Das sind die neuen Hoffnungsträger
Zwei Neuzugänge, zwei unterschiedliche Geschichten: Simon Johansson und Arttu Ruotsalainen sollen den EHC Kloten sportlich weiterbringen. Der «Klotener Anzeiger» hat mit beiden über ihre Erwartungen, ihre Entwicklung und ihre Ziele mit dem EHC Kloten gesprochen.
Mit Simon Johansson und Arttu Ruotsalainen verstärken zwei neue Imports mit ganz unterschiedlichen Geschichten den EHC Kloten. Während der schwedische Verteidiger als punktbester Verteidiger der finnischen Liga ins Zürcher Unterland wechselt und aus einer hockeyverrückten Familie stammt, kehrt Arttu Ruotsalainen an seine frühere Wirkungsstätte zurück. Der «Klotener Anzeiger» sprach nach dem ersten Eistraining der unmittelbaren Saisonvorbereitung ausführlich mit den beiden Neuzugängen.
Simon Johansson (27) gehörte in der vergangenen Saison zu den herausragenden Verteidigern der finnischen Liga. Mit seiner Offensivstärke war er der punktbeste Verteidiger der Meisterschaft – genau wie sein schwedischer Landsmann Max Lindroth ein Jahr zuvor bei einem anderen Klub. Nun sollen die beiden gemeinsam im gleichen Team die Klotener Defensive und das Powerplay massgeblich mitsteuern.
«Johansson ist ein idealer Baustein»
Sportchef Ricardo Schödler beschreibt Johansson als idealen Baustein für die Weiterentwicklung der Mannschaft. «Simon ist ein spielstarker Offensivverteidiger mit sehr guten technischen Anlagen und Stärken im Überzahlspiel und in der Spieleröffnung.» Ausschlaggebend seien auch die guten Gespräche mit Sportchef Ricardo Schödler gewesen. Für Johansson sprach vieles für einen Wechsel in die Schweiz. «Es war eine bei Möglichkeit für mich, in die Schweizer National League zu kommen. Ich verstehe, dass hier in Kloten etwas aufgebaut wird. Und ich bin froh, dabei mitzugehen und etwas beizutragen, um das Team erfolgreicher zu machen. Ich hoffe, dass Kloten wieder so gut wird wie vor vielen Jahren.»
Der 1,88 Meter grosse Schwede bereitete sich wie in den vergangenen fünf Jahren in Stockholm auf die Saison vor. Dort trainierte er gemeinsam mit rund zehn Landsleuten, die in Schweden, Finnland und Nordamerika bis hin zur NHL beschäftigt sind. «Es ist ein lustiger Mix von Spielern aus diversen Ligen. Wir pushen uns da jeweils gegenseitig.» In Kloten traf Johansson mit Max Lindroth zudem sofort auf einen Landsmann. Johansson war denn auch froh, dass mit Lindroth und Stürmer Pontus Aberg gleich zwei Landsleute im Team sind. Der Verteidiger gehörte bereits im Mai, als die ersten physischen Tests stattfanden, zu seinen wichtigsten Ansprechpartnern. Die beiden kennen sich bereits aus der finnischen Liga, wo sie sich noch vor zwei Jahren als Gegner gegenüberstanden – Johansson mit Ilves Tampere, Lindroth mit TPS Turku.
Für Aufsehen sorgte Johansson in der vergangenen Saison zudem in der Champions Hockey League. Beim 7:4-Auswärtssieg von Ilves Tampere gegen die Belfast Giants setzte er zu einem Sololauf aus der eigenen Defensivzone an und schloss dann mit einem spektakulären Treffer ins Lattenkreuz ab, der zu den schönsten Toren der gesamten Champions-League-Saison gezählt wurde.
«Es war eine aufregende Möglichkeit für mich, in die Schweizer National League zu kommen. Ich verstehe, dass hier in Kloten etwas aufgebaut wird. Und ich bin froh, etwas beizutragen, um das Team erfolgreicher zu machen. Ich hoffe, dass Kloten wieder so gut wird wie vor vielen Jahren.»
