Abschied heisst ungewollt loslassen

Richard Stoffel

Beim Saisonabschluss-Event des EHC Kloten gab es reichlich Autogrammzeit für die Fans. Zudem verabschiedete die Klubführung acht Spieler und die drei Trainer aus dem Co-Trainer-Stab des Fanionteams.

Rund ein halbes Dutzend Klotener U9- und U12-Junioren bildeten eine dichte Traube um Topskorer Dario Meyer. Sie streckten ihm mit leuchtenden Augen ­alles entgegen, was sich gerade fand: Caps, Shirts oder andere Utensilien – in der Hoffnung auf ein Autogramm. Das Strahlen in den Gesichtern der jungen Kiebitze wirkte ansteckend. Für einen Moment fühlte man sich in die eigene Kindheit zurückversetzt, als man selbst noch seinen Idolen nacheiferte. Die Saisonendparty des EHC Kloten am 14. März in der Swiss Arena liess denn auch keinen Besucher kalt. Der Tabellenzwölfte der abgeschlossenen Qualifikationsphase der National League stand bei seinen Fans nochmals im Mittelpunkt. Nach der Autogrammstunde mit allen Spielern und Coaches des Fanion­teams wurden acht Akteure sowie der ­gesamte dreiköpfige Co-Trainer-Stab von Headcoach Lauri Marjamäki verabschiedet.

Grosser Wechsel im Co-Trainer-Stab

Bereits zuvor hatte der Klub die Abgänge von Goalietrainer Tim Bertsche (27) und Assistenztrainer Benjamin Winkler (49) bestätigt. Doch erst am Tag vor der Saison­endparty wurde auch der Abgang von Kimmo Rintanen (52) publik gemacht, der für die Stürmer und das Powerplay verantwortlich zeichnete. Während Bertsche laut diversen Quellen zu Bern wechselt, wurden die Verträge von Winkler und Rintanen nicht verlängert.

Stand heute sind beide ohne neuen Arbeitgeber. Beni Winkler nannte seinen nächsten Arbeitgeber mit trockenem Humor: «Das RAV Amriswil.» Wenn sich im Eishockey nichts mehr ergebe, sei er offen für eine Umschulung oder einen Quer­einstieg. «Ich kann mich für vieles begeistern, auch wenn ich seit meinem 15. Altersjahr immer im Hockey drin gewesen bin.»

Muss sich damit abfinden

Er habe noch nicht lange gewusst, dass es zu keiner Verlängerung komme, habe sich aber bereits zuvor darauf eingestellt gehabt. Es sei halt ein Business-Entscheid. Die einen wollten etwas so, die anderen etwas anders – und damit müsse man sich abfinden. Der zurücktretende Captain Steve Kellenberger sagte dazu: «Es ist halt wie bei Spielern, die kommen und gehen. Über die Gründe für die Wechsel im Coaching-Staff waren wir Spieler nicht involviert. Ich kenne sie nicht.» Austauschbar sei am Ende wie in der Wirtschaft jeder. Schlussendlich habe der Headcoach seine Ideen. Von Vereinsseite heisst es: «Die Veränderungen geben der Mannschaft neue Impulse. Gleichzeitig wird das bestehende Grundkonzept konsequent weitergeführt und weiterentwickelt.»

Klotener Legende muss gehen

Vor allem der Abgang von Kimmo Rintanen überrascht, weil er wie kaum ein anderer im aktuellen Staff Loyalität zum EHC Kloten verkörperte. Von 2001 bis 2011 war der Finne selbst Spieler in Kloten, von 2012 bis 2015 Assistenztrainer. 2021 kehrte er erneut zurück und feierte mit dem Klub auf Anhieb die Rückkehr in die National League und ist seither ununterbrochen als Assistenztrainer tätig.

Mit dem Abgang des Finnen, der in Kloten eine hochgeschätzte Spielerlegende war und unter anderem dreifacher WM-Silbermedaillengewinner sowie Hall-of-Famer ist, hatte man deshalb kaum gerechnet. «Es ist hart, dass es zu Ende gegangen ist. Es ist nicht mein Entscheid», sagte Rintanen dem «Klotener Anzeiger».

