11.04.2019
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Gefährdet der Flughafen-Ausbau das Zürich Openair?


Der Flughafen baut aus und muss den Flächenverschleiss kompensieren. Deshalb
soll das Glatt-Flussbett wesentlich breiter werden. Das stellt die Zukunft des Zürich Openair am heutigen Standort infrage.

Blaue und pinkfarbene Holzpflöcke stecken seit einigen Tagen in den Feldern entlang der Glatt. Sie markieren, wo diese künftig verlaufen soll: nicht mehr schnurgerade dem westlichen Ende des Flughafens entlang, sondern mäandrierend, wie sie es vor der Korrektur getan hat. Die Folgen: Weil die Glatt mehr Platz benötigt, müssen andere weichen. Bauern verlieren Kulturland, Waldbesitzer Bäume, da auch Teile des Waldes neu zum Überflutungsgebiet der Glatt gehören.


Aber auch das Zürich Openair, das jeweils Ende August westlich des Flughafens auf einer Wiese stattfindet, wird sich einschränken müssen. Erheblich sogar, wie eine Auswertung des derzeit aufliegenden Plangenehmigungsgesuchs zeigt: Von den rund 95 000 Quadratmetern, auf denen das Openair bislang stattfand, bleiben nach der Renaturierung noch knapp 75 000 übrig. Damit dürfte die Wiese um rund 20 000 Quadratmeter schrumpfen, knapp drei Fussballfelder. Für die Veranstalter eine anspruchsvolle Aufgabe, denn die Aufbauten stehen heute bereits eng beieinander. Ebenso müssten die rund 80 000 Besucher und 3000 Zelte künftig noch näher zusammenrücken.
Bei den Veranstaltern ist das Projekt bekannt, wie Finanzchef Michael Fasler auf Anfrage sagt. Man stehe mit den entsprechenden Stellen in Kontakt. «Über allfällige Auswirkungen auf das Zürich Openair können wir leider noch keine Aussage machen», sagt Fasel weiter.


Keine langjährigen Verträge
Sicher ist aber: Die Veranstalter müssten sich bald einmal Klarheit verschaffen, denn mit der Realisierung ist in 3 bis 5 Jahren zu rechnen, sagt Flughafen-Sprecher Philipp Bircher. Zudem: Ein Ausweichen am heutigen Standort ist gar nicht möglich, denn im Süden und im Westen wird das Gelände durch eine Kantonsstrasse begrenzt, im Norden steht Wald und östlich wird künftig die mäandrierende Glatt fliessen.
Konkreteres über die Zukunft des Openairs konnte man auch beim Kanton nicht machen. Er ist der Grundeigentümer der Wiese, die sich teilweise auf Rümlanger und teilweise auf Opfiker Boden befindet. Klar ist aber: Es bestehen keine langjährigen Vertragsverpflichtungen, wie Thomas Maag, Sprecher der Baudirektion, auf Anfrage sagt. «Der Vertrag zwischen dem Kanton Zürich und dem Zürich Openair wird vom Immobilienamt jeweils immer nur für das folgende Jahr abgeschlossen.» Zur Zukunft des Openairs am heutigen Standort sagt Maag: «Ob sich das Grundstück nach der Renaturierung der Glatt noch für das Zürich Openair eignet, ist zum heutigen Zeitpunkt
offen.»


Zum Erholungsraum aufwerten
Die Aufwertung der Glatt steht in direktem Zusammenhang mit den verschiedenen Flughafen-Ausbauten, denn die Flächen müssen anderswo kompensiert werden. Der Flughafen tut dies mit der Renaturierung eines 2,7 Kilometer langen Teilstücks der Glatt, die einst in einen «hart verbauten, monotonen Kanal von 30 Metern Breite» gepfercht worden sei, so ist dem Projektbeschrieb zu entnehmen. Anstelle von vielen Kleinprojekten soll ein einziges Projekt umgesetzt werden, so steht es in der Projektbegründung. Die Flughafen-Besitzerin, die Flughafen Zürich AG, hat deshalb mit dem Kanton, der Hauptaktionär der Aktiengesellschaft ist, vereinbart, dies an der Glatt vorzunehmen. Es soll neben dem Natur- und Artenschutz auch dem Landschaftsschutz dienen und das Gebiet zu einem für die Bevölkerung attraktiven Erholungsraum aufwerten. (dj.)



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