Simon Johansson (27) Verteidiger EHC Kloten
Johanssons Familie lebt Eishockey
Ein weiteres vertrautes Gesicht trifft Johansson auch im Trainerstab wieder. Mit Goaliecoach Markus Korhonen arbeitete er bereits während seiner zwei Jahre bei Ilves Tampere zusammen. Nun unterschrieben beide praktisch zeitgleich einen Zweijahresvertrag beim EHC Kloten.
Nicht nur auf dem Eis bringt Simon Johansson viel Qualität mit – auch seine Familiengeschichte ist geprägt vom Eishockey. Der 1,88 Meter grosse Verteidiger stammt aus einer Familie mit einer ausgeprägten Hockey-DNA.
Sein Vater Thomas (55) spielte viele Jahre als Profi in Schweden und lief auch für das Nationalteam auf – ein Ziel, das Simon Johansson bislang noch nicht erreicht hat. Sein Cousin Alexander Wennberg (31) steht in der NHL bei den San Jose Sharks unter Vertrag. Auch die beiden jüngeren Brüder Anton (22) und Victor (20) schlugen die Profilaufbahn ein. Victor spielt in der kommenden Saison für Brynäs, Anton steht bei Grand Rapids in der AHL unter Vertrag und hofft auf den Sprung zu den Detroit Red Wings in die NHL. «Ich versuchte immer, ein Vorbild für sie zu sein, dass sie zu mir aufschauen können. Aber sie konnten mich auch immer kontaktieren und mit mir sprechen, wenn es um etwas ging, was sie vielleicht mit den Eltern nicht besprechen konnten oder wollten.» Gleichzeitig sei der Wettbewerb unter den Brüdern von klein auf enorm gewesen. Bereits als Kinder hätten sie sich auf dem Eis ständig gemessen.
«Wir spielten vom jeweiligen Ende des Schulalltags, bis unsere Mutter uns holte und sagte, es sei nun Zeit, ins Bett zu gehen.» Ob Hockey oder eine andere Sportart – gewinnen wollte jeder. Rollerskates, ausgediente Matratzen und alles, was sich zum Spielen als Bande oder Tor eignete, kamen im und um das Eigenheim zum Einsatz.
Kaum konnten sich die Brüder auf den Beinen halten, lieferten sie sich bereits ihre ersten Hockeyduelle. Das gegenseitige Pushen habe sich letztlich ausbezahlt. «In Sachen Hockeykarriere sind wir alle glücklich, wie sich unsere Karrieren bis anhin entwickelt haben.» Johansson hofft nun, diesen Prozess in Kloten fortzusetzen und gemeinsam mit seinen neuen Teamkollegen den nächsten Schritt zu machen.
Ruotsalainen kehrt gereift zurück
Für Arttu Ruotsalainen (28) bedeutet die Rückkehr zum EHC Kloten weit mehr als nur einen Vereinswechsel. Der finnische Stürmer gehörte bereits in der ersten Saison nach dem Wiederaufstieg (2022/23) zu den prägenden Figuren der Flughafenstädter und trug entscheidend dazu bei, dass Kloten damals den 9. Rang erreichte und sich für die Pre-Playoffs qualifizierte.
Mit 18 Toren und insgesamt 42 Skorerpunkten in 52 Qualifikationsspielen gehörte er zu den offensiven Schlüsselspielern. Vor allem im Powerplay war Ruotsalainen ein Faktor, denn die Hälfte seiner Treffer erzielte er in Überzahl.
Nun kehrt der Finne als Champions-League-Gewinner mit dem schwedischen Topteam Frölunda ins Zürcher Unterland zurück. Mit Ausnahme der Saison 2021/22 stand der 1,75 Meter grosse Stürmer seit 2018 in jeder Spielzeit auch für einige Länderspiele im Aufgebot des finnischen Nationalteams. An einer A‑Weltmeisterschaft nahm er bislang einmal teil und gewann 2021 mit Finnland die Silbermedaille.
