Boom nur bei privaten Spitex-Anbietern

Tobias Stepinski

Private Spitex-Anbieter gewinnen in Opfikon stark an Bedeutung, während das Leistungsvolumen der städtischen Spitex weitgehend konstant bleibt. Die Stadt kann wenig dafür.

In Opfikon hat sich die ambulante Pflege in den letzten Jahren deutlich verschoben. Während die gemeinnützige Spitex der Stadt ein weitgehend stabiles Leistungsvolumen aufweist, wächst der Anteil privater Anbieter stark. Diese Entwicklung hat im vergangenen November auch die Politik beschäftigt: Gemeinderat Thomas Wepf (SP) reichte eine Anfrage ein und verlangte vom Stadtrat Auskunft darüber, weshalb private, gewinnorientierte Spitex-Organisationen einen immer grösseren Teil der Pflegeleistungen übernehmen und welche Konsequenzen die Stadt daraus zieht.

Rückgang bei der städtischen Spitex

In seiner Antwort bestätigt der Stadtrat den von Wepf angesprochenen Trend. Die von privaten Spitex-Organisationen verrechneten Pflegestunden nahmen in Opfikon deutlich zu: von rund 45 7o0 Stunden im Jahr 2023 auf über 61 oo0 Stunden im Jahr 2024. Für das laufende Jahr rechnet die Stadt, hochgerechnet auf Basis der Zahlen bis August, mit 85 o00 Stunden. Demgegenüber blieb das Leistungsvolumen der Spitex Opfikon mit knapp 18 5oo Stunden im Jahr 2024 und voraussichtlich 19 600 Stunden im Jahr 2025 weitgehend konstant. Der Anteil der Spitex Opfikon sowie anderer beauftragter Organisationen an allen verrechneten Pflegestunden sank von rund 36 Prozent im Jahr 2023 auf noch etwa 23 Prozent im Jahr 2025.

Der Stadtrat weist zudem darauf hin, dass in Opfikon eine sehr grosse Zahl privater Anbieter tätig ist. Im Jahr 2024 rechneten rund 80 verschiedene private Spitex-Organisationen und freiberufliche Pflegefachpersonen Leistungen ab, 2025 waren es bis Mitte August bereits rund 100 verschiedene Betriebe. Diese Entwicklung habe dazu geführt, dass «eine Vielzahl unterschiedlicher Organisationen und Einzelpersonen Pflegeleistungen erbringen», was die Steuerung erschwere, hält der Stadtrat in seiner Antwort fest.

Ambulant vor stationär

Als Hauptursachen nennt der Stadtrat strukturelle Faktoren, die über Opfikon hinausreichen. Seit Jahren werde das Prinzip «ambulant vor stationär» verfolgt, mit dem Ziel, Menschen möglichst lange zu Hause statt in Heimen zu pflegen. Einen besonders starken Effekt habe zudem die Pflege durch Angehörige. In seiner Antwort spricht der Stadtrat vom «Boom pflegender Angehöriger».

Auslöser dafür sei ein Bundesgerichtsurteil aus dem Jahr 2019. Seither können pflegende Angehörige unter bestimmten Voraussetzungen Leistungen der Grundpflege über die obligatorische Krankenpflegeversicherung abrechnen, sofern sie bei einer Spitex-Organisation angestellt sind. Diese Möglichkeit werde «insbesondere von privaten Spitex-Organisationen genutzt» und habe wesentlich zur Zunahme der ambulanten Pflegeleistungen beigetragen.

Gleichzeitig verweist die Stadt darauf, dass die Rahmenbedingungen seit 2026 verschärft sind. Für die Angehörigenpflege gelten neue Vorgaben, darunter Mindestanforderungen an die Ausbildung, eine engere fachliche Begleitung durch diplomiertes Pflegepersonal sowie die Pflicht zur separaten Ausweisung der von Angehörigen erbrachten Pflegestunden. Ziel dieser Anpassungen ist es laut Stadtrat, «Qualität und Wirtschaftlichkeit besser sicherzustellen».

Mangelhafte Abrechnungspraxis

Zur Frage, ob die neu in die Stadtverwaltung integrierte Spitex Opfikon bereits neue Kundinnen und Kunden gewinnen konnte, fällt die Bilanz zurückhaltend aus. Nach der Integration habe zunächst die interne Konsolidierung im Vordergrund gestanden. Der Fokus habe auf «internen Abläufen, Strukturen und Prozessen» gelegen, hält der Stadtrat fest. Eine gezielte Erweiterung des Kundenkreises sei erst vorgesehen, «wenn die notwendigen Voraussetzungen geschaffen sind».

Auf der anderen Seite kritisierte kürzlich die Gesundheitskonferenz Kanton Zürich (GeKoZH) private Spitex-Organisationen ohne kommunale Leistungsaufträge wegen Mängeln bei der Kostenrechnung. In einer Stichprobe hätten viele Betriebe die verlangten Unterlagen nicht oder nur unvollständig eingereicht und kantonale Vorgaben missachtet.

Der Spitex-Verband Kanton Zürich hält fest, es sei nachvollziehbar, dass Gemeinden genauer hinschauten, wenn Restkosten mit öffentlichen Geldern mitfinanziert würden, «die letztlich in hohe Gewinne, Löhne oder Marketing statt in Pflegeleistungen fliessen».