16.10.2019
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Das Chamäleon, der Star des Zooapéros


Vorausschauend und nachsichtig zugleich, Millionen Jahre alt und mit speziellen Fähigkeiten ausgestattet: das Chamäleon, im Speziellen das Pantherchamäleon. Dieses spezielle Tierstend heute im Zentrum des Zooapéros, eines monatlichen Medientreffens im Zoo Zürich.

Madagaskar ist ein eigentlicher Hotspot für Chamäleons, leben doch mehr als vierzig Prozent der etwas über zweihundert Arten hier. Erdgeschichtlich haben diese Tiere eine Vergangenheit, die rund sechzig Millionen Jahre zurückreicht. Die heutige Verbreitung der Chamäleons umfasst Afrika, Madagaskar, den Mittelmeerraum, den Nahen Osten und den indischen Subkontinenten. In der Grösse variieren die Arten zwischen knapp drei und etwa siebzig Zentimetern. Die Familie der Chamäleons wird unterteilt in die Stummelschwanzchamäleons und die Echten Chamäleons.

Spezialisierte Augen und Zunge
Chamäleons weisen einige Besonderheiten auf. Die aus dem Kopf herausstehenden Augen können unabhängig voneinander bewegt werden, und dies in einem Bereich von 180 Grad in der Horizontalen und 90 Grad in der Vertikalen. Die Augen sind sehr leistungsfähig und können verschiedene Farben wahrnehmen. Sie sind jedoch nicht sehr lichtempfindlich, weshalb Chamäleons tagaktiv sind. Fokussiert sich ein Tier auf eine Beute, erlaubt die Anordnung der Augen eine präzise Distanzschätzung.
Dies ist für eine weitere Besonderheit von Bedeutung: den Einsatz der Schleuderzunge. Beschleunigt durch die Bewegung des Zungenbeines und die Kontraktion eines Ringmuskels wird die Zunge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 20 km/h bis mehr als die Körperlänge des Tieres herausgeschleudert. Die verdickte und muskulöse Zungenspitze umfasst die Beute partiell und zieht diese ins Maul zurück. Der zähflüssige Speichel unterstützt bei diesem Vorgang die Haftung der Beute an der Zungenspitze.

Kommunikative Farben
Chamäleons können sehr farbenprächtig sein und ihre Färbung schnell verändern. Dieser Farbwechsel dient nicht primär der Tarnung, sondern ist vielmehr eine Form der Kommunikation mit Artgenossen und wird von klimatischen Faktoren beeinflusst. So werden verschiedene Stimmungen angezeigt, Balzhandlungen unterstützt oder zur Thermoregulation die Grundfärbung aufgehellt oder abgedunkelt.
Komplexe Mechanismen ermöglichen dieses Farbenspiel: In der Oberhaut liegen in übereinanderliegenden Schichten verschiedene Farbzellen. Zuoberst sind dies Pigmentzellen für gelbe und rote Farbtöne (Xantophoren). Dann folgen Zellen mit Guanin-Kristallen (Guanophoren), die das Licht brechen und blaues Licht reflektieren. Je nach Abstand zwischen diesen Kristallen variiert die Wellenlänge des reflektierten Lichtes. Zuunterst liegen die Farbzellen mit dem schwarzen Pigment, dem Melanin (Melanophoren). Die Melanophoren haben Verästelungen, die die oberen Schichten mit den anderen Farbzellen durchdringen. Je nach dem wie sich die Pigmentzellen ausdehnen oder zusammenziehen und wie weit das Melanin in die oberen Schichten vordringt, entstehen unterschiedliche Färbungen.

Greiffüsse und -schwanz

Der sicheren Fortbewegung im Geäst von Bäumen und Sträuchern dienen die als Greiforgane ausgebildeten Füsse. Bei den vorderen Extremitäten sind jeweils die drei inneren und die beiden äusseren und bei den hinteren Extremitäten die beiden inneren und die drei äusseren Zehen miteinander verwachsen. Die Haftung der so gebildeten «Klammern» wird noch durch die Krallen verstärkt. Als weiteres Greiforgan dient den Echten Chamäleons der Schwanz.

Pergamentschalige Eier
Chamäleons sind eierlegend. Drei bis sechs Wochen nach der Paarung sucht sich das Weibchen einen geeigneten Ablageplatz und gräbt ein bis zu dreissig Zentimeter tiefes Loch, in das sie ihre – je nach Art – zwei bis vier oder bis über fünfzig Eier ablegt. Nach einer Entwicklungszeit von vier bis zwölf Monaten schlüpfen die Jungen. Bei einigen Arten trägt das Weibchen seine Eier während der ganzen Entwicklungszeit von fünf bis sieben Monaten mit sich herum. Bei der Eiablage schlüpfen die vollentwickelten Jungtiere («lebendgebärend», Ovoviviparie).

