Georg Benz: Begeistert und gleichzeitig bescheiden
Der Glattbrugger Grafiker, Fotograf, Maler und Künstler Georg Benz ist am 22. Juni verstorben. Er wurde 95 Jahre alt.
Georg Benz sprach seinen Vornamen stets französisch aus, obwohl er aus dem Kanton Thurgau stammte und den Ostschweizer Dialekt zeitlebens nicht ablegte. Der 1931 Geborene betrieb ab 1968 ein Grafik- und Fotoatelier an der Lindenstrasse 11, später unweit davon, an der Rosenstrasse 10, das Foto-Studio G. Benz. 1984 stellte er seine Arbeiten an der Opfiker Gewerbeausstellung OGA vor: Grafikentwürfe, Zeichnungen, Signete, Prospekte, Kataloge, Verpackungen, Inserate, Plakate, Industrie-, Sach-, Innen- und Aussenaufnahmen, Modellfotografien, Retuschen sowie Vergrösserungen. Im Wahljahr 1986 warb er auf einer ganzen Zeitungsseite mit dem Slogan: «Sie wählen gut, wenn Sie mich als Ihren Grafiker und Fotografen für die nächsten 4 Jahre (oder länger) für Ihre Werbung wählen!» Politisch engagierte sich Georg Benz aber kaum: Nur einmal trat er 1990 als Unterstützer von Stadtpräsident Hans Rosenberger in Erscheinung.
Für Industrie- und Sachaufnahmen reiste er in der ganzen Schweiz herum – auch für den «Stadt-Anzeiger» machte er während Jahren Aufnahmen von allen möglichen Anlässen, vom Spatenstich in der Zürcher Klinik Hirslanden über Neu- und Wiedereröffnungen von Geschäften bis zum Chlausmärt und allerlei Kunstausstellungen vor Ort. Und zur Kunst hatte er eine persönliche Beziehung: Er gestaltete nicht nur im Auftrag, sondern auch aus eigenem Antrieb. Schon zu Beginn der 1950er-Jahre hatte der Grafiker von der Kunstgewerbeschule Zürich (der heutigen Schule für Gestaltung) mit Malen angefangen. Aus Eindrücken und seiner Fantasie entstanden Bilder von Stadtszenen, etwa dem Hauptbahnhof Zürich, die er gemeinsam mit der befreundeten Kollegin Heidi Thöni malte. Auch Opfiker Motive, die längst abgerissen sind, und Skulpturen schuf er. 1994 gestaltete er für den Dorf-Träff vier Teile eines Adventskalenders – als spontanes Adventsgeschenk. Die wunderschönen Weihnachtsbilder schmückten damals die 24 Fensterscheibchen der Museumsstube an der Dorfstrasse 32 und fanden sofort Anklang in der Arbeitsgruppe des Gemeindevereins.
Zusammen mit sechs anderen Opfiker Kunstschaffenden – Marianne Grant (auch sie eine langjährige Mitarbeiterin des «Stadt-Anzeigers», verstorben im Dezember 2024), ihrem Lebenspartner Jean-Claude Jaton, Anna Friedlos, Victor H. Bächer, Hans Christen und Hannelore Bitterli – stellte er 1995 im Forum St. Anna aus. An der Vernissage der äusserst vielfältigen Werke «drohte das Forum beinahe aus den Nähten zu platzen», wurde der Besucheraufmarsch damals im «Stadt-Anzeiger» beschrieben. 2010 folgte eine zweite Ausstellung mit örtlichem Kunstschaffen, wiederum mit Georg Benz, Victor H. Bächer, Anna Friedlos und Marianne Grant und wiederum äusserst gut besucht. Unter den 129 im Stadthaus gezeigten Werken war unter anderem Benz’ grossformatiges Gemälde «Am See» zu sehen. Den Ursprung hatte die erste Ausstellung in der Opfiker «Kunst-Stamm-Klause», einem Stammtisch für Kunstschaffende und Kunstinteressierte, der sich jeweils einmal wöchentlich im (inzwischen abgebrochenen) Restaurant Bahnhof traf. Der Treffpunkt auch für Laien wurde zu einem Ort für ungezwungenen Gedankenaustausch, wie die Gründer Hans Christen und Victor H. Bächer in der Zeitung ausführten.
Aber nicht nur hier war Georg Benz gesellschaftlich aktiv: Er war regelmässiger Frühstücksgast im Hotel Mövenpick, und jahrelang traf er sich mit einer ebenso lockeren und gemischten Runde im Hotel Airport (die heutigen Amanthos Living Apartments) – zu Beginn fast täglich, nach einer Weile immer dienstags. Aus purer Freude an seiner Arbeit erstellte er manchen dort individuelle Visitenkarten, denen man sein grafisches Talent ansah. Und natürlich unterhielt er diese Clique aus Glattbruggern und Zugewandten immer gern mit seinen Anekdoten.
Im Jahr 2012 stellte er in der Zürcher Galerie Frankengasse aus (der 2014 noch eine weitere Ausstellung in Bassersdorf mit Heidi Thöni folgte sowie die Unterländer Aktion «VorsichtKunst!»). Zwei Jahre habe er darauf gewartet, in der Zürcher Altstadt seine Bilder von Stadtszenen zu zeigen, «das bunte Treiben vor der Tür», wie es die Korrespondentin beschrieb, aber auch andere Werke wie den bunten Vogel oder den mächtigen Löwen. Die Bilder vom Anlass und seinen Gästen machte der Fotograf gleich selbst – selbstverständlich erst, nachdem er Häppchen und Wein angeboten hatte. «Es scheint, als nehme er sich grundsätzlich gerne zurück», beschreibt die Korrespondentin Georg Benz’ Auftritt an der eigenen Vernissage. «Erica Gubler ist hier die Chefin. Ich zeige ihr bloss ein paar meiner Bilder und sie wählt dann aus», habe er lachend gemeint. Dabei trage er wesentlich zur Atmosphäre bei, vor allem weil er sie füllte – mit seiner Begeisterung, seiner Bescheidenheit und seiner herzlichen Art.
Der gesundheitlich bedingte Umzug ins Alterszentrum Gibeleich fiel Georg Benz nicht leicht. Bei einer zufälligen Begegnung während der Film-Dreharbeiten im April in der Cafeteria bat er mich darum, via Zeitung mitzuteilen, dass seine Bekannten ihn mal besuchen könnten – dies zugegebenermassen etwas unkonventionell. Ich habe diese Gelegenheit, ihm noch etwas Gutes zu tun, verpasst. Lieber Georg, ich hoffe, du hattest trotzdem öfter Besuch.
Die Beisetzung findet diesen Freitag, 17. Juli, um 11 Uhr auf dem Friedhof Halden statt.