Gedankensplitter: Vom Sinn des Unsinns

Friedjung Jüttner

Wenn Sie diesen Text zu Ende lesen, sind Sie vielleicht kein bisschen schlauer und fragen sich: Was ist denn jetzt der Sinn des Unsinns? Sie müssen sich also gut überlegen, ob es für Sie Sinn macht, Zeit zu opfern und weiterzulesen.

Ich versuche zunächst das komplexe Thema zu reduzieren. Für mich macht es Sinn, etwas Vielschichtiges wie die Wörter Sinn oder Unsinn zu vereinfachen. In diesem Sinne sage ich zunächst mal: Unsinn ist fehlender Sinn. Aber was ist dann Sinn? Ich habe das Wort Sinn in diesen wenigen Zeilen, die Sie bislang gelesen haben, schon in vierfachem Sinn gebraucht. Also begrenze ich mein Thema und versuche jetzt nur vom «Sinn des Lebens» zu sprechen, der sicher jeden von uns ab und zu beschäftigt.

Wieder sehr vereinfacht gesagt könnten wir den Sinn unseres Lebens auch mit dessen Wert oder Bedeutung gleichsetzen. Und beide, Wert und Bedeutung des Lebens, sind für uns alle verschieden. Der Sinn ist also keine Forderung des Lebens an uns, sondern eine von uns an das Leben. Oder anders gesagt: Wir geben unserem Leben Sinn, Wert oder Bedeutung.

 

«Der Sinn ist also keine Forderung des Lebens an uns, sondern eine von uns an das Leben.»

Friedjung Jüttner, Dr. phil., Psychotherapeut

 

Und jetzt komme ich endlich zu meinem Thema. Der Unsinn oder die Feststellung, keinen Sinn bei einer Beschäftigung oder einem Thema zu haben, kann bereits deshalb wieder Sinn machen, weil es mich daran erinnert, dass ich vielleicht etwas ändern könnte – in Richtung Sinn. Ein gelungenes Beispiel, mit fehlendem Sinn etwas Sinnvolles auszudrücken, ist – so meine ich – der Dadaismus. Er wurde 1916 in Zürich erfunden und wollte eine Reaktion auf den Unsinn des Ersten Weltkrieges sein.

Die Psychiatrie kennt den Wahnsinn und den Schwachsinn. Das sind Themen, die uns hier nicht beschäftigen. Wir sprechen aber häufig von Blödsinn. Wenn aber das Geblödel der Heiterkeit dient, ist es wieder sinnvoll. Sinn und Unsinn hängen also zusammen. Wo aber der Sinn aufhört und der Unsinn anfängt, ist gar nicht so leicht zu erklären. Das veranlasste den Schauspieler Peter Ustinov zu sagen: «Sinn des Lebens: etwas, das keiner genau weiss.» Der Psychotherapeut Viktor Frankl gab sich damit nicht zufrieden. Er meinte, wir müssen unserem Leben einen Sinn geben, und er sagte auch, warum: «Wer um einen Sinn seines Lebens weiss, dem verhilft dieses Bewusstsein mehr als alles andere dazu, äussere Schwierigkeiten und innere Beschwerden zu überwinden.»

Ich fasse zusammen: Gerade in Zeiten, in denen vieles unsinnig zu sein scheint, tut man gut, nicht nach dem Sinn des Lebens, sondern nach dem des eigenen Lebens zu fragen.

Gwunderbrunnen

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