Dr. Gamble: Alle Augen auf die (Würfel-)Augen

Thomas W. Enderle

Wir Menschen sind nicht besonders gut, wenn es darum geht, Wahrscheinlichkeiten abzuschätzen. So braucht es lediglich 23 Personen, damit es wahrscheinlicher ist als nicht, dass zwei am gleichen Tag Geburtstag haben. Umgekehrt ist es oft bei Glücksspielen, denn wer rational agiert, würde wohl nicht auf den Lotto-Jackpot hoffen. Hier liegen die Chancen bei 1 zu 34 Millionen!

Beim Würfelspiel «Biddle» geht es zwar nicht um säckeweise Geld, aber immerhin um den Sieg. Über zehn Runden versucht man, das Risiko richtig einzuschätzen, und hofft auf das Glück im richtigen Moment.

Zu Beginn jeder Runde gibt eine aufgedeckte Aufgabenkarte eine Bedingung vor, wie das Ergebnis von sechs Würfeln aussehen soll. Soll eine Strasse von 1 bis 6 gewürfelt werden oder drei beliebige Paare? Soll die Summe aller Augen durch drei teilbar sein oder keine 2, 3, 4 oder 5 enthalten?

Der Startspieler gibt nun an, mit wie vielen Würfen er die Aufgabe erfüllen  will, und stellt seinen Spielstein auf die Zahl des Biettableaus. Reihum muss nun jeder entscheiden, ob man mitgeht, aussteigt oder unterbietet, und setzt seinen Spielstein aufs entsprechende Feld. Dies läuft so lange, bis ­mindestens jemand ausgestiegen ist und alle anderen auf dem gleichen Feld sind. Damit endet die Bietphase.

 

«Obwohl man alleine gewinnen möchte, sorgt die Bietrunde für neue Schicksals­gemeinschaften.»

Thomas Enderle, Spieletester

 

Nun müssen die Mutigen liefern und die Aufgabe in der behaupteten Anzahl Würfen erfüllen. Dabei darf man – wie beim Yatzy – nach jedem Wurf entscheiden, welche Würfel man neu wirft. Schaffen sie es, landen sie auf dem Wertungstableau in der rechten Punkteleiste – und die Zweifler müssen ihre Spielsteine entfernen. Ist die Aufgabe nicht erfüllt, gehen die Mutigen leer aus und die Zweifler erhalten Punkte. Dabei gibt es immer mehr Punkte für erfolgreiche Würfler als für zurückhaltende Zuschauer. Auch steigen die Prämien von Runde zu Runde an. Nach einer Runde wird eine neue Aufgabe gezogen und das Bieten beginnt von vorne. Wer nach zehn Runden die meisten Punkte einheimsen konnte, gewinnt.

Dr. Gamble meint: «Biddle» lebt davon, dass man immer wieder sein Glück herausfordern möchte. Und dass man sich gegenseitig während des Bietens auch gern anstachelt. Beim Würfeln beobachten alle gespannt, ob’s klappt oder nicht. Nicht selten gab’s in Testrunden freudige Jauchzer und enttäuschtes Stöhnen gleichzeitig, wenn beide Teams den letzten Wurf gebannt verfolgten. Auch schön, dass man dabei oft die Fronten wechselt. Denn obwohl man alleine gewinnen möchte, sorgt die Bietrunde dafür, dass stetig neue Schicksalsgemeinschaften entstehen. Dabei sind die Aufgaben wirklich schwer einzuschätzen: Wie einfach ist es, mit sechs Würfeln einen Wert zwischen 20 und 25 zu würfeln? Dabei verleitet die Punktetafel oft zum Risiko. Natürlich spielt Glück eine grosse Rolle. Das gefällt nicht jedem. Und einigen könnte bei «Biddle» die spielerische Tiefe fehlen. Doch mit der kurzen Spieldauer, den einfachen Regeln und der Tatsache, dass alle stets was zum Mitfiebern haben, dürfte es für viele Spielrunden eine ­lockere Abwechslung sein.

«Biddle», Ralf zur Linde & Carsten Rohlfs, Amigo-Spiele, 2–5 Spieler, ab 8 Jahren.