«Ich wäre gerne geblieben»

«Sie wollten Veränderungen im Trainer­staff. Ich kenne die Gründe nicht, aber der Klub hat diesen Entscheid getroffen.» Er wäre gerne geblieben: «Ich habe hier ein Drittel meines Hockey-Lebens verbracht. Aber so ist das Business. Leute kommen und gehen.» Der Entscheid sei ihm noch im alten Jahr mitgeteilt worden. Einen neuen Klub hat er bislang nicht. «Ich weiss noch nicht, was als Nächstes passiert.»

Rintanen möchte aber auf jeden Fall im Eishockey bleiben. «Ich habe nichts anderes gemacht in meinem Leben. Es ist meine Leidenschaft, seit ich drei Jahre alt bin.» Das Powerplay, für das Rintanen verantwortlich war, verbesserte sich vom letzten Rang der Vorsaison auf Platz vier. Die beiden letzten Spielzeiten verliefen im Finish allerdings unterschiedlich. Während Kloten im Vorjahr viele enge Spiele gewann, war es diesmal umgekehrt. «In wichtigen Momenten fehlte die Effizienz», so Rintanen.

Ungewisse Zukunft für Morley

Bei den Spielern erhielten die Imports Robert Leino (Finnland), Lukas Klok (Tschechien) und Tyler Morley (Kanada) keinen neuen Vertrag. Auch Goalie Ludovic Waeber (Fribourg-Gottéron), die Stürmer Nolan Diem (Ajoie), Axel Simic (Lausanne), Deniss Smirnovs (Ziel unbekannt) sowie Captain Steve Kellenberger (Rücktritt) verlassen das Team.

Bei Morley fiel der Entscheid gegen eine Vertragsverlängerung offenbar bereits vor Monaten. Der 34-jährige Kanadier realisierte am Ende mit 26 Punkten (12 Tore) aus 42 Spielen dennoch seine beste von drei Klotener Saisons. Vor allem im letzten Saisonviertel imponierte er mit seinen wuchtigen Abschlüssen und kernigen Checks.

«Ich weiss es noch nicht», sagte Morley zu seiner Zukunft, während er Töchterchen Aurora im Arm hielt. Morley spielte vier Jahre lang für die Alaska Nanooks an der University of Alaska Fairbanks. «Aurora», das Nordlicht, ist ein zentrales Symbol dieser Universität und der Region Fairbanks.

WM-Aufbau für Bernd Wolf

Zwei fixe WM-Teilnehmer für Mitte bis Ende Mai in der Schweiz könnte Kloten trotz seiner durchzogenen Saison in seinen Reihen haben – sofern keine Verletzung dazwischenkommt. Goalie Davide Fadani (Italien), der bereits bei Olympia für Gastgeber Italien im Einsatz stand, und Verteidiger Bernd Wolf (Österreich) werden bei der Weltmeisterschaft ihre Vorrundenspiele in Freiburg beziehungsweise Zürich bestreiten. Beide zählen bei Kloten aufgrund ihrer Schweizer Lizenzen nicht zum Ausländerkontingent.

Wolf trifft dabei am 20. Mai mit Österreich in der Swiss Life Arena in Altstetten auf Gastgeber Schweiz. In rund drei Wochen steht für Wolf der erste Zusammenzug des österreichischen Nationalteams an. Danach folgen rund fünf Wochen WM-Vorbereitung unter dem in Kloten wohnhaften österreichischen Nationaltrainer mit Klotener Vergangenheit, Roger Bader. Bis dahin trainiert Wolf individuell. «Ich mache jetzt eine kurze Pause und gehe dann wieder aufs Eis. Im Sommer folgen dann zwei Wochen richtige Ferien mit der Familie.»

Über vier Jahrzehnte Fanliebe

Langzeit-Fan Monika Illi war eine von zahlreichen Klotener Anhängern, die den Saisonendevent besuchten. Seit über 40 Jahren schlägt das Herz der mittlerweile 68-Jährigen aus Embrach für die Flughafenstädter. Auch in schwierigen Zeiten wie dem Fastkonkurs oder dem Abstieg in die Swiss League blieb sie dem Klub treu. Zur abgelaufenen Saison sagte Illi: «Es gingen viele Spiele knapp verloren, und Kloten erzielte zu wenig Tore. Nach der Olympia-Pause ging der Knopf dann plötzlich noch auf, und es wurde besser.»

Dass Kloten am Ende nicht gegen den Abstieg kämpfen musste, beruhigte sie. Was sie indes nur schwer verkraften kann, sei der Rücktritt von Steve Kellenberger, «denn er ist mein absoluter Held».

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