Kanton verordnet Begabtenförderung
Bildung ist vermutlich der wichtigste Rohstoff der Schweiz. Damit das so bleibt, müssen Verwaltung und Politik möglichst fundierte Entscheidungen treffen können. Der Bund lässt zum Beispiel erfassen, wie die Situation auf dem Lehrstellenmarkt aussieht.
Einen vertieften Einblick liefert das Nahtstellenbarometer. Erhoben werden Daten zu den Bildungsentscheidungen von Jugendlichen und zum Lehrstellenangebot der Betriebe. Das vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation für die Umfrage beauftragte Forschungsinstitut GFS Bern hat für die Resultate eine Website eingerichtet (siehe Fussnote). Sie zeigt, dass das Bild der beruflichen Grundbildung mehrheitlich positiv ist.
Doch nicht für alle ist eine Lehrstelle der richtige Weg – genauso wenig wie das Gymnasium für alle die passende Wahl ist. Schülerinnen und Schüler sollten gemäss ihren Stärken, Begabungen und Talenten gefördert werden. Der Zürcher Regierungsrat möchte die Begabungs- und Begabtenförderung ausbauen. Dies, um die Chancengerechtigkeit zu stärken und für alle Jugendlichen vergleichbare Bedingungen zu schaffen, wie es in einer Mitteilung heisst.
In vielen Schulen gibt es zwar bereits Begabungs- und Begabtenförderung, allerdings nicht überall. Die Schule Opfikon bietet für die Gymi-Aufnahmeprüfung bereits Vorbereitungskurse an. Der Kanton will die Gemeinden nun dazu verpflichten, entsprechende Angebote sowie solche für die Vorbereitung der Aufnahmeprüfung für eine Mittelschule wie das Gymnasium, die Fachmittelschule oder die Berufsmaturitätsschule bereitzustellen. «Die Verantwortung für die Ausgestaltung der Angebote und deren Finanzierung liegt bei den Gemeinden», schreibt der Regierungsrat.
Die Finanzen dürften entscheiden
Die Finanzierung durch die Gemeinden könnte zum Knackpunkt werden. Das zeigen schon die Diskussionen um die Anpassung des neu definierten Berufsauftrags für Lehrpersonen. Am 27. September dürfen die Stimmberechtigten im Kanton über die Änderung des Lehrpersonalgesetzes befinden.
Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» äusserten sich FDP und SVP bereits kritisch. «Geht es nach der SVP, braucht es keine flächendeckenden Vorbereitungskurse», so die Tageszeitung.
Ob Begabungs- und Begabtenförderung überall eingeführt wird, muss nun der Kantonsrat entscheiden. Im Hinterkopf sollten die Politikerinnen und Politiker allerdings behalten, dass die Schülerinnen und Schüler damit bestmöglich auf weiterführende Schulen vorbereitet werden. Und längst nicht alle Jugendlichen fühlen sich heute von ihren Schulen gut unterstützt. Dies hat eine Untersuchung des Instituts für Erziehungswissenschaften der Universität Zürich gezeigt.
Dass die Schulen vor wachsenden Aufgaben stehen, zeigt die Entwicklung der Anzahl Schülerinnen und Schüler. Im Schuljahr 2025/26 ist sie erneut gestiegen, wie der Broschüre «Die Schulen im Kanton Zürich» zu entnehmen ist. Konkret besuchten knapp 328 000 Schülerinnen und Schüler, Lernende und Studierende eine öffentliche oder private Bildungseinrichtung. Das sind rund 4000 mehr als im Vorjahr und gut 42 000 mehr als vor zehn Jahren.
An den Gymnasien erfreut sich das mathematisch-naturwissenschaftliche Profil zunehmender Beliebtheit. «Seit 2015 hat sich die Zahl der jungen Frauen, die dieses Profil wählen, nahezu verdoppelt», so die Bildungsdirektion. Auch bei den jungen Männern ist ein Anstieg zu beobachten: Ihre Zahl hat im gleichen Zeitraum um knapp zwei Drittel zugenommen. (pat.)