Auch Klotens U18 schreibt Geschichte

Albert Fässler

Sie wollten den grossen Coup – und sie waren haarscharf dran. Klotens U18 lieferte dem amtierenden Meister ZSC Lions im Finalspiel einen unvergesslichen Fünf-Spiele-Krimi. Dann scheiterte der Qualifikations-Fünfte mit Silber – aber mit erhobenem Haupt und einem historischen Auftritt.

Das entscheidende fünfte Spiel am Ostermontag in der Swiss Life Arena war an Dramatik nicht zu überbieten. Auf das 2:1 nach 20 Minuten konterten die Gäste im Schlussdrittel erst mit dem 2:2 und 55 Sekunden vor dem Ende der normalen Spielzeit – ohne Goalie Grimm und einem sechsten Feldspieler – durch Elia Liniger zum 3:3. Doch damit war das Glück aufgebraucht und der ZSC Lions ging letztlich doch als Sieger vom Eis.

In der 64. Minute gelang Lionel Dedial das entscheidende 4:3. Ihn hatte die Klotener Defensive in sämtlichen fünf Partien nie im Griff. Mit Ach und Krach hat der amtierende Meister also den «Kübel» verteidigt. Dass der Qualifikations-Fünfte ihn über fünf Spiele forderte und beinahe zu Fall brachte, darf zweifellos als kleines «Wunder» bezeichnet werden. Denn seit Jahren wartete man in Kloten auf eine Nachwuchsmannschaft, die wieder einmal höhere Weihen erreichte. Bleibt zu hoffen, dass der jüngste Erfolg entsprechenden Auftrieb gibt.

Höhepunkt aus Klotener Sicht blieb deshalb Spiel Nummer 4 vor heimischem Publikum, in dem man den amtierenden Meister mit 4:3 bodigte. 2:0, 2:2, 3:2, 3:3 hiess es nach 60 Minuten. Die Spannung war in beiden Fan-Lagern kaum auszuhalten. Drittel Nummer 4 über 20 Minuten brachte auch keine Entscheidung. Was dann passierte, wird in die Annalen eingehen. Im ersten Angriff der fünfminütigen Verlängerung setzte das Trio Pascal Schürmann, Philip Moser und Elia Liniger den Gegner regelrecht schachmatt. Und es passt ins Bild, dass ausgerechnet Elia Liniger, der Sohn von Kloten-Legende Michael Liniger, die Traumkombination mit dem Siegestreffer krönte. Die Szenen danach waren einer Meisterfeier würdig. Grenzenloser Jubel «überfiel» Team, Staff und Klotener Fanblock («Stehplatz Schluefweg» zeigte sich von seiner besten Seite). Man umarmte sich, küsste sich und mitten drin im Pulk der Torschütze Elia Liniger. Sowas hat man in der Swiss-Arena lange nicht mehr gesehen!

Und das sind die «Beinahe»-Helden, die nur schon als Silbermedaillengewinner gleichsam Historisches schafften: Torhüter Silvan Grimm. Ersatz Cedric Broder. Verteidiger: Philip Moser, Silvan Zollinger, Laurin Rupli, Tim Urscheler, Vito Thoma, Andreas Felix Frei, Thierry Spühler. Stürmer: Elia Liniger, Paul Martinovic, Timm Nater¸ Dario Stano¸ Jakob Frei, Pascal Schürmann, Yunus Kocabay, Christian Stuber, Andri Hohl, Gian-Andrea Badrutt, Noel Bosshard¸ Liam Heuberger, Neel Ammann. Coach: Fabian Sutter.

Einziger «Party-Killer» in diesem Freudentaumel waren die Anordnungen der Stadion-Betreiber. Auf einer Tribünenseite war kein einziges WC geöffnet – und das bei fast 1200 Zuschauern. Auf der Restaurant-Seite konnte man sich zwar erleichtern, aber es fehlte an WC-Papier und einzelne Handtrockner hatten ihren Geist auch aufgegeben. Das war definitiv kein Ruhmesblatt für die Verantwortlichen und sorgte im Publikum denn auch für viel Ärger.