Entspannt spazieren dank Schorsch-App

Karin Steiner

Auf Hundespaziergängen lauern diverse Unannehmlichkeiten und Gefahren wie Schiesslärm, Blaualgen, Giftköder, Scherben und vieles mehr. Sebastian Waldburger hat eine kostenlose App entwickelt, die schweizweit rechtzeitig vor verschiedenen Bedrohungen für den Hund warnt.

Schorsch, der Border Collie von Sebastian Waldburgers Mutter, reagiert panisch auf Schiesslärm. «Alle Kantone melden offiziell, wann und wo geschossen wird», erzählt Sebastian Waldburger. «Ich habe Anfang Jahr eine Weiterbildung im Bereich KI gemacht und konnte das Smartphone meiner Mutter so einrichten, dass sie jeden Tag eine Meldung über anstehenden Schiesslärm bekommt. Einige aus meiner Klasse fanden das toll und baten mich, es bei ihnen auch einzurichten. Das war mir denn doch zu aufwendig, und so beschloss ich, eine App zu entwickeln, auf welcher der Schiesslärm in den verschiedenen Regionen aktuell angezeigt wird.»

Intensives Selbststudium

In nächtelanger Arbeit tüftelte der gelernte Wirtschaftsfachmann neben dem Vollzeitjob als Servicemanager an seiner App und probierte sie aus. Rund 500 Franken hat der Opfiker, der in Wallisellen aufgewachsen ist, in sein Projekt für verschiedene benötigte Dienstleistungen und Server gesteckt. Nach und nach baute er das Angebot aus mit verschiedenen anderen Gefahrenmeldern wie über Blaualgen, vergiftete Köder, Feuerwerk, Glasscherben, Fallen, Wespennester, Eisflächen, gesperrte Wege, Gewitter und vieles mehr, und auch vermisste Hunde können über die App gemeldet werden. Ein allgemeiner Gefahrenkalender macht auf saisonale Bedrohungen wie Zecken, Hitze, Giftpilze und Streusalz aufmerksam und erklärt, was zu tun ist.

«Danach folgte die Alphatestphase mit ausgewählten Personen», sagt er. «Diese ist abgeschlossen. Jetzt ist die App halb öffentlich, das heisst, Interessierte können sich über die Website www.schorsch-app.ch anmelden und bekommen einen Zugang. Vorerst funktioniert die App nur für Android, für iPhone kann man sich auf eine Warteliste setzen lassen. Nächstes Ziel ist es, dass die App über den App-Store heruntergeladen werden kann.»

Schweizweite Meldungen

Kernstück der App ist eine Landeskarte. Die App erkennt den jeweiligen Standort der Person und zeigt Meldungen in der näheren Umgebung an. So kann man auch in den Ferien in anderen Kantonen die Hundespaziergänge überprüfen. Abgesehen von den öffentlichen Schiesslärm-Daten stammen die Meldungen von der Community für die Community. Hundehaltende aus der ganzen Schweiz melden, was ihnen wo begegnet ist. Wenn ein Nutzer beispielsweise einen Giftköder entdeckt, meldet es dies mit entsprechendem Standort und wenn möglich mit Foto. Ein weiterer Nutzer, der zu der Stelle kommt, kann die Meldung bestätigen oder ablehnen, etwa, wenn der Giftköder inzwischen entfernt wurde. Sebastian Waldburger kann die Meldungen nicht überprüfen.

Die Nutzerinnen und Nutzer können selbst entscheiden, welche Meldungen sie angezeigt oder als Echtzeit-Push erhalten möchten. Ein morgendlicher Tagescheck fasst zusammen, über welche Gefahren man benachrichtigt werden möchte.

Datenschutz gewährleistet

Sebastian Waldburger legt grossen Wert auf Datenschutz. Gespeichert werden lediglich die Mailadresse, der letzte Standort und eigene Meldungen. Aber alles kann man jederzeit löschen. «Die Bilder und die Texte werden mit Hilfe von speziellen Programmen auf anstössigen Inhalt gescannt und mir gemeldet», sagt Sebastian Waldburger, «falls nötig, werden sie sofort gelöscht.» Alle Daten werden ausschliesslich für den Betrieb der App genutzt.

Die Schorsch-App ist kostenlos und wird ohne Abo und ohne Werbung verfügbar sein. Der geplante Release ist am 14. August 2026. «Ich verdiene kein Geld damit, für mich ist es ein Hobby», so Sebastian Waldburger. «Ich habe kein Budget für Werbung. Ich hoffe, dass die Community durch Mund-zu-Mund-Werbung wächst.»

Mit der Zeit will der 31-Jährige die App laufend ergänzen und verbessern. «Es gehen viele Inputs von Leuten ein. Man könnte zum Beispiel auf anstehende Hundeevents hinweisen, auf Hundeschulen und auf Tierärzte. Interessant wäre es auch, wenn Tierärzte selbst auf in der Region grassierende Krankheiten wie Zwingerhusten, Durchfall oder auffallenden Wurmbefall hinweisen würden.»

Weitere Informationen: www.schorsch-app.ch