«Ich traue unserem Team sehr viel zu»
Der EHC Kloten hat das Sommertraining abgeschlossen und verabschiedet sich für drei Wochen in die Ferien. Während dieser Zeit arbeiten die Spieler individuell nach vorgegebenen Trainingsplänen weiter, bevor Ende Juli mit Leistungstests die unmittelbare Saisonvorbereitung beginnt. Der «Stadt-Anzeiger» sprach mit Athletiktrainer Felix Stutz (33) über den Leistungsstand der Mannschaft, über die Aufbruchstimmung im neuen Trainerteam und darüber, weshalb er dem aktuellen Kader sehr viel zutraut.
Welche Schwerpunkte wurden in der Vorbereitung gesetzt?
Die Vorbereitung verlief bislang sehr gut. Die Schwerpunkte wurden je nach Fokusgruppen unterschiedlich gesetzt. Es ging je nach Gruppe darum, schneller, beweglicher oder kräftiger zu werden.
Wie verläuft die Zusammenarbeit mit dem komplett neuen Trainerstab und einigen neuen Spielern?
Die Zusammenarbeit erlebe ich sehr positiv. Es herrscht eine sehr gute Stimmung im Team. Ein neuer Coach ist für alle Spieler immer eine Chance, eine neue Rolle zu erhalten, neue Sachen zu zeigen und sich präsentieren zu können. Die Neuen wie Raphael Prassl, Michael Hügli oder Reto Berra haben sich sehr gut ins Team hineingefunden. Wir haben eine sehr coole Truppe beieinander, in die neue Leute sehr schnell aufgenommen werden.
Was hat sich mit dem neuen Trainerstaff geändert?
Er ist jetzt schon ein wenig näher, da mit dem Headcoach ja nur schon die Sprachbarriere wegfällt (nun Michi Liniger, vorher der Finne Lauri Marjamäki – Red.). Vorher wurde auf Englisch kommuniziert. Liniger ist auch ein etwas anderer Charakter als Lauri. Er war nun auch im Sommer viel beim Team, was bei einem ausländischen Coach im Sommer halt anders ist. Was die Unterschiede in der Zusammenarbeit mit Liniger generell betrifft, werde ich diese erst im Laufe der nächsten Monate wirklich beurteilen können.
Eigentlich war ja die Planung mit Marjamäki langfristig ausgelegt. Und auch das Engagement des hochtalentierten Goalies Ewan Huet war einst so vorgesehen. Sind diese «Absprünge» oder eher unerwarteten Abgänge als normale Dynamik in diesem Business zu werten? Wie nehmen Sie dies als Coach wahr?
Alle, die in diesem Business arbeiten, sind sich bewusst, wie schnell es gehen kann. Wichtig ist, dass man bei jedem neuen Spieler viel Energie darin investiert, diese Menschen abzuholen. Denn bei Sportlern wird manchmal vergessen, dass sie normale Menschen sind wie Sie und ich. Da muss man immer auch das Gesamtpaket anschauen – mit Familie, Freundin oder Freunden. Man muss den persönlichen Kontakt pflegen, um sicherzustellen, dass sie sich wohlfühlen.
«Die Zusammenarbeit erlebe ich sehr positiv. Es herrscht eine sehr gute Stimmung im Team.»
Vermissen Sie selbst auch Leute aus dem Trainerstab der letzten Saison, die nun nicht mehr da sind?
Ja klar, das gibt es immer wieder. Nur schon auf persönlicher Ebene ist dies der Fall. Mit Goalietrainer Tim Bertsche arbeitete ich beispielsweise fünf oder sechs Jahre zusammen. Das war immer ein sehr befruchtender Austausch. Ich lernte dabei auch viel. Aber auch von Ex-Trainer und -Berater Jeff Tomlinson oder Trainerassistent Beni Winkler. Es tut gut, wenn man sich seine Meinung spiegeln kann und Inputs erhält, wie man mit jenem oder anderen Spieler umgeht. Aber mit dem neuen Trainerstab gibt es auch neue Inputs. Man erhält neue Lösungsansätze für verschiedene Herausforderungen. Das ist auch spannend zum Kennenlernen. Alle neuen Coaches sind mit viel Elan dabei und wollen etwas bewirken, ziehen am gleichen Strick. Sie bringen viel Energie rein. Es ist ganz, ganz viel Energie drin. Das bemerkt man am meisten.
Ist die Stimmung nun vergleichbar mit der Aufbruchstimmung vor der vorletzten Saison, als am Ende der sensationelle 7. Rang nach der Qualifikation und der Playoff-Einzug über das Play-in realisiert wurden?
Vergleiche sind immer sehr schwierig. Von der Leistungsdiagnostik her kann ich über die ganzen sechs Jahre, in denen ich dabei bin, sagen, dass wir auch über die Juniorenstufen hinweg innerhalb des Vereins den Durchschnitt des Teams bei den Leistungstests immer weiter nach oben bringen konnten. Und es ist natürlich schön, dies beobachten zu können.
Am 27. Juli folgt die Trainingswiederaufnahme mit zahlreichen Tests.
Ja genau, dann werden auch die Imports dabei sein, die Ende Mai die letzten Tests absolvierten. Dann wird genau analysiert, wie sich die Spieler im Laufe des Sommers entwickelt haben.
Gibt es noch neue Tools, die in der unmittelbaren Saisonvorbereitung eingesetzt werden?
Das Sommerprogramm wird jährlich natürlich etwas angepasst. Man versucht, sich immer am aktuellsten Stand der Trainingswissenschaft zu orientieren beziehungsweise auf diesem zu bleiben, aber auch auf die eigenen Erfahrungen zu hören. Wo erzielen wir die besten Fortschritte? Wenn etwas gut funktionierte, wird es auch beibehalten. Im Sommertraining bleiben jeweils 60 bis 80 Prozent ähnlich wie im Vorjahr, zwischen 20 und 40 Prozent beträgt der Anteil neuer Inputs.
Was ist Ihre persönliche Einschätzung bezüglich des Leistungsvermögens des aktuellen Klotener Teams nach den Kadermutationen im Import-Bereich, unter anderem der Rückkehr von Arttu Ruotsalainen sowie der Verpflichtung des produktiven Verteidigers Simon Johansson oder des Top-Goalies Reto Berra?
Unsere Möglichkeiten sind sehr gross. Es wird sich in der Vorbereitung und dann in der Saison zeigen. Ich habe ein sehr gutes Gefühl mit dem neuen Staff und dieser Mannschaft. Deshalb traue ich unserem Team sehr viel zu.
Ramel und Meier im Prospect-Camp des Nati-Teams
Die beiden Klotener Eigengewächse Rafael Meier (21) und Mischa Ramel (22) stehen im 34‑köpfigen Aufgebot für das Prospect-Camp des Schweizer Nationalteams von 27. bis 31. Juli in Davos. (rst.)