Golden Eagle Revival 2: Saturday Night Fever in Glattbrugg
Der ehemalige DJ Reto Baer erinnert sich an einen Abend vor 50 Jahren, als die Glattbrugger Disco Golden Eagle Jugendliche aller umliegenden Gemeinden anlockte. Am 31. Oktober soll wieder eine Party steigen.
«Samstag, 30. Oktober 1976. Der erste Disco-Abend nach den Herbstferien ist sehr gut besucht. Ich sitze mit Daniel Greiner an der Kasse. Eigentlich sind wir DJs, aber wir müssen auch beim Aufbau, an Kasse und Bar sowie nach Mitternacht beim Aufräumen helfen.
Ich bin sechzehn, Greini, wie wir ihn nennen, ist erst fünfzehn und findet es köstlich, dass er alle anderen, die noch nicht sechzehn sind, wieder fortschicken kann. Aber ehrlich gesagt, nimmt er es mit der Altersgrenze nicht so genau. Seinen gleichaltrigen Klassenkameraden verkauft er für fünf Franken ebenso ein Eintrittsbillett wie hübschen Mädchen, die erst vierzehn oder fünfzehn sind. Ich drücke ihnen dann unseren Golden-Eagle-Stempel aufs Handgelenk.
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Heute ist der letzte Abend, an dem mein sechs Jahre älterer Bruder Martin, den alle Lobo nennen, auflegt. Er plant, mit Kollegen eine eigene Wanderdisco zu lancieren. Bei der Gründung der Golden Eagle Disco, die dank Pfarrer Arnold Huber 1974 ins Leben gerufen wurde, war mein Bruder der erste DJ.
Seither wird regelmässig an Samstagabenden im Freizeitraum unter der Katholischen Kirche Glattbrugg zu neuen und alten Hits getanzt. Du kannst nun mal nicht den ganzen Abend ‹Daddy Cool› von Boney M. laufen lassen, nur weil der Song neu ist. ‹Satisfaction› von den Rolling Stones schlägt genauso ein, auch wenn das Lied schon elf Jahre alt ist. Jetzt gerade dröhnt ‹Kiosk› von Rumpelstilz bis zu uns ins Kassenhäuschen. Ein topaktueller Mundart-Hit im Reggae-Stil.
Ich bin froh, dass mich mein Bruder ins Disco-Team geholt hat. Hier bin ich mal unter anderen Leuten als den Gimmelern, die ich sonst jeden Tag sehe. Die anderen Team-Mitglieder sind Stifte und in Sachen Stereo- und Lichtanlage viel nützlicher als ich. Ich kann zwar die farbigen Glühbirnen in die Fassungen der Lichtorgel drehen, aber reparieren kann ich gar nichts. Dafür habe ich in den letzten zehn Tagen mehr Golden-Eagle-Plakate aufgehängt als jeder andere. Nicht nur in meinem Wohnort Kloten, sondern auch in Wallisellen. Und sogar im Veloraum der Kanti Oerlikon. Auch wenn der Schulabwart die Plakate immer wieder entfernt. Aber dann läuft das Buschtelefon unter den mehr als tausend Schülern längst.
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Velos und Töffli reihen sich vor dem Disco-Eingang aneinander. Mike Frei trennt zwei Streithähne und gibt den Tarif durch. Er ist der mit Abstand Grösste von unserem Team und flösst jedem Hitzkopf Respekt ein. Aber ich kann nicht länger zusehen. Denn ich werde an der Kasse abgelöst und muss hinters DJ-Pult.
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Mein Bruder erklärt mir, er habe schon länger keine langsame Musik mehr abgespielt. Also lege ich die LP ‹Solar Fire› auf und platziere die Nadel des Tonarms am Anfang von ‹Father of Day, Father of Night›. Manfred Mann hat aus Bob Dylans 90-sekündigem Genöle eine fast zehnminütige Space-Rock-Ballade gemacht. Ich schalte das UV-Licht ein und strahle die Discokugel an. Jetzt kann es losgehen.»
3 Fragen
Alte Hits machen auch Jungen Spass
Warum organisiert ihr das Re-Revival eurer Jugenddisco?
Ich glaube, wir Oldies haben Blut gerochen. Es hat einfach unglaublich Spass gemacht beim ersten Mal. Und das Echo der Gäste war durchs Band positiv.
Sind dort auch jüngere Semester zugelassen?
Unbedingt. An der ersten Party tanzten einige, die in den 1970er-Jahren noch nicht geboren waren. Ich denke, die alten Hits im Original zu hören, macht auch jungen Leuten Spass.
Welcher Song darf auf keinen Fall fehlen und warum?
«Searchin’» von Titanic aus dem Jahr 1971. Sobald ich diese norwegische Rockband höre, fühle ich mich wieder wie ein Teenager. (rs.)
Reto Baer, Damals DJ, Kassier, Barkeeper und Aufräumer
3 Fragen
Die alte Garde und die Youngsters
Warum organisiert Ihr das Re-Revival eurer Jugenddisco?
Schon während des ersten Revivals, aber auch danach, sagten uns zahlreiche Besucher, sie würden sich eine Wiederholung des Abends wünschen.
Sind dort auch jüngere Semester zugelassen?
Sehr gerne sogar. Wie sich beim ersten Revival zeigte, kamen einige der alten Garde mit ihren bereits erwachsenen Youngsters. Und sie fanden es toll, wie wir unsere Partys feierten.
Welcher Song darf auf keinen Fall fehlen und warum?
Bei mir ist es ein Disco-Floor-Filler von The Trammps: «Disco Inferno». Der Hit prägte die späten 1970er stark. Viele der Songs, die wir auflegten, waren nur bei uns im Golden Eagle zu hören.
Ronnie Derichsweiler, DJ mit eigenem Original-Equipment
Disco-Party am 31. Oktober
Was in den 1970er-Jahren als Party unter der Kirche begann, feierte 2024 ein erstes, fulminantes Comeback: Rund 200 Gäste der legendären Golden-Eagle-Disco – heute zwischen 50 und über 70 Jahre alt – tanzten wie anno dazumal im Raum unter der katholischen Kirche St. Anna, lachten, schwitzten und schwelgten in Erinnerungen. Das soll sich nun am Samstag, 31. Oktober 2026, wiederholen.
Mit rund 70 Gästen hatte das extra wiedervereinigte, siebenköpfige OK gerechnet – gekommen waren fast dreimal so viele. Die Stimmung war ausgelassen, die Nachfrage nach Grilladen und Prosecco entsprechend gross. Für das richtige Disco-Gefühl sorgten vier DJs mit den originalen Vinyl-Singles und LPs aus jener Zeit. Sie drehten ihre Runden auf den Profi-Plattenspielern aus den 70ern, die Mitorganisator Ronnie Derichsweiler zum Glück behalten hat. Und wie früher wurde die Luft heiss und feucht, bis das Kondenswasser von der Decke tropfte.
Besonders schön: Manche Gäste, die noch sehr vorsichtig die Treppe hinunterstiegen, kamen später beschwingt und leichtfüssig wieder herauf, wie Mitorganisator Mike Frei feststellen durfte. Der Abend zeigte, dass gute Musik und alte Freundschaften wie ein Jungbrunnen wirken können.
Sa, 31. Okt, Wallisellerstr. 20; Grill und Bar ab 17 Uhr, Party 19–1 Uhr; https://www.facebook.com