Ob ihm nach dem WM-Titel Finnlands in diesem Frühjahr nun die Rückkehr ins Nationalteam und vielleicht sogar die Teilnahme an der WM 2027 in Deutschland gelingt, wird sich zeigen. Ruotsalainen selbst richtet den Blick vorerst ganz auf seine Rückkehr nach Kloten. «Ich habe gute Erinnerungen an Kloten. Und ich bin happy, hier zurück zu sein. Ich bin aufgeregt und hochmotiviert für die neue Saison.»
Diesmal als Vater in Kloten
Er sei überzeugt, dass sich der Klub seit seinem letzten Engagement weiterentwickelt habe. «Ich denke, Kloten ist zwar kein grosser Verein, aber die tägliche Arbeitseinstellung im Verein ist top. Das stimmt mich zuversichtlich.»
Auch Sportchef Ricardo Schödler ist überzeugt, dass Ruotsalainen heute nochmals kompletter sei als bei seinem ersten Engagement in Kloten. Der Finne selbst sieht seine Rolle inzwischen ebenfalls etwas anders. «Von mir selbst erwarte ich auch viel Leadership. Und ich will dort anknüpfen, wo ich in Kloten seinerzeit aufgehört hatte.» Damit allein will er sich allerdings nicht zufriedengeben. «Hoffentlich kann ich mich weiter verbessern und in dieser Hinsicht den einen oder anderen Teamkollegen mitnehmen. Wenn ich durch Leistung überzeuge und ein Vorbild sein kann, werden mir die Mitspieler folgen.» Ruotsalainen ist überzeugt, heute mehr Erfahrung und Reife mitzubringen als noch bei seinem ersten Engagement in Kloten. Einen wichtigen Anteil daran hat auch sein Privatleben. Vor gut 14 Monaten wurde Sohn Lukas geboren. «Daraus ergibt sich natürlich eine völlig neue Perspektive.»
Playoffs als klares Ziel
Für die kommende Saison hat sich Ruotsalainen klare Ziele gesetzt. Sein Ziel sei es zunächst, das Vertrauen von Headcoach Michael Liniger zu gewinnen, um möglichst in allen Spielsituationen zum Einsatz zu kommen und der Mannschaft helfen zu können. Gleichzeitig spüre er in der Garderobe eine Aufbruchstimmung.
Und er sagt: «Die Organisation hat seit meinem letzten Engagement hier einen Schritt nach vorne getan. Jetzt müssen wir auf dem Eis alles daran setzen, die engen Spiele, die in der letzten Saison verloren gingen, wieder vermehrt zu gewinnen.» Ein persönliches Ziel sei das Erreichen der Playoffs.
Dabei sieht Ruotsalainen einen entscheidenden Vorteil im Königstransfer auf der Torhüterposition. Mit Reto Berra verfüge Kloten über einen Goalie, der gerade in den engen Partien den Unterschied ausmachen könne. Der langjährige Nationalkeeper und frühere NHL-Goalie könne der Mannschaft gerade in entscheidenden Momenten zusätzliche Stabilität verleihen.
Mit Johansson und Ruotsalainen verpflichtete der EHC Kloten zwei Spieler, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Der eine soll als offensivstarker Verteidiger mit seiner Spielübersicht und Technik Akzente setzen, der andere als erfahrener Rückkehrer und Leader vorangehen. Was beide trotz ihrer unterschiedlichen Profile vereint, ist ihr Potenzial, Kloten sportlich massgeblich weiterzubringen. Gemeinsam verkörpern sie jene Mischung aus Qualität, Erfahrung und Ambitionen, mit der die Zürcher Unterländer in der kommenden Saison den nächsten Schritt machen wollen.