Der Swissair-Geist lebt weiter
Auch dieses Jahr war der Flughafen-Flohmarkt ein voller Erfolg: Alle 420 Standplätze waren im Voraus vergeben, die Besucher strömten am Samstag in Scharen zum Holberg. Auch dieses Jahr wieder war die Nostalgie für die gute alte Swissair-Zeit deutlich zu spüren.
Der Flughafen-Flohmarkt auf dem Militär-Fahrschulplatz Oelberg unterhalb des Holberges zieht Jahr für Jahr Tausende an. Kaum waren die Anmeldungen offen, waren sämtliche Plätze vergeben. 420 Standbetreiberinnen und -betreiber aus dem ganzen Kanton Zürich und weit darüber hinaus fanden sich ein – darunter rund 120 Mitarbeitende des Flughafens sowie 70 Klotenerinnen und Klotener, die bei der Platzvergabe traditionell Vorrang geniessen.
«Der Flughafen-Flohmarkt ist einer der wenigen in der Schweiz, bei dem man mit dem Auto direkt zum Stand fahren und dort parkieren kann», erklärt Willy Sonderer, Präsident des gemeinnützigen Klotener Vereins, hinter dem Anlass. Schon früh am Morgen seien die ersten Händler unterwegs gewesen, um besondere Stücke zu sichern – kurz darauf folgten die Besucherinnen und Besucher in Scharen.
Einige Besucherinnen und Besucher genossen aber einfach die Atmosphäre und flanierten durch die Stände, ohne etwas zu kaufen. Andere tauschten sich mit ehemaligen Swissair-Mitarbeitenden aus. «Die ursprüngliche Swissair-Atmosphäre gehört zwar der Vergangenheit an, ist aber nach wie vor zu spüren», hält Sonderer fest. Der Flohmarkt sei immer noch ein Treffen von Swissair-Liebhabern.
70 Stände von Klotenern
Die Standbetreiber kamen teilweise von weit her. Flughafen-Mitarbeitende und Klotener haben aber Vorrang bei der Vergabe der Standplätze. Dieses Jahr hat es rund 120 Stände von Mitarbeitenden und 70 Stände von Klotenern. Das vielfältige Angebot reicht von Kleidern, Schuhen, Geschirr, Spielsachen über Dekorationen, Schmuck, Autos und Flugzeugen zum Aufstellen bis zu zahlreichen Trouvaillen. Lebensmittel dürfen nicht angeboten werden, ebenso keine Heil- und Kosmetikartikel, Tiere und lebende Pflanzen. Zum Flughafen-Flohmarkt gehört auch das Feilschen um die Preise. «Das ist ganz selbstverständlich», meinte Standbetreiber Hans Rudolf Bütikofer.
Flughafen-Kollegen treffen sich
Vor einigen Ständen bilden sich lange Warteschlangen, vor anderen ist es eher ruhig. Einige Standbetreiberinnen und -betreiber sind seit 20 Jahren dabei, andere sind zum ersten Mal da. Hans Rudolf Bütikofer, ehemaliger Swissair-Mitarbeiter, ist immer zugegen. «Ich bin sehr zufrieden mit dem Verkauf», meint er bereits am Morgen. Er bietet unter anderem eine grosse Auswahl an Autos zum Aufstellen an, darunter auch antike. «Wir waren seit einigen Jahren nicht mehr dabei, aber jetzt hatten wir viele Sachen gehortet, weshalb wir wieder da sind», hält Claudia Fischer aus Kloten fest. «Es läuft hier immer etwas.» Ihr Angebot ist kunterbunt. Etwas enttäuscht ist sie, dass am Morgen früh nicht mehr Händler auftauchten. Auch Brigitte Roulet aus der Stadt Zürich nimmt regelmässig am Flohmarkt teil. «Das Interesse der Besucherinnen und Besucher hängt vom Angebot ab», meint sie. Sie bietet unter anderem antiken Weihnachtsschmuck an. Mit dem Verkauf zeigte sie sich zufrieden.
Die goldenen Engel aus Pappmaché fallen den Besucherinnen und Besuchern auf. Es ist allerdings nicht ganz einfach, diese zu transportieren. «Wenn Käufer sie vor Ort lassen wollen, bis sie den Flohmarkt verlassen, ist dies ohne weiteres möglich», meint das Klotener Paar, das nicht namentlich genannt werden will. «Nicht berühren» heisst es derweil am Stand von Reto Wirth aus Neerach. Er bietet Flugzeuge zum Aufstellen. Zu finden sind solche von Swissair, Belair, Swiss, Pan Am und anderen Fluggesellschaften, aber auch eine Concorde ist darunter. «Ich habe 20 Jahre am Flughafen gearbeitet», meint er. «Und ich bin seit 25 Jahren am Flohmarkt, auch um ehemalige Kollegen zu treffen.» Wer diese Flugzeuge kauft, muss allerdings Fan sein, denn billig sind sie nicht. «Die Leute staunen manchmal, wenn ich ihnen den Preis nenne», sagt Wirth.
Thomas Koch und Walter Hangartner sind erstmals dabei. Sie verkaufen handgefertigte Ware für den Verein Erlebnistrotte Eglisau. «Es läuft gut», meinte Koch, Präsident des Vereins. Despi Mantadakis und Scott Jäggi aus Kloten, seit zehn Jahren regelmässig dabei, bieten eine Fülle von Artikeln an. «Wir haben ein grosses Lager», meinen sie. Die Kleider würden besonders gut laufen.
Ware, die nicht verkauft wird, aber brauchbar ist, kann nach dem Flohmarkt für einen guten Zweck gespendet werden. Sie wird nach Bulgarien geliefert. Dass alles so gut läuft, ist dem OK zu verdanken. «Der Aufwand ist gross, auch wegen der zahlreichen Auflagen», meinte Sonderer. Der siebenköpfige Vorstand und die Helferinnen und Helfer seien voll im Einsatz. «Ich bin sehr zufrieden.»
Reto Wirth aus Neerach ist seit 25 Jahren am Flohmarkt dabei. Hier trifft er auch viele seiner ehemaligen Flughafen-Kollegen. Bilder Pia Meier
Claudia Fischer aus Kloten: «Es läuft hier immer etwas.»
Despi Mantadakis und Scott Jäggi: «Die Kleider erfreuen sich grosser Nachfrage.»
Vereinspräsi Willy Sonderer ist sehr zufrieden.