Tests erwartet und trainieren aktuell individuell.

Mit den neuen Trainer-Assistenten läuft die Kommunikation noch nicht vor Ort. Dies wird sich mit dem Eistraining ändern.

Neue Rollen nach «Chällis» Rücktritt

Die vielen kleineren Verletzungen lassen sich in dieser Hochgeschwindigkeits-Sportart Eishockey kaum vermeiden. Also müsse vor allem auch darauf geachtet werden, dass diese Blessuren möglichst verheilen und man als Spieler mit einem «frischen Gestell» in die neue Saison starte. Dass Klotens Spieler-Legende Steve Kellenberger nun nicht mehr dabei ist, betrachtet Stutz auch als Chance. «Es gibt dadurch Raum für andere Spieler, in eine neue Rolle hineinzuwachsen. Sie dürfen, können oder müssen dies.»

Mischa Ramel spürt schon früh, wohin die Reise geht: «Es waren viele Tests zu Beginn. Jetzt ist es schon streng. Und wir haben im Vergleich zu den Vorjahren vielleicht noch etwas präzisere Tests gemacht.» Letztes Jahr war Ramel zur gleichen Zeit in der WM-Vorbereitung des Schweizer Nationalteams noch dabei, er schied damals erst am vorletzten Cut und damit als letzter Klotener aus. Nun befindet sich Ramels Teamkollege Dario Meyer nach den ersten zwei Cuts noch im Nati-Aufgebot. «Jeder mag es Dario gönnen und hofft, dass er so lange wie möglich dabei bleibt und möglichst an die WM gehen kann. Klar ist es schön, in der Nati sein zu können. Für mich gilt aber: Ich habe nach der letzten Saison einiges zu verbessern. Daran arbeite ich hart. Und dafür ist der Sommer auch da.»

«Riesenverstärkungen für uns»

Zum zweiten Thema bezüglich Patrick Fischer sagt Ramel: «Ich fokussiere mich ganz aufs Sommertraining und will mich dazu nicht äussern. Das ist nicht unser Thema in Kloten.» Ramel ist überzeugt, dass sich Kloten im Rahmen seiner Möglichkeiten optimal verstärkt hat. Mit Verteidiger Simon Johansson kommt ein Mann, der eine ähnlich hohe Produktivität wie Abwehrkollege Max Lindroth erreichen kann. Und im Sturm sollte Rückkehrer Arttu Ruotsalainen als Center zusammen mit einem gesund bleibenden Brandon Gignac die Torproduktion gegenüber der Vorsaison ebenso ankurbeln können.

Hinzu kommen die Schweizer Neuzugänge Hügli und Prassl sowie vor allem der Königstransfer Reto Berra. Der Schweizer Nationalgoalie hat massgeblichen Anteil daran, dass Fribourg-Gottéron heute Donnerstag in Davos im Entscheidungsspiel des Playoff-Finals (best of 7) den ersten Meistertitel seiner Vereinsgeschichte holen kann. Für den Keeper mit NHL-Vergangenheit wäre es der zweite Schweizer Meistertitel nach 2009 mit Davos.

«Das sind alles Riesenverstärkungen für uns. Und wir wollen uns klar verbessern gegenüber der Vorsaison», bestätigt Ramel. Sie könnten es kaum erwarten, dass die Saison losgehe. Und Ramel selbst ist heiss, seine durchzogene letzte Saison vergessen zu machen und an seine Produktivität der vorletzten Saison anzuknüpfen.

Stechen diese Trümpfe, könnte Kloten ähnlich überraschen wie in der vorletzten Saison (7. Rang und Viertelfinal-Vorstoss über das Play-in).

Steiner setzt auf Anpassung

Der stämmige Verteidiger-Veteran Nicholas Steiner war vor einem Jahr noch nach einem Kreuzbandriss in die Saisonvorbereitung gestartet. «Das Knie geht anders mit Belastungen um. Da lerne ich immer dazu. Wichtig ist für mich, dass wir im Austausch mit den Coaches sind. Dass wir adaptieren können. Das ist für mich der zentrale Aspekt.» Auch Steiner sagt, dass er zum Thema Patrick Fischer nichts sagen möchte. Im Team sei es nur kurz ein Thema gewesen.

Ein anderes Klotener Eigengewächs, Stürmer Cyril Keller, steht im Gegensatz zu Steiner erst am Anfang seiner Karriere. Noch trainiere man in der Vorbereitung nicht ganz mit maximaler Intensität. «Alle haben Spass», lautet seine Einschätzung. Für Keller ist es nun das Ziel, einen weiteren Schritt vom Partnerteam Thurgau in Richtung National-League-Team des EHC Kloten zu machen. «Noch mehr Vertrauen und noch mehr Spiele bei Kloten.» Das will er sich erarbeiten. In der abgelaufenen Saison bestritt der Schweizer U20-Nationalstürmer 24 Spiele für das U21-Elit-Team von Kloten mit ebenso vielen Skorerpunkten (6 Tore), acht Spiele für das National-League-Team (ohne Punkt) und 23 Spiele in der Swiss League für Thurgau (2 Assists).

Viele Inputs und Rücksprachen hält der 19-Jährige auch mit Verteidiger Dario Sidler, der in der abgelaufenen Saison oft zwischen Thurgau und Kloten hin- und her pendelte. «Wenn ich in Thurgau trainierte, bin ich viel mit ihm im Auto unterwegs gewesen. Ich denke, die Eiszeit bei Thurgau hilft uns beiden in der Entwicklung. Mehr Eiszeit bringt einfach auch mehr Selbstvertrauen.»

Vertraut mit Marcel Jenni

Vom neuen Trainer-Stab hinter Headcoach Lauri Marjamäki (als Goalie- und Videocoach kommt Markus Korhonen, Marcel Jenni und Juhamatti Yli-Junnila sind die neuen Assistenzcoaches) ist Keller vor allem mit dem früheren Klotener und langjährigen Nationalstürmer Marcel Jenni vertraut. «Ich kenne ihn als Coach der U-Nationalteams, in denen ich spielte. Jenni hatte da eine gute Beziehung mit den Spielern, ein nahes Verhältnis. Er schaut immer, dass es dir als Spieler gut geht. Aber er ist auch ehrgeizig und will das Beste aus jedem Spieler herausholen.»