«Es gilt, den 13. Rang zu verhindern»

Richard Stoffel

EHC-Kloten-Sportchef Ricardo Schödler stellte sich aktuellen Fragen des «Stadt-Anzeigers». Er weist unter anderem darauf hin, dass es nach der Pause wegen der Olympischen Winterspiele in erster Linie gilt, nicht in die Playouts zu rutschen.

Ricardo Schödler, der Sieg gegen Biel muss auch für Sie als Sportchef eine grosse Erlösung gewesen sein ...

Wir sind nicht durch wegen dieses Siegs. Wir haben noch sechs wichtige Spiele nach der Olympia-Pause. Aber die Mannschaft ist intakt, das sage ich schon die gesamte Saison. Auch ein 0:2 wirft sie nicht aus der Bahn. Dieser Sieg gegen Biel hat dies gezeigt. Aber wir wissen, dass wir noch nicht durch sind und es noch einiges zu tun gibt nun.

Bei der «Medienkonferenz für Kids» vor der Partie gegen Biel wurden an Vertreter des EHC Kloten (Trainer, Sportchef und zwei Spieler) teilweise kuriose und lustige Fragen gestellt …

Sie wollten vor allem auch wissen, wie viele Stöcke die Spieler im Laufe einer Saison zerbrechen. Dann, wie die Spieler die Stöcke isolieren, wann sie was von der Ausrüstung wie anziehen. Dann hatten sie schon noch einige allgemeine Fragen zu Lauri Marjamäki und zu mir. Lustig war unter anderem eine Anekdote von Simon Meier und Leandro Hausheer (beide derzeit verletzt und stellten sich den Fragen, Anm. d. Red.), nach der ein Stock zu Bruch ging, weil der eine Spieler dem anderen mal aus Versehen draufgestanden war. Der ganze Anlass passte sehr gut und war mega lustig.

Die ganze Partie beziehungsweise der Tag stand im Zeichen des Nachwuchses.

Es war wichtig, dass wir so etwas machen konnten als Verein und auch von der Na­tional League mal einen solchen Termin für ein Sonntagnachmittagsspiel um 14 Uhr erhielten, an dem wirklich alle, eben auch Familien, kommen konnten. Neben einer Aktion mit Spielertrikots konnten beispielsweise die Kinder mit den Fanionteam-Spielern zur Partie einlaufen. Wir brauchen und wollen Kinder im Eishockey. Und dafür sind solche Spiele extrem wichtig.

Zum Fanionteam: Der 10. Rang, der noch zum Play-in berechtigt, scheint mit elf Punkten Rückstand auf die SCL Tigers kaum mehr in Reichweite. Ambri-Piotta schaffte vor vier Jahren mit sechs Siegen in Serie noch den Einzug in die Pree-Playoffs, Zug gelang 2008 sogar eine Serie von zehn Siegen und es schaltete dann im Playoff-Viertelfinal gar Qualifikationssieger Bern aus.

Realistisch betrachtet, wenn man nur auf den Rückstand schaut und nachschaut, wie viele Punkte in der Vergangenheit dafür notwendig waren, müsste man sagen: Nein, das ist nicht mehr realistisch für uns. Aber wir spielen doch noch gegen Teams, die in diesem Tabellenbereich involviert sind. Sie sind deutlich vor uns, aber wir könnten da noch den einen oder anderen Punkt stehlen. Das wird aber schwierig. Am Ende geht es aber in erster Linie darum, den 13. Rang zu verhindern. Gut, wenn man vier Siege in Folge feiern könnte, wären die Gegner automatisch alarmiert und würden nervös. Aber wir müssen Spiel für Spiel nehmen und zusehen, dass wir punkten.

Zuletzt half Victor Backman leihweise von Thurgau aus, um mit sechs Imports antreten zu können. Brandon Gignac musste bereits zum dritten Mal in dieser Saison verletzungsbedingt pausieren. Ist das Engagement eines siebten Ausländers trotz finanzieller Leitplanken ein Thema?

Es müsste jemand sein, der uns helfen kann. Und es muss überhaupt etwas vorhanden sein. Ab dem 2. März müsste innerhalb der Liga ein Transfer unter Dach und Fach sein. Doch ich glaube nicht, dass dies zu einem Thema wird.

Im Vorjahr kam zu diesem Zeitpunkt Pontus Åberg von den Lakers.

Die Situation ist nicht mit dem Vorjahr vergleichbar, da wir damals nach dem Abgang von Miro Aaltonen (Entlassung wegen Kokain-Befund, Anm. d. Red.) über das notwendige Kleingeld verfügten.

Der als Nummer‑1-Center geholte Brandon Gignac ist bereits zum dritten Mal verletzt. Er war auch in der letzten Saison in Nordamerika länger ausgefallen.