Das Pantherchamäleon
Mit einer Länge von bis zu etwa fünfzig Zentimetern gehört das Pantherchamäleon zu den grösseren Vertretern dieser Familie. Beheimatet ist es in den Küstenregionen im Norden und Nordosten Madagaskars, auf dort vorgelagerten Inseln sowie auf Réunion und Mauritius. Es besiedelt gut besonnte Flächen im Kulturland, in Busch- und Baumgruppen, in niederen Sekundärwäldern sowie entlang von Waldrändern. Es kann auch in Regenwäldern angetroffen werden.
Gross ist die Variabilität der Färbungsmuster bei dieser Art, wobei gewisse Muster auch bestimmten Herkunftsgebieten zugeordnet werden können. Während die Farbpalette bei den Männchen von Rot über Gelb, Grün und Blau bis Türkis reicht, bewegen sich die Farbtöne der in der Körpergrösse etwas kleineren Weibchen mehrheitlich in Grau, Ocker, Braun, Orange oder Rot.

Wie im Freiland
Im Masoala Regenwald lebt eine Population von über dreissig individuell markierten Pantherchamäleons frei. Man begegnet diesen Tieren entlang des Besucherweges, sie können aber auch zuoberst auf dem Baumkronen-Weg angetroffen werden. Es gibt Wegabschnitte, die von den Chamäleons besonders gerne aufgesucht werden und wo sich diese Tiere auch von der erhöhten Aufmerksamkeit seitens der Besucher nicht stören lassen. Nebst der gelegentlichen Zufütterung mit Heimchen ernähren sich die Tiere von allerlei in der Halle vorkommenden Insekten. Gelegentlich nehmen sie auch pflanzliche Kost wie Blätter oder Beeren zu sich.
Immer wieder werden im Masoala Regenwald auch kleinste, frisch geschlüpfte Chamäleons entdeckt. Das zeigt, dass die Fortpflanzung unter den gegebenen Hallenbedingungen funktioniert. Die Zucht der Chamäleons wird durch begleitende Massnahmen unterstützt. So werden aufgefundene Jungtiere zur Erhöhung ihrer Überlebenschance für ein paar Wochen in Hintergrundanlagen aufgezogen. Werden hochträchtige Weibchen beobachtet, so werden diese zur Eiablage in die Hintergrundanlagen genommen. Die abgelegten Eier werden dann in Inkubatoren während acht bis zwölf Monaten bebrütet und die geschlüpften Jungen, wenn sie eine gewisse Grösse erreicht haben, in die Halle eingesetzt oder an andere Zoos abgegeben. Die so erfassten Gelege umfassen etwa fünfzig bis dreissig Eier. In den letzten fünf Jahren sind rund 250 Junge geschlüpft. In den Hintergrundanlagen lebt zudem ein mit unserem Grundstock an Chamäleons unverwandtes Männchen, das dort gezielt mit Weibchen verpaart wird.

Überraschendes Nahrungsspektrum
Der Name Pantherchamäleon ist quasi die Potenzierung einer Raubkatze, denn «Chamäleon» leitet sich vom griechischen Wort für «Erdlöwe» ab. Wenn man sich das normale Nahrungsspektrum dieser Echse vor Augen führt, so ist der Name schon etwas übertrieben. Berücksichtigt man aber ihre ungewöhnlichen Beutetiere, macht er schon eher Sinn: Pantherchamäleons wurden bei uns im Masoala Regenwald dabei beobachtet, wie sie einen Plattschwanzgecko, einen Madagassischen Taggecko, eine Spitzmaus oder einen Madagaskar Weber erbeuteten.

Eine (noch) nicht gefährdete Art
Das Verbreitungsgebiet des Pantherchamäleons umfasst auch den Masoala Nationalpark, eines der zentralen Naturschutzprojekte des Zoo Zürich. Noch gilt diese Chamäleonart im Bestand als stabil und ungefährdet. Das soll so bleiben. Ein Beitrag dazu sind die Bemühungen zur Erhaltung dieses Nationalparks, eines der letzten grossen Waldgebiete Madagaskars auf der Halbinsel Masoala. (pd./ Foto: zvg.)



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