«Ich will unsere Message schärfen»

Roger Suter

Der SBFZ hat seit letzter Woche einen neuen Präsidenten: Markus Surber will die Botschaft des Schutzverbands schärfen. Die 44 Delegierten erfuhren  in Niederhasli ausserdem, was Fluglärm eigentlich ist – und vom Frust eines Fluglärm-Anwalts.

Als «Wachhund» bezeichnet der abtretende Präsident Roger Götz jeweils, wenn er die Funktion des Schutzverbands der Bevölkerung um den Flughafen Zürich SBFZ erklären sollte. Man könne nicht alles beeinflussen, aber man könne darauf aufmerksam machen.

Und genau das scheint derzeit vonnöten: Der Bundesrat hat den Sachplan Infrastruktur Luftfahrt, kurz SIL, für den Flughafen Zürich bestätigt. Was nach trockener Planungsmaterie tönt, birgt aber einige Bestimmungen und damit Zündstoff, denn dieses Objektblatt – tatsächlich sind es 125 Seiten – legt verbindlich fest, wann und wie am Flughafen geflogen und wo (aus)gebaut werden kann. Und weil der Bundesrat das Fliegen somit endgültig zur Bundessache erklärt hat, sind auch  kantonale Bestimmung wie der Zürcher Fluglärm-Index für Bern «nicht verbindlich».

«Wir sind keine Flughafengegner», betonte Götz auch in seinem letzten Jahresrückblick. «Wir bekämpfen unzumutbaren Lärm und setzen dafür auf konstruktive Zusammenarbeit, das bringt langfristig mehr.» Und der SBFZ sei der einzige Fluglärmverband, der Lösungen für alle Himmelsrichtungen suche. Unsere Stärke ist es, dank möglichst vielen Gemeinden glaubwürdig zu sein.» Der SBFZ wolle «kritisch, verlässlich und konstruktiv bleiben».

Für den frisch und ohne Gegenstimmen gewählten neuen Präsidenten des SBFZ, den Bülacher Stadtrat Markus Surber, ist Fluglärm nichts Neues: «Ich bin in Höri aufgewachsen, im letzten Haus, bevor die Flugzeuge auf Piste 14 aufsetzen», erzählt er bei seiner Vorstellung.  Die Passagierzahlen würden weiter zunehmen, ebenso die Anzahl Flüge. «Das Thema wird also bleiben. Deshalb will ich  die Message des SBFZ schärfen.» Der Schutzverband soll als kompetente und breit abgestützte Stimme der Flughafenregion wahrgenommen werden. Ein besonderes Augenmerk will Surber, der seit 2022 im Vorstand mittut, auf die Einhaltung der Nachtruhe legen, welche vom Flughafen beinahe täglich verletzt wird, wenn er nach eigenen Angaben Verspätungen abbaut. «Pünktlich zu sein, ist von einem Schweizer Flughafen nicht zu viel verlangt.»

Wechsel in Kloten und Dällikon

Zurückgetreten aus dem 12-köpfigen SBFZ-Vorstand sind auch der ehemalige Dälliker Gemeindepräsident René Bitterli (seit 2010 dabei, ersetzt durch Stefan Schibli ) und der abgetretene Klotener Stadtpräsident René Huber. «In dieser Rolle hatte er es nicht einfach», gesteht ihm Roger Götz zu. «Er hat seine Meinung und die Interessen der Stadt Kloten immer klar vertreten, aber andere Meinungen gelten lassen», fasste Götz Hubers Wirken seit 2006 zusammen. Dabei habe der Verein insbesondere von Hubers grosser politischer Erfahrung profitieren können. Seine Nachfolge übernimmt Kurt Hottinger, der neue Stadtpräsident von Kloten. Für Roger Götz rückt Thomas Schlumpf aus Höri in den Vorstand nach.

Nach wie vor im Vorstand dabei ist der Opfiker Stadtrat Jörg Mäder. Vom Gemeinderat delegiert sind Allan Boss und Gregor Bührer.

