450 Stellen bedroht: KI-Ausbau trifft wohl Opfikon

Tobias Stepinski

Sunrise setzt auf KI und will bis zu 450 Stellen streichen. Verschont bleiben die Shops und der Kundendienst, nicht aber der Hauptsitz in Opfikon mit rund 1750 Angestellten. Diese haben einen Verdacht.

Am Hauptsitz von Sunrise in Opfikon geht die Angst um. Der Telekomanbieter hat im September angekündigt, bis zu 450 Vollzeitstellen abzubauen. Es ist die zweite Abbaurunde innerhalb eines Jahres: Bereits im Februar mussten 147 Mitarbeitende gehen. Schweizweit zählt Sunrise rund 2600 Vollzeitstellen.

Vom neuen Abbau ausgenommen sind die Shops, das Callcenter sowie Vertrieb und Kundenservice. Deshalb befürchten die rund 1750 Mitarbeitenden in Opfikon, dass es vor allem sie trifft. Das berichtet die «SonntagsZeitung» unter Berufung auf Angestellte. Betroffen wären Stellen in IT-Projekten, im Marketing und im Controlling. Bewahrheitet sich das, könnte am Hauptsitz jede vierte Stelle wegfallen. Die Belegschaft sei im «Schockzustand», sagt ein Insider gegenüber der Zeitung. Man überlege bereits, welche Projekte in den nächsten Jahren noch umgesetzt werden könnten.

Sunrise widerspricht dieser Darstellung. Personelle Auswirkungen könne es an verschiedenen Standorten geben. Das Unternehmen spricht von einer «umfassenden Neuausrichtung des Betriebsmodells». Künstliche Intelligenz und Automatisierung seien dabei «Werkzeuge», um die Ziele zu erreichen. Wie weit der Einsatz von KI bereits geht, zeigt sich bei den Billigmarken. Laut CEO André Krause wird CHmobile mit «zwei oder drei Mitarbeitenden» betrieben. Die letzten Werbekampagnen für Yallo entstanden laut Sunrise vollständig mit KI.

Ist der Bonus schuld?

Die Angestellten in Opfikon hingegen kritisieren, das Management habe keine klare KI-Strategie vorgelegt. Sie vermuten stattdessen einen Zusammenhang mit dem Bonus von Krause. Ihm wurden beim Börsengang 15,4 Millionen Franken zugesprochen, geknüpft an Gewinn- und Dividendenziele sowie zu einem grossen Teil an den Aktienkurs. Sein Aktienpaket kann Krause erst vier Jahre nach dem Börsengang einlösen.

Die Anlagestiftung Ethos kritisierte in der NZZ, damit würden zu hohe Anreize gesetzt, Kosten zu sparen. Sunrise hält dagegen, zwischen dem Umbau und den Finanzzielen 2026 gebe es keinen Zusammenhang. Als börsenkotiertes Unternehmen wolle man aber «langfristig und nachhaltig Wert für Aktionärinnen und Aktionäre schaffen».

Die Gewerkschaft Syndicom verurteilt das Vorgehen. In einer Petition fordert sie, Alternativen zum Abbau zu prüfen und keine Tätigkeiten an externe Stellen oder ins Ausland auszulagern. Sie hofft, zumindest einen Teil der Stellen zu retten.