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Er hatte alle medizinischen Tests bei uns bestanden und war von seiner vorherigen Verletzung vollständig genesen, als er zu uns stiess. Es waren nun alles andere Verletzungen bei uns. Das hat nichts miteinander zu tun.

Stichwort Berra und das Gerücht, dass Bern ihn Kloten für die nächste Saison noch wegschnappen könnte.

Da ist komplett nichts dran.

Und falls Bern eine hohe Kompensationszahlung in Aussicht stellen würde?

Wenn sie unser Budget um rund 3,5 Mil­lionen Franken erhöhen wollen, dann denke ich, dass wir darüber nachdenken könnten. Es ist überhaupt nichts dran. Aber das Ganze ist auch als Kompliment für uns zu werten, dass ein solches Gerücht überhaupt aufkommt.

Ein anderes Thema: Dario Meyer ist Klotens Nummer‑1-Goalgetter, Leader und aktuell der wichtigste Einzelspieler. Sollte sein bis 2027 laufender Vertrag nicht frühzeitig verlängert werden?

Ich sagte nie, dass es nicht möglich ist, ­einen Spieler mit einem Langzeitvertrag an uns zu binden. Wir werden sehen, was möglich ist. Ich glaube, Dario will selbst im Moment nicht darüber reden. Ich selbst auch nicht unbedingt, weil wir eine Situation haben, in der wir drinstecken und aus der wir vorankommen wollen. Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, um den Vertrag zu verlängern. Wenn Dario auf uns zukommt und sagt, dass er jetzt darüber reden möchte, werde ich meine Agenda ­sicher anpassen. Es gibt aber auch noch weitere Verträge, die 2027 auslaufen. Die einen wollen früher, die anderen später reden.

Was bedeutet es für den EHC Kloten, mit Davide Fadani einen Olympia-Fahrer zu haben?

Das ist grossartig. Und für Fadani bedeutet dies wohl alles. Er kann sein eigenes Land an Olympischen Spielen vertreten. Das ist etwas vom Coolsten, was es überhaupt gibt. Wir haben einen Torhüter, der nun gegen die Besten der Welt spielt, und ich bin gespannt, welche Erfahrungen er zurückbringt. Seine Leistungen in dieser Saison sind sehr gut. Ich denke, dass unsere auf diese Saison hin lancierte Drei-Torhüter-Strategie auch dank der Leistungen von Ewan Huet aufgegangen ist (er spielt bei Thurgau, kam wegen der Verletzungspause von Ludovic Waeber aber auch bei Kloten zum Zug, Anm. d. Red.).

Mark Severs emotionale Rückkehr nach Kloten

Das Klotener Eigengewächs Mark Sever spielte im letzten Spiel vor der Olympiapause mit Biel erstmals gegen seinen Stammverein. Der 21‑jährige slowenische Nationalstürmer mit Schweizer Lizenz war vor zwei Jahren in der U21‑Elit als Liga-Topskorer im Klotener Dress aufgefallen.

Anschliessend wurde Sever von den Seeländern verpflichtet, nachdem er von Kloten beziehungsweise vom damaligen Sportchef Larry Mitchell keine Vertragsofferte erhalten hatte.

Für Biel bestritt Sever inzwischen 13 Saisonspiele und insgesamt 14 Partien in der National League. Zusätzlich kam er für das Partnerteam Olten in der Swiss League zum Einsatz. In der laufenden Saison hält Sever bei zwei Toren und vier Assists für Biel.

Gegenüber dem «Stadt-Anzeiger» schilderte er seine Gefühle vor der Rückkehr nach Kloten: «Ich hatte lange auf dieses Spiel gewartet. Es war lange Zeit mein Daheim. Es kamen einige Gefühle in mir hoch, die ich hier in Kloten erlebt hatte.» Ungewohnt sei es gewesen, beim Einlaufen auf der linken Seite bei der Spielerbank Platz zu nehmen. Er habe unbedingt ein Tor erzielen und mit Biel gewinnen wollen. «Ich hatte das Gefühl, dass wir besser waren und wir das Spiel hätten gewinnen müssen.»

Sever hätte seine National-League-Karriere auch in Kloten starten können. Doch von den Zürcher Unterländern habe er damals nichts mehr gehört. «Ja, ich erwartete oder erhoffte schon etwas, denn meine letzte Saison in Kloten damals war gut.» Umso grösser sei die Erleichterung gewesen, als Biel auf ihn zugekommen sei. «Und ich bin auch sehr froh, dass ich nun unter Christian Dubé (seit fünf Spielen Biels Headcoach, Anm. d. Red.) vermehrt zum Einsatz komme (ein Tor und drei Assists in seinen ersten vier Spielen unter Dubé, Anm. d. Red.). Unter dem Strich war Biel für mich der richtige Entscheid.» Richard Stoffel