Der Anwalt und die Lärmmanagerin

Vor der eigentlichen Delegiertenversammlung gab es Informationen für die neuen Delegierten in Sachen Fluglärm. Edith Hug, Leiterin Lärmmanagement, Lärm u. Verfahren bei der Flughafen Zürich AG, stellte ihre Arbeit im Spannungsfeld zwischen Gesundheitsschutz, Lebensqualität, Siedlungsentwicklung und Betrieb des Flughafens dar. Als Erfolg erwähnte sie die erhöhten Lärmgebühren nachts («Ich weiss, Sie haben noch mehr gefordert»), als Dämpfer dafür die Umteilung von Flugzeugtypen in «günstigere Lärmklassen». Und sie versicherte: «Die Diskussionsbereitschaft seitens der Flughafenleitung ist vorhanden.»

Zudem stellte Robert Bänziger sein «Fluglärm-Kompendium» vor (siehe Box), und Adrian Strütt von Ettlersuter Rechtsanwälte berichtete von einem gewissen Frust, weil man in Sachen Fluglärm juristisch meist verliere. Politisch würden das Parlament und die Bevölkerung aussen vor gelassen. Und der Grundsatz, alles gegen den Lärm an der Quelle zu tun, was möglich und wirtschaftlich tragbar ist, habe beim Flughafen nur beschränkt Gültigkeit. «Der Flughafen ist lärmtechnisch seit 20 Jahren sanierungspflichtig», so Strütt. «Doch es gibt viele Ausnahme­regelungen, etwa betreffend Bestandesschutz (kein Schutz mehr für Moore im Flughafenperimeter und garantierte Betriebszeiten von 6 bis 23.30 Uhr, Anm. d. Red.). Und der Lärmschutz für die Bevölkerung mit all den künstlich belüfteten Räumen ist extrem teuer.»

Die eigentliche Delegiertenversammlung verlief unspektakulär: Jahresrechnung, -budget und Mitgliederbeiträge wurden wie vom Vorstand vorgeschlagen angenommen. Eine Senkung Letzterer – der SBFZ verfügte Ende 2025 über 256  000 Franken Eigenkapital – wurde abgelehnt. Man sei zwar über den anvisierten 200 000 Franken, doch das ändere sich je nach Aufwand für politisches Engagement oder juristische Sacharbeit schnell, sagte Präsident Götz. Gemäss Budget soll das Eigenkapital per Ende 2027 wieder auf rund 191 000 Franken sinken.

 

Alles über Fluglärm im Taschenbuchformat

Der letztes Jahr pensionierte Geschäftsführer Robert Bänziger ist zwischenzeitlich nicht untätig geblieben. Aus seinen 30 Jahren Erfahrung mit der Fluglärmproblematik hat er ein Büchlein zusammengestellt. Es heisst schlicht «Fluglärm – ein Kompendium» und ist beim SBFZ für 10 Franken erhältlich.

Das Buch erklärt kurz und bündig alles Wissenswerte zum Thema Fluglärm, wie man ihn misst oder berechnet, welche Auswirkungen er auf Menschen und die Bautätigkeit hat. Weitere Kapitel befassen sich mit dem Nachtfluglärm, der wirtschaftlichen Bedeutung des Flugverkehrs, der rechtlichen Situation und weiteren Auswirkungen des Flugverkehrs. In einem eigenen ­Kapitel wird gezeigt, welche Behörden, Firmen und Vereine Einfluss auf Fluglärmfragen nehmen. Zum Schluss gibt es noch Antworten auf häufig gestellte Fragen. Das Büchlein richtet sich an Fluglärm-Laien, die sich mit dem Thema befassen wollen oder müssen. Gegen einen Unkostenbeitrag von 10 Franken kann es via info@schutzverbandzuerich.ch bestellt und bezogen werden. (pd.)