Auch 27 Lebensretter in Opfikon

Daniel Jaggi

Rund 2000 First Responder sind im Kanton Zürich einsatzbereit, um bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sofort wiederzubeleben. Rund 1000 Notfälle gibt es pro Jahr. In Opfikon kam es zu 13 Einsätzen.

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Sekunde. Je schneller mit der Reanimation begonnen wird, desto grösser sind die Überlebenschancen des Patienten. Doch längst nicht alle tun auch ­etwas. Gemäss dem Jahresbericht von Swissreca alarmiert gerade mal jede zweite Person innerhalb von drei Minuten den Rettungsdienst. Wertvolle Zeit verstreicht und die Überlebenschance des Patienten sinkt mit jeder Minute um 10 Prozent.

Die Gebäudeversicherung des Kantons Zürich (GVZ), die auch für die Feuerwehren zuständig ist, hat deshalb im Februar vor zwei Jahren das Projekt «First Responder» gestartet und damit ein flächendeckendes Netz von Ersthelfern geschaffen, die zusätzlich zum Rettungsdienst aufgeboten werden. Weil sie sich über das ganze Kantonsgebiet verteilen, sind sie auch schneller beim Patienten, weshalb ihnen eine grosse Bedeutung zukommt.

In Opfikon gibt es derzeit 27 First Responder, wie bei der Gebäudeversicherung auf Nachfrage zu erfahren ist. Sie leisteten zwischen April 2025 und März 2026 13 Einsätze. In Kloten mit 46 gemeldeten First Respondern waren es 18 Einsätze und in Wallisellen mit 38 First Respondern 14 Einsätze. Dazu muss man wissen: Zu jedem Einsatz werden über eine App die drei nächstgelegenen First Responder aufgeboten. Einer von ihnen hat die Aufgabe, den nächstgelegenen ­Defibrillator zu holen, während die anderen beiden direkt zum Patienten eilen. Wie erfolgreiche die Einsätze waren, kann man bei der GVZ aber nicht sagen. Sprecherin Irene Schertenleib sagt: «Diese Zahlen stehen nicht zur Verfügung. Es existieren nur schweizweite Messungen über die gesamte Reanimationskette.» Detaillierte Zahlen sind aber auch im Reanimationsregister Swissreca nicht ersichtlich.

Zwei Jahre nach Start des Pilotprojekts fällt die Zwischenbilanz der GVZ dennoch positiv aus: Bereits über 2000 einsatzbereite Ersthelferinnen und Ersthelfer gibt es im Kanton Zürich. Seit Beginn des Projekts im April 2024 rückten First Responder jährlich zu rund 1000 Herz-Kreislauf-Stillständen aus und leisteten erste Hilfe.

Über 100 Einsätze im letzten Jahr

Im Bezirk Bülach engagieren sich derzeit 363 freiwillige Ersthelferinnen und Ersthelfer. Die grössten Gruppen an First Respondern stellen die Städte Bülach (49), Kloten (46) und Wallisellen (38). Aber auch in kleineren Gemeinden ist das Engagement bemerkenswert: So zählen etwa Bassersdorf 24 und Embrach 23 aktive Ersthelfende. Selbst in den kleinsten Gemeinden wie Wasterkingen sind zwei Freiwillige im Einsatz.

Seit dem Start des Projekts zeigt sich eine positive Entwicklung: Allein im letzten Betriebsjahr von 1. April 2025 bis 31. März 2026 wurden im Bezirk Bülach etwas mehr als 100 First-Responder-Einsätze registriert.

Kein fixer Zielwert

Ein konkretes Zielverhältnis zwischen First Respondern und Einwohnerzahl gibt es nicht. Allerdings orientiert man sich an internationalen Studien. Im Kanton Zürich wird ein Zielwert von rund 2500 First Respondern angestrebt. Das entspricht ungefähr einem Verhältnis von einem Ersthelfer auf 640 Einwohner.

Mit aktuell 2032 einsatzbereiten First Respondern ist dieses Ziel in greifbarer Nähe. Schertenleib: «Wir haben das Projektziel eigentlich schon erreicht: Nebst den einsatzbereiten First Respondern ­haben sich zahlreiche weitere Personen registriert. Sobald diese die notwen­digen Qualifikationsnachweise eingereicht und den GVZ-Einführungskurs besucht haben, sind sie einsatzbereit.» Man könne also davon ausgehen, das Ziel von 2500 First Respondern zu erreichen.

Einen typischen First Responder gibt es nicht. Angesprochen sind alle erwachsenen Personen, die im Kanton Zürich wohnen oder arbeiten und einen zertifizierten BLS-AED-Kurs absolviert haben. Besonders wichtig ist dabei die Bereitschaft, in Notfallsituationen Verantwortung zu übernehmen.

Bedingungen gelockert

Mehr als zwei Jahre nach dem Start des Pilotprojekts fällt die Bilanz positiv aus. Die Zahl der First Responder konnte kontinuierlich gesteigert werden, gleichzeitig wurden die Grundlagen verbessert. «Wir haben die Rahmenbedingungen laufend geschärft und die Zulassungsbedingungen gelockert. Neu können sich auch ausserkantonal wohnhafte Personen registrieren, die den Arbeitsort im Kanton Zürich haben, und die bisherige Beschränkung auf Angehörige von Organisationen oder Vereinigungen entfällt.» Neu zugelassen sind alle erwachsenen Personen mit einem SRC-zertifizierten BLS-AED-Zertifikat.

Zukunft noch offen

Das Pilotprojekt ist auf drei Jahre angelegt. «Um es nach Abschluss der Pilotphase weiterzuführen, braucht es eine Anpassung der Rechtsgrundlagen seitens des Regierungsrats mit Genehmigung durch den Kantonsrat», erläutert Schertenleib weiter.

So viele First Responder gibt es in den Gemeinden

Bülach49Kloten46
Wallisellen38Opfikon27
Bassersdorf24Embrach23
Rafz21Eglisau17
Rorbas17Dietlikon16
Nürensdorf16Bachenbülach11
Lufingen11Winkel11
Glattfelden 10Oberembrach7
Höri6Hochfelden 5
Wil und Hüntwangen je 3Wasterkingen2

Sie sind meist zuerst vor Ort: First Responder leisten bei einem Herz-Kreislauf-StillstandSoforthilfe und retten so Leben. Bild zvg