Grüne Elektrobusse haben «hitzefrei»
Die hohen Temperaturen machen Mensch und Maschine zu schaffen. Um den Batterien der Elektrobusse Zeit zum Abkühlen zu geben, fuhren auf der Linie 759 in letzter Zeit auch wieder Dieselfahrzeuge.
Normalerweise ist man auf der Linie 759 von Wangen zum Flughafen grün unterwegs: Die so lackierten Busse fahren mit Ökostrom, den sie bei ihrem Aufenthalt am Flughafen via einen Pantografen, einen ausfahrbaren Strommast auf dem Busdach, «tanken». In den letzten Tagen jedoch traf man auf dieser «Innovationslinie», wo immer wieder Neuerungen getestet werden, auch wieder Hybrid- oder herkömmliche Dieselbusse an.
Der Grund dafür liegt in der Hitzewelle der zweiten Junihälfte: Einzelne der vollelektrischen Fahrzeuge wurden zwischendurch ausserordentlich ins Depot gebracht. «Grundsätzlich sind Sommertemperaturen kein Problem für die Batterien der Elektrobusse», teilt die Medienstelle der VBG auf Anfrage des «Anzeiges von Wallisellen» mit. Allerdings müssen die Batterien bei hohen Temperaturen gekühlt werden. Dies geschieht durch ein Wärmepumpensystem, welches sowohl die Temperaturen der Batterien als auch des Fahrgastraums und des Fahrerbereichs regelt.
Keine Gefahr wegen Hitze
«Bei den aktuell sehr hohen Temperaturen ist für die Kühlung der Batterie mehr Energie erforderlich als üblich», so die Medienstelle weiter. «Um allfälligen Einschränkungen bei der Kühlung des Fahrzeuginnenraums oder auch bezüglich der Reichweite vorzubeugen, werden einzelne Busse ausserordentlich ins Depot gebracht. Dort können sich die Batterien abkühlen und benötigen danach wieder weniger Energie für die eigene Kühlung.»
Eine Gefahr gehe von warmen Batterien jedoch nicht aus. Es ist auch keine maximale Betriebstemperatur festgelegt. Bei sehr hohen Batterietemperaturen werde allerdings die Lade- und Entladeleistung des Fahrzeugs reduziert, um das auszugleichen – ähnlich wie beim Smartphone, das den Ladevorgang, der zusätzlich Wärme verursacht, in der warmen Hosentasche auch stoppt. Auch die Leistung der Energiespeicher ändere sich mit der zunehmenden Temperatur nicht: «Bei hohen Temperaturen ist allerdings ein höherer Anteil der Batterieleistung für den Betrieb der Kühlsysteme notwendig», erläutert die Medienstelle. «Dadurch kann sich die Reichweite verringern.»
Komfort geht vor
Zudem stünde weniger Energie für die Kühlung des Fahrgastraums zur Verfügung, wenn das Wärmepumpensystem mehr Energie für die Kühlung der Batterie benötige. «Das wäre gleichbedeutend mit einer Komforteinbusse für die Fahrgäste» – was die VBG aber verhindern wollen, weshalb sie die Busse zum Abkühlen ins Depot holen.
Dabei schlägt die Kühlung (oder auch Heizung) des Fahrgastraums mittels des erwähnten Wärmepumpensystems weniger stark zu Buche als eine herkömmliche Klimaanlage. Diese lässt den Spritverbrauch im Auto schnell um bis zu 30 Prozent oder 1,8 bis 3,7 Liter auf 100 Kilometer hochschnellen, wie die Empa schon vor Jahren errechnet hat. Die Wärmepumpen der Elektrobusse sind da sparsamer, wie die VBG ausführen: «Der zusätzliche Energiebedarf bei aussergewöhnlichen Temperaturen wie in den letzten Tagen beträgt etwa 10 bis 15 Prozent.» Roger Suter
Wie kühlt eine Wärmepumpe?
Die Wärmepumpe funktioniert ähnlich wie ein Kühlschrank mit einem Kältemittel im geschlossenen Kreislauf, das abwechslungsweise verdampft (Kälte entsteht) und wieder verflüssigt wird (wobei Wärme gewonnen wird). Im Gegensatz zum Kühlschrank kann bei einer Wärmepumpe aber beides genutzt werden – im Winter zum Heizen, im Sommer zum Kühlen.