Eberhard baut an Zürichs Visitenkarte

Lorenz Steinmann

Die Glattaler Baufirma Eberhard baut die Rathausbrücke in Zürich neu. Speziell ist, dass die alte Brücke aufbereitet wird und als Ausgangsstoff für neuen Beton dient. Zudem lagert eine klimafreundliche Technologie CO₂ im Beton ein.

Der in den charakteristischen Eberhard-Firmenfarben Wasserblau-Gelb gehaltene Raupenkran ächzt. Das 130 Tonnen schwere Ungetüm steht mitten auf der Rathausbrücke in Zürich und zieht erstaunlich behutsam zwei dicke, violette Metallketten in die Höhe. Der gegen zehn Meter lange, 18,5 Tonnen schwere Betonbalken an den Ketten wird zu einem Lastwagenanhänger gezirkelt und fast millimetergenau abgelegt. Der Betonbalken wurde vorher aus dem Boden der Gemüsebrücke über der Limmat gefräst. Nun wird er nach Rümlang transportiert, wo er auf dem Firmenareal zerhäckselt und zu Recyclingbeton wird.

Arbeiten in toller Umgebung

Sichtlich zufrieden zeigt sich Patrick Eberhard auf der Grossbaustelle. Das Grossmünsters und das berühmte Nobelhotel Storchen sind keinen Steinwurf entfernt. «Unsere Leute sind sehr stolz, hier arbeiten zu dürfen», weiss der 38‑jährige CEO der Eberhard Unternehmungen AG. Der gelernte Strassenbauer und diplomierte Bauingenieur leitet das Unternehmen seit 2024 in dritter Generation. Für ihn ist der Grossauftrag der Stadt Zürich schon fast einmalig. «Wasserbau, Brückenbau. Und das in dieser tollen Umgebung. Das erlebt man nicht jeden Tag.» Mit einem Schmunzeln im Gesicht erinnert sich Patrick Eberhard daran, wie er vor 20 Jahren schon einen Teil seiner Lehrzeit hier verbrachte: «Damals wurde das Limmatquai von meiner Lehrfirma neu gestaltet.» Er war 2006 bei Walo Bertschinger in der Ausbildung zum Strassenbauer.

Beton als Klimaproblem

Seither haben sich die Technologien beim Schliessen des Baustoffkreislaufs weiterentwickelt. Dies ist relevant, da Beton das Baumaterial Nummer eins der Welt ist. Daher hat dieser Baustoff auch ein Ressourcen- und Klimaproblem. Die Firma Eberhard war bereits dabei, als 2006 erste Gebäude aus Recyclingbeton in der Stadt Zürich gebaut wurden. Also inklusive aufbereiteten Betonabbruch. Doch dem Unternehmen war es wichtig, nicht nur einen Beitrag zur Ressourcenschonung zu leisten, sondern auch zum Klimaschutz. Entsprechend lancierte die Firma vor fünf Jahren mit Zirkulit den ersten zirkulären Beton. «Die Rezeptur hat einen grösstmöglichen Sekundärrohstoffanteil, kombiniert mit einem minimalen CO₂-Fussabdruck», erklärt Patrick Eberhard. Um diesen zu erreichen, wird die Rezeptur durch anspruchsvolle Aufbereitung optimiert, es wird ein CO₂-armer Zement eingesetzt, und als weiterer Schritt wird im aufgebrochenen Betonabbruch CO₂ eingelagert. Dies ist eine der wenigen Negativemissionstechnologien, welche in der Schweiz verfügbar sind. Inzwischen ist dieses Verfahren auch vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) zugelassen. In Rümlang werden täglich immerhin rund 4 Tonnen CO₂ gespeichert. Das entspricht in etwa einem Retourflug Zürich–New York.

Der Hochwasserschutz

Dieses Einbinden von Kohlendioxid ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt zu mehr Klimaschutz. Dabei ist das sich wandelnde Klima mit vermehrtem Starkregen ein Grund des Neubaus der Rathausbrücke. Damit die Limmat künftig mehr Wasser abführen kann, wird das Flussbett vertieft und die neu Brücke höher gebaut. Daneben waren aber auch ästhetische Gründe ausschlaggebend. Zürich wollte eine neue, schickere Brücke, die nicht mehr den Groove der 1970er-Jahre ausstrahlt. Dies ist sicher auch ein Grund, warum der Objektkredit immerhin 76 Millionen Franken beträgt, fast einen Drittel mehr als ursprünglich vorgesehen.

Die andere Art von Hafenkran

Speziell an den Bauarbeiten ist, dass der eingangs erwähnte Raupenkran, obwohl grundsätzlich sehr manövrierfähig, mit seinen 130 Tonnen Gewicht nicht überall stehen kann. Denn die Brücke hat ein Lastenlimit von 36 Tonnen. Damit der Kran die Brücke nicht durchbricht, steht er auf zwei Stahlträgern und Stahlplatten. So wird das Gewicht auf die Querträger der Brücke verteilt.

Der Abbau der ersten Brückenhälfte ist abgeschlossen. Der Abbau der östlichen Brückenhälfte ist für das kommende Jahr vorgesehen. Danach wird ein Gerüst erstellt. Im Winter 2027/28 solle der Einbau der neuen Brückenplatten folgen. Nach der Eröffnung der neuen Brücke folgen letzte Arbeiten im Fluss sowie der Rückbau der Hilfsinstallationen, darunter des Hochbaukrans, der auf einem eigenen Plateau neben dem Café Rathaus steht. Er erinnert an den Hafenkran, eine Kunstaktion mit einem Original-Hafenkran vor 12 Jahren aus Rostock.

Doch zurück zum Hier und Heute. Seit Januar 2026 und noch die nächsten drei Jahre ist die Firma Eberhard aus Kloten mitten in Zürich omnipräsent. Als Aushängeschild einer schweizweit berühmten Unternehmung aus der Flughafenstadt.