Es geht um weit mehr als Parkplätze
Braucht es die neue Parkplatzverordnung Airport City, um den Verkehr und damit die Fahrzeiten in Grenzen zu halten? Oder verdrängt sie Familien und Firmen aus dem Quartier? Endgültig entscheiden wird das Stimmvolk am 10. Mai.
Die Parkplatzverordnung für das Gebiet Airport City (PPV) erhitzt die Opfiker Gemüter spätestens seit der Parlamentssitzung, wo gleich nach der knappen Abstimmung (mit einem Ja mehr) das Behördenreferendum dagegen ergriffen worden war. Online, auf Plakaten, in der Zeitung und im Internet wird seither engagiert argumentiert.
Wie immer bei verkehrspolitischen Vorlagen steht für manche der Verdacht im Raum, es gehe gar nicht um ein Verkehrsproblem, sondern um Ideologien und die Bekämpfung des Autos an sich. Auch bei der PPV Airport City kritisieren die Bürgerlichen das Vorhaben als von linker Seite motiviert.
Der zuständige Stadtrat Bruno Maurer (SVP) betont aber, dass der Anstoss weder aus der einen noch aus der anderen politischen Ecke kam, sondern von der kantonalen Volkswirtschafts- und der Baudirektion: «Im Jahr 2013 führten die Gemeinden Kloten, Rümlang, Zürich (das sich später zurückzog, Anm. d. Red.) und Opfikon eine Gebietsplanung für diese Airport-Region durch, unter Federführung des kantonalen Amtes für Raumentwicklung sowie unter Mitwirkung der Grundeigentümer und verschiedener Fachstellen und der Zürcher Planungsgruppe Glattal», so Maurer gegenüber dem «Stadt-Anzeiger». Gemäss der damaligen Analyse des Kantons hätten mit der alten Parkplatzverordnung im schlimmsten Fall die letzten Grundstücke keine Baubewilligung mehr erhalten, weil das Verkehrssystem schon kollabiert und so die Erschliessung nicht mehr gewährleistet wäre. Eine aktuellere Analyse liegt nicht vor.
Ein Ziel der neuen PPV ist gemäss Maurer, den Verkehr flüssig zu halten, damit Handwerker, Mitarbeiterinnen, Kundinnen und Bewohner mit vernünftigem Zeitaufwand ans Ziel gelangen – indem alle, die nicht zwingend ins Auto müssen, zum ÖV gelenkt würden.
Der Kanton will zudem, dass mindestens die Hälfte des Mehrverkehrs infolge von Neu- oder Umbauten mit öffentlichem Verkehr oder auch zu Fuss und per Velo vonstattengehen muss. «Das ist in Opfikon aber längst erreicht», findet Richi Muffler, Präsident des Quartiervereins Glattbrugg und Gegner der PPV.
Maurer seinerseits kritisiert diese Verkehrszahlen als unvollständig und deshalb nicht belastbar: «Sie umfassen nur die Zupendler und nicht den wachsenden Binnenverkehr.» Eine bessere Zahl hat zwar auch er nicht, doch gehe es ja auch nicht um den bestehenden, sondern um den künftigen (Mehr-)Verkehr.
Mehr ÖV oder mehr Strassen?
Den Stau lässt Urban Husi als Argument nicht gelten, so der SVP-Präsident in seinem Leserbrief: «Stau entsteht nicht wegen Parkplätzen, sondern wegen fehlender Infrastruktur bei einer stetig wachsenden Bevölkerung.» Konkrete Zahlen, wie die Parkplatzzahl das Verkehrsaufkommen beeinflusst, hat auch Stadtrat Maurer nicht, sagt aber: «Je mehr Fahrzeuge hier abgestellt werden können, desto mehr fahren hierher.» Und zusätzlich so viele Strassen zu bauen, um das Verkehrsproblem so zu lösen, sei «illusorisch», findet Maurer. Schon die vergleichsweise schmale «Bikeline» für Velos werde im Finanzplan ständig nach hinten verschoben. Für neue Strassen müsse irgendjemand Boden hergeben, was niemand gerne tue.
FDP-Präsident Björn Blaser argumentierte in der erwähnten Gemeinderatssitzung, dass Glattbrugg für Firmen, die hier mehr als die Hälfte aller Steuern zahlen, mit weniger Parkplätzen unattraktiv würde. Maurer mag aber nicht von einem Parkplatzabbau sprechen. Insgesamt würden zwar bei Neu- und Umbauten weniger Parkplätze als bisher bewilligt – unter anderem wegen der Glattalbahn, deren Haltestellen kaum mehr als 300 Meter entfernt liegen (ZVV-Güteklasse A) –, die aber in der alten PPV noch gar nicht vorkamen. «Aber in der Summe mit den noch gar nicht bebauten Flächen werden es deutlich mehr Parkplätze als heute sein», schätzt Maurer.
Verteuert Mangel die Parkplätze?
Wenn der Markt spielt, dürfte ein kleineres Angebot Parkplätze zudem teurer machen. «Wir haben aber auch Investoren, die wegen des guten ÖV freiwillig oder auch aus Kostengründen weniger Parkplätze bauen – also etwa ein zweites Untergeschoss als Tiefgarage einsparen», so Maurer. So geschehen etwa an der Schaffhauserstrasse gleich am Rande der Airport City. «Aber auch im Glattpark wurden weniger Parkplätze beantragt, als den Investoren eigentlich zugestanden hätten.»
Verdrängt die PPV Familien?
«Familien werden aus dem Quartier verdrängt, weil deutlich weniger Familienwohnungen gebaut werden», hat Quartiervereinspräsident Richi Muffler aus der langjährigen Praxis in seinem Quartier festgestellt. Alle Familien in den rund 150 Wohnungen besässen mindestens ein Auto, viele sogar deren zwei: einen Familien-Van sowie ein Kleinfahrzeug, um den Doppelverdiener-Alltag zu bewältigen. «Bei der Ausschreibung einer Familienwohnung ist die erste Frage fast immer, ob Parkplätze vorhanden sind.» Ohne Parkplätze komme in den allermeisten Fällen kein Besichtigungstermin zustande. Warum wurde das beim Festlegen des Perimeters nicht berücksichtigt, wo doch die Airport City in erster Linie ein Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsgebiet ist? Der Perimeter basiere auf den Erschliessungsachsen Birch- und Schaffhauserstrasse – wobei die Haupterschliessung via Birch- und Flughofstrasse (mit Autobahnanschluss) erfolgen sollte, begründet Maurer die Grenzziehung. «Die Schaffhauserstrasse ist ein Nadelöhr, das nicht noch mehr Verkehr erträgt.» Und spätestens beim Hotel Mövenpick verschwimme die Grenze zwischen Wohnen und Arbeiten, und auch der Kanton hätte eine Grenzziehung dort kaum bewilligt. Zudem könne man unterschiedliche Parkplatzzahlen für Wohn- und Arbeitsgebiete in einer PPV abbilden.
Den unter anderem von Patrick Rouiller (Die Mitte) befürchteten Anreiz, dass Investoren kleine Wohnungen bauen, weil sie für grosse auch nicht mehr Parkplätze bekommen, sieht Maurer nicht: «Heute werden grundsätzlich kleinere Wohnungen gebaut – unabhängig von den möglichen Parkplätzen.» Zudem seien grosse nicht zwingend Familienwohnungen, sondern würden häufig als Wohngemeinschaften genutzt.
Was passiert bei einem Nein?
Falls die neue PPV am 10. Mai vom Opfiker Stimmvolk abgelehnt wird, tritt wieder die alte an ihre Stelle, die mehr Parkplätze erlaubt. Maurer vermutet aber, dass bei der anstehenden Gesamtrevision der Bau- und Zonenordnung (BZO) Opfikons der Kanton darauf pochen könnte, die verbesserte ÖV-Erschliessung zu berücksichtigen. «Ich gehe davon aus, dass wir die BZO auf dasselbe Niveau bringen müssten wie jetzt die PPV Airport City, wenn nicht sogar höher.» Eine 2026 aktualisierte PPV hätte gemäss Maurer eine gewisse Planbeständigkeit.
Die Argumente des Pro-Komitees