Kirchenfusion: Walliseller Gremien sind skeptisch
Die Entscheidung, ob die reformierten Kirchgemeinden fusionieren sollen, naht. Dabei gibt es durchaus Kritik, wie die Stellungnahmen beteiligter Gremien zeigen.
«Es gibt eigentlich nichts Neues», sagte Peter Gysel eingangs des Info-Abends im Opfiker Kirchgemeindehaus. Der Berater, welcher den Entscheidungsprozess seit Monaten begleitet, erklärte vergangenen Donnerstag den knapp 30 Anwesenden noch einmal die wesentlichen Punkte der Fusion der Walliseller, der Opfiker und der Klotener Kirchgemeinde zur neuen «Kirche an der Glatt»: Die Kirche bleibe im Ort verankert, berücksichtige lokale Besonderheiten und baue ihr Angebot wo nötig und erwünscht aus – auch mit dem Ziel, wieder mehr Menschen für die Kirche zu gewinnen. «Denn es sind nicht primär Austritte, sondern Zuziehende, die sich nicht als reformiert zu erkennen geben», weiss Peter Reinhard, Kirchenpflegepräsident in Kloten. Seiner Gemeinde gelingt es, mit einem attraktiven Angebot beim Kirchgemeindehaus an Spitzentagen 100 bis 150 Menschen zu versammeln. Diese kämen zwar nicht alle in die Kirche, aber: «Jesus gab auch allen, die dort waren.»
In den anderen Kirchen solle das Angebot ebenfalls ausgebaut werden, aber nicht überall identisch sein, vielmehr partizipativ und bedürfnisgerecht. Die Fusion sei keine Sparübung, betonte Reinhard. Es gehe vielmehr die Zukunft: «Was ist in zehn Jahren? Wollen wir einfach Steuern kassieren oder der Gesellschaft etwas Wertvolles bieten?» Reinhard nannte das kürzliche Opfiker Kirchenkonzert mit zwei Flügeln und 120 Leuten im Publikum oder thematische Veranstaltungen wie ein «James Bond»- oder ein «Star-Wars»-Gottesdienst», welche neue Kreise ansprechen könnten.
Zusätzliche Stellen schrecken ab
So erklärt sich auch das Stellenwachstum um knapp 12 Vollzeitstellen bis 2032. 4 zusätzliche Stellen soll es in der Diakonie (Dienst am Nächsten) geben. Bei Gottesdiensten, Musik und Kultur sollen 0,7 Stellen hinzukommen, beim Unterricht 2,5 Stellen, bei den Liegenschaften 1,8, in der Verwaltung 0,9 und in der Führung 1,8 Stellen. Das Personal der drei Kirchgemeinden zusammen würde damit von rund 20,5 auf 32,2 Vollzeitstellen anwachsen.
Ein grösserer Bestand hätte etwa den Vorteil, Vakanzen schneller überbrücken oder auch eine Pfarrstelle behalten zu können. Und weil es immer schwieriger werde, Freiwillige für ein Amt zu finden, wäre dort eine Entlastung durch einen Gemeindeschreiber oder eine Gemeindeschreiberin willkommen, betonte Esther Kissling, Kirchenpflegepräsidentin von Wallisellen, mit Blick auf ihre Opfiker Kollegin: «Brigitta Steinemann organisiert die Seniorenferien nicht nur, sie geht auch mit – ein grosser Aufwand neben all den anderen Aufgaben.»
In der Kirchgemeindeverwaltung würden die Anforderungen stetig steigen: Bewirtschaftung der Liegenschaften, wachsende Anforderungen an Datenschutz und -sicherheit. Gemeinsam aber könne man für Profis eine attraktive Arbeitgeberin sein, zumal Teilzeitstellen immer weniger gefragt seien, so Esther Kissling.
Spar- oder vielmehr Verdienstpotenzial sehen die Verantwortlichen bei den Räumen, die man intensiver nutzen oder auch vermieten könnte, wie das Wallisellen mit Alterswohnungen im Kirchgemeindehaus macht.
Kritik vor allem aus Wallisellen
In der aufliegenden Abstimmungsbroschüre werden neben den Details und dem eigentlichen Zusammenschlussvertrag, über den am 14. Juni abgestimmt wird, auch die Empfehlungen aus allen drei Kirchgemeinden ersichtlich. Bis auf die Kirchenpflege sind dabei alle Walliseller Gremien gegen eine Fusion. Die Details dazu sind im Internet (siehe Link) zu lesen. Der Pfarrkonvent befürworte eine Fusion dort, wo sie als Antwort auf finanzielle oder strukturelle Herausforderungen zwingend erforderlich sei. Der Zeitpunkt dafür sei aber eher ungünstig. «Wir befinden uns in einer Phase des Umbruchs: Die allgemeine Weltlage und die ungewisse Zukunft der Kirche sorgen für eine spürbare Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung und der Mitarbeiterschaft», schreiben die Pfarrleute. Die Kirchgemeinde Wallisellen sei derzeit finanziell stabil, uneingeschränkt handlungsfähig und gut vernetzt. Eine voreilige Fusion könne die wertvolle Nähe zur Bevölkerung gefährden und zu einem fortschreitenden Identitätsverlust gegenüber der Kirche führen. «Wir sind besorgt, dass in einer fusionierten Gemeinde die Bedürfnisse der Walliseller Kirchenmitglieder nicht genug beachtet würden und über ihren Köpfen zu ihrer Ungunst entschieden würde.»
Auch die Mitarbeitenden in Wallisellen stehen einer Fusion skeptisch gegenüber: Der Angebotsausbau könnte auch ohne Fusion erreicht werden; der Aufwand, die Kirche im Dorf zu behalten, wäre mit drei Standorten grösser. Und die Rechnungsprüfungskommission sieht aus finanzpolitischer Sicht keinen zwingenden Handlungsbedarf, da die Kirchgemeinde heute dank der Alterswohnungen weniger von Steuereinnahmen abhängig sei und der Steuerfuss bei einer Fusion um 1 Prozent angehoben würde.
Der Klotener Pfarrkonvent hatte sich schon an einer früheren Veranstaltung kritisch geäussert. In der schriftlichen Stellungnahme, die ebenfalls online zu lesen ist, bezeichnet er den Anschub des kirchlichen Lebens mittels mehr Stellen innert weniger Jahre als unrealistisch oder zumindest nicht nachhaltig. «Wir können nicht nachvollziehen, warum die KG Kloten bereit ist, hierfür ein solches Mass an Ressourcen beizusteuern, für die sie – angesichts der gegenwärtigen Situation – kaum einen Gewinn bekommt.»
Die Klotener RPK und die Angestellten sprachen sich hingegen für die Fusion aus; in Opfikon sind alle drei – Pfarrkonvent, Gemeindekonvent und die ansonsten sehr kritische RPK – dieser Meinung.
Informationen: https://www.ref-anderglatt.ch
Bilden Sie sich Ihre Meinung
Die Kirchenpflegen beantragen die Fusion der drei Kirchgemeinden zur «Kirche An der Glatt». Über den Vertrag wird am 14. Juni 2026 abgestimmt. Wer Fragen hat oder sich eine fundierte Meinung bilden will, kann sich an folgenden Abenden informieren:
- Montag, 18. Mai, 19 Uhr,Kirchgemeindehaus Wallisellen (Zentralstrasse 10).
- Donnerstag, 4. Juni, 19 Uhr,Kirchgemeindehaus Kloten(Kirchgasse 30).
Die Botschaft zur Fusion liegt auf.