Gold für Leandra Tzimpoukakis
Die Wallisellerin Leandra Tzimpoukakis sichert sich an den Schweizer Meisterschaften im Eiskunstlauf überlegen den 1. Platz. Nächste Station ist die Junioren-WM im März.
Wenn jemandem sozusagen auf dem Serviertablett ein Titel angeboten wird, sollte diese Gelegenheit genutzt werden, sagt man. Im Vorfeld der Schweizer Meisterschaften der Eiskunstläuferinnen ergab sich eine unvorhergesehene Ausgangslage – die zweifache Titelverteidigerin Kimmy Repond (Basel) und unbestrittene Favoritin für das Triple musste verletzungshalber auf einen Start verzichten.
Das Rennen um Gold war folglich offen. Und die 16‑jährige Wallisellerin Leandra Tzimpoukakis, welche für den Dübendorfer Eislaufclub fährt, nutzte die Gelegenheit, Eislaufgeschichte zu schreiben: Mit zwei bestechend souveränen Präsentationen in der Cornèr Arena in Lugano wurde die Wallisellerin Schweizer Meisterin im Eiskunstlauf.
Mit dosiertem Risiko
Eine glückliche Leandra Tzimpoukakis meinte anschliessend: «Ich bin sehr stolz, dass ich es zuoberst auf das Podest geschafft habe.» Sie sei wie noch nie meganervös gewesen und habe gewusst, dass sie für Gold den Dreifachaxel stehen musste. «Der dauernde Gedanke daran hätte mich fast aus meinem Konzentrationstunnel gerissen.» Vielleicht habe man dies ihrem Laufen auch angemerkt.
Tzimpoukakis’ Trainerinnen Linda Van Troyen und Sindra Kriisa schafften es jedenfalls, der von ihnen seit Jahren betreuten Läuferin die optimale Dosis an Risiko zu vermitteln, etwa den Verzicht auf den Königssprung im Kurzprogramm oder nur einen Versuch in der Kür. «Ich bin noch nicht in der Lage, zwei Dreifachaxel in einem Programm zu stehen», sagt Tzimpoukakis.
Die Basis für Gold legte die neue Titelträgerin im Kurzprogramm, welches sie dominierte. Die sprungstarke Läuferin, zuweilen auch «Miss Stability» genannt, wurde dann in der Kür ihrer Rolle vollends gerecht. Sieben Dreifachsprünge in schöner Regelmässigkeit, in Amerika würde geschrieben «she nailed them» (wie ins Eis genagelt).
Zu jung für Olympia
Das Publikum schien zu applaudieren, noch bevor die Wallisellerin jeweils zur Landung ansetzte. Getragen vom Rhythmus der Musik begleitete es den neuen Schweizer Eislaufstern gegen Ende mit Händeklatschen zum Titel. Mit 194,10 Punkten im Total gewann Tzimpoukakis überlegen mit 22,82 Punkten Vorsprung. Sie siegte vor Clubkollegin Livia Kaiser (171,28 Punkte) und Anastasia Brandenburg (160,32 Punkte).
Leistungs- und resultatmässig hätte sie eine Selektion an die EM (Sheffield), die Olympischen Winterspiele (Mailand und Cortina) und die WM (Prag) durchaus verdient. Mit 16 Jahren erfüllt sie allerdings knapp die Alterslimite von 17 Jahren nicht und ist daher bei diesen Grossanlässen noch nicht startberechtigt. Anders sieht es hingegen für die Junioren-WM in der ersten Märzwoche in Tallinn (Estland) aus. In der vergangenen Saison erreichte Tzimpoukakis im ungarischen Debrecen den 9. Rang.