Auch teurer Veloweg stoppt Glattalbahn nicht

Tobias Stepinski, Daniel Jaggi

Der Kantonsrat sagt Ja zur Glattalbahn-Verlängerung nach Kloten – für 290 Millionen Franken. Doch die Debatte drehte sich kaum um das Tram, sondern ums Velo und ein Viadukt.

Eigentlich hätte es am Montagmorgen im Kantonsrat um die Verlängerung der ­Glattalbahn nach Kloten gehen sollen: um ein Gesamtprojekt von 543,4 Millionen Franken mit Tramverlängerung, neuer Velohauptverbindung und Hochwasserschutz am Altbach. Dank Bundesbeiträgen verbleiben dem Kanton rund 290 Millionen Franken.

Doch debattiert wurde vor allem eines: das Velo. Denn die SVP wollte das Projekt an den Regierungsrat zurückweisen – und beantragte als Eventualvariante, die rund 100 Millionen Franken teure Velohauptverbindung um 23 Millionen zu kürzen. Beide Anträge scheiterten deutlich. «Velosekte hat wieder zugeschlagen», schreibt die Partei nach der Sitzung in ­einer Medienmitteilung.

Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) warb eindringlich für das Paket, an dem über zehn Jahre gearbeitet worden sei. Die drei Teilprojekte bedingten sich gegenseitig, man könne nichts herausschneiden. Zu den Velokosten räumte sie ein: «Die sind höch. Das schläckt kei Geiss weg.» Es sei aber nicht möglich, eine günstigere Variante zu erarbeiten – Tram und Veloweg teilten sich die Kosten des Viadukts über die Autobahn nach geltenden Regeln.

Streit am Bach

Zum Altbach, der mitten durch Kloten fliesst, sagte die Regierungsrätin nur kurz: «Es ist zwar ein kleiner, beschaulicher Bach, aber der hat es in sich.» Bei einem Hochwasser drohe grosser Schaden, gerade für den nahen Flughafen.

Dabei hatte der Bach zuvor für Streit gesorgt. Auf einem Drittel der Strecke führt die Bahn dem Altbach entlang – dafür müssten Bäume gefällt werden. Dagegen formierte sich die IG Pro Altbach: «Ja zur Glattalbahn – Nein zur Linienführung am Altbach.» Sie forderte eine Route via Bahnhof Kloten und legte kurz vor der Abstimmung ein Gutachten vor, das einen schweren Eingriff in die Natur sieht. Im Kantonsrat spielte das am Montag aber kaum eine Rolle – auch von den Grünen kam dazu nichts.

Vielfahrer gegen Veloweg

Den Rückweisungsantrag begründete Paul von Euw (SVP, Bauma) mit einem «systemischen Fehler»: Das Viadukt über die Autobahn koste rund 68 Millionen und werde zur Hälfte über den Strassenfonds finanziert, weil er auch den Veloweg trägt – eine «Veruntreuung der Gelder aus dem Strassenfonds», sagte der SVP-Kantonsrat.

Roman Schmid (SVP), Kantonsrat und Stadtpräsident von Opfikon, deklarierte sich als Vielfahrer: «Ich fahre im Jahr 4800 Kilometer mit dem Velo, hauptsächlich auf der Route Opfikon–Kloten.» Eine Veloverbindung bestehe bereits, nur 190 Meter entfernt. «Wir sind nicht gegen die Verlängerung der Glattalbahn, aber wir finden diese Veloinfrastruktur an diesem Ort zu teuer», sagt Schmid. Gegen die SVP stellte sich Christoph Fischbach (SP), als «einziger verbliebener Kantonsrat aus Kloten». Heute stünden sämtliche Lokalparteien inklusive SVP hinter dem Ausbauschritt, so der SP-Kantonsrat. Was die Velohauptverbindung teuer mache, sei vor allem der Autoverkehr: Weil bei der Autobahn ein Spurausbau geplant sei, müsse das Viadukt grösser gebaut werden – ein Teil dieser Kosten werde dem Veloweg angelastet. Mit ihrem Nein, so Fischbach, «fällt die SVP auch dem Flughafen in den Rücken».

Kloten steht dahinter

Widerstand kommt auch aus einer anderen Ecke. Eine Gruppe um Christian Cunier wandte sich brieflich an den Rat und forderte die Ablehnung oder zumindest eine Sistierung. Die Linienführung sei «völlig unzweckmässig», weil ein Direktanschluss an den Bahnhof Kloten fehle, und entlang des Altbachs müsste «ökologisch anerkannt wertvoller, alter Baumbestand» abgeholzt werden.

Gegen die Haltung der eigenen Partei stellt sich Kurt Hottinger (SVP), der designierte Stadtpräsident Klotens. Er trägt das Projekt mit: «Es ist sehr wichtig für die Stadt Kloten und die Region.» Die Kostensorgen seiner Kantonalpartei kann er nachvollziehen – beim Veloweg sei «es viel Geld». Dass er die SVP-Fraktion nicht umstimmte, sieht er gelassen: «Schlussendlich ist es auch nicht mein Job.»

Ein Freudentag war der Montag auch für die Verkehrsbetriebe Glattal (VBG), die für die Planung der Glattalbahn verantwortlich zeichnen. Mit dem Ja des Kantonsrates sind aber noch nicht alle Hürden übersprungen. «Noch müssen wir die verbliebenen Einsprachen erledigen», sagt der ebenfalls auf der Tribüne anwesende Direktor Matthias Keller. Total gab es 73. Zudem: Wird das Referendum ergriffen, kommt es noch zu einer Volksabstimmung.