Gedankensplitter: Vom Schreiben

Friedjung Jüttner

Unlängst wurde ich von zwei verschiedenen Personen gefragt, wo ich meine Ideen hernehme. Ich hatte keine plausible Antwort. Obwohl die Frage bereits als Beispiel dienen könnte. Sie ist aber nur ein Auslöser unter anderen.

Ich erfinde kein Thema, ich finde es, jedoch ohne danach zu suchen. Oder besser: Es kommt auf mich zu: Ich treffe auf etwas (einen verwaisten Fussball), ich lese ein spezielles Wort, das mir als Widerspruch auffällt (langsam schneller fahren), ich höre etwas, mit dem ich sehr oder gar nicht einverstanden bin. Und irgendwie muss dann auch noch der zündende Gedanke dazukommen: Das könnte eine Kolumne werden. Den Namen Gedankensplitter hat mir der damalige Redaktor Theophil Maag vorgeschlagen.

Wenn also die Idee gekommen ist, setze ich mich möglichst schnell vor den Computer und schreibe sie nieder. Zunächst nur für mich. Es macht mir Spass, Gedanken zu formulieren, denn ich habe oft den Eindruck, ohne das Formulieren hätte ich viele Gedanken gar nicht. Oder wenigstens nicht so klar. Diese erste Niederschrift ist also eine reine Selbstbefriedigung, die mich bereichert.

 

«Ich habe oft den Eindruck, ohne das Formulieren hätte ich viele Gedanken gar nicht. Oder wenigstens nicht so klar.»

Friedjung Jüttner, Dr. phil., Psychotherapeut

 

Dann aber wird eine Überarbeitung nötig, bei der ich an meine Leser denke, die den Text verstehen und möglichst lesenswert finden sollen. Für mich der aufwendigere Teil meiner Arbeit. Aber auch der wichtigste. Ich will schliesslich etwas mitteilen, und das möglichst verständlich.

Meine erste Leserin ist immer meine Frau. Ich bin jeweils gespannt, was sie meint. Natürlich erwarte ich, dass sie zufrieden mit dem Kopf nickt und mir den Text mit der Bemerkung zurückgibt: «Das ist gut so.» Das tut sie aber nicht immer. Auch wenn mich ihre Kritik stört, bin ich froh um sie. Denn die eigenen Produkte kann man nicht objektiv beurteilen.

Ich habe noch einen Vorteil: Mein Text ist kurz (nur 309 Wörter), und er ist schnell gelesen. Das soll möglichst so bleiben. Darum mache ich jetzt auch